Waiblingen Hundetrainer: Wo Hunde und Menschen lernen

Waiblingen. Simba jagt gerne, Nanuk macht lieber Kunststücke. Simba ist neugierig, Nanuk schüchtern. Simba ist schwarz, Nanuk weiß. So unterschiedlich, wie Hunde sind, so individuell muss auch ihre Ausbildung sein, sagt die Hundetrainerin Heike Benzing. Dabei arbeitet die Waiblingerin nicht mit Strafen und Verboten – sondern mit positiver Verstärkung und Beschäftigung.

In großen Sätzen jagt Simba über die Wiese, schlägt einen Haken – und klaut Nanuk sein Spielzeug. „Was die anderen haben, ist natürlich immer interessanter“, sagt seine Besitzerin Melanie Mayr und lacht. Dann ruft sie ihren dreijährigen Rüden zu sich. Zwar widerstrebend, aber folgsam legt er ihr die fellbesetzte Stoffrolle in die Hand. Simba sei sehr neugierig – und außerdem „stark jagdlich motiviert“, sagt die Hundebesitzerin. Was für andere ein Problem wäre, gehört für Mayr aber einfach zum Naturell ihres Hundes dazu. „Dieses Bedürfnis muss man befriedigen, nur alternativ eben“, erklärt sie. So hat sie es von der Hundetrainerin Heike Benzing gelernt, mit der sie seit fast drei Jahren regelmäßig trainiert.

Video: Was sollte ein Hund unbedingt können

„Nicht abwarten, bis Fehler passieren“

Nanuk wiederum ist ganz anders. Der zweieinhalbjährige Rüde kommt ursprünglich aus Rumänien. Seine Besitzerin Biggi Niebauer hat ihn mit fünf Monaten von einer Tierschutzorganisation übernommen. „Er ist ein Angsthund“, sagt sie. Auf den ersten Blick ganz normale Alltagssituationen überforderten ihn häufig. Und tatsächlich: Der große weiße Hund wird ganz klein, als der Wind aufheult. Doch ein Blick und ein paar Worte von seinem Frauchen reichen und er sucht bei ihr Schutz. „Früher wäre er abgehauen“, sagt Niebauer. Das Training zeigt seine Wirkung. Eigentlich seien es aber vor allem die Besitzer, die an sich arbeiten müssten, fügt Niebauer hinzu.

Lerne deinen Hund kennen

Benzing ist seit mehr als einem Jahrzehnt mit ihrer eigenen Hundeschule selbstständig, vorher hatte sie als Sport- und Gymnastiklehrerin gearbeitet. Als die ersten Zipperlein kamen, sattelte sie um und studierte Tierpsychologie an der Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN). Ihr Konzept fasst sie so zusammen: „Wir warten hier nicht, bis Fehler passieren, sondern setzen vorher an und belohnen selbst gezeigtes Verhalten.“ Sie erklärt es an einem Beispiel: Wenn ein Hund an Menschen hochspringe, dann lehrten viele Hundeschulen, einfach das Knie hochzuziehen. Viel effektiver sei es aber, den Hund zu loben, solange er noch alle vier Pfoten auf dem Boden habe – und ihm dann eine Alternative zu bieten.

Benzing erklärt: Es gehe darum, den eigenen Hund kennenzulernen, seine Vorlieben und Bedürfnisse, und dann damit zu arbeiten. „Hunde lernen ganz ähnlich wie Menschen, die Hirnareale ähneln sich und auch die Emotionen.“ Dies lasse sich nutzen. Ein Hund brauche Erwartungssicherheit: Alles, was er nicht vorhersehen könne, verunsichere ihn. Das alte Konzept von Zuckerbrot und Peitsche sei kontraproduktiv.

Den Jagdtrieb alternativ befriedigen

„Unerwünschte Verhaltensweisen einfach zu deckeln, ist dem Tier gegenüber nicht fair“, erläutert Benzing. Dies gelte auch für Angst, Aggression oder eben die Jagdlust. Hier sei es besser, dem Hund etwas anzubieten, das er gerne mache, als ihn zu strafen. Letzteres versetze ihn nur in eine Art Schockstarre.

So hat der aufgeweckte Rüde Simba beispielsweise gelernt, dass er Tiere angucken darf, wenn er dabei stillsteht. Er darf auch Spuren verfolgen, aber nur an der Leine. Und seine Besitzerin stellt ihm Suchaufgaben. All das macht ihm Spaß und befriedigt seinen Jagdtrieb auf alternative Weise.

Trennungsstress fühlt sich für Hunde an wie Liebeskummer“, erklärt die Hundetrainerin Heike Benzing. Es sei möglich, diesen abzutrainieren – allerdings gebe es Hunde, die das Alleinebleiben nie lernten.

Wichtig sei es, dem Hund eine Komfortzone zu schaffen, in der er sich wohlfühle. Auch Rituale könnten helfen. „Wir sagen zu unseren eigenen Hunden immer: ,Bis später, Freunde’, wenn wir das Haus verlassen“, erzählt Benzing. Und die Begrüßung bei der Rückkehr sei wichtig.

Mit dem Thema Trennungsstress beschäftigt sich auch ein SWR-Beitrag, in dem die Hundeexpertin Heike Benzing zu sehen ist. Er wird am 21. Februar um 20.15 Uhr ausgestrahlt.

Mehr zu Benzings Hundeschule „4Steps4Dogs“ gibt’s online unter www.4steps4dogs.de.

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