Waiblingen Im Kreis fehlen 5000 Wohnungen

Symbolbild. Foto: Pixabay (CC0 Creative Commons)

Waiblingen. Etwa 5000 bezahlbare Wohnungen fehlen im Rems-Murr-Kreis. Dirk Braune, der Geschäftsführer der Kreisbaugruppe, spricht von Marktversagen: „Auf dem Mietwohnungsmarkt läuft etwas schief.“ Um die Mieten zu stabilisieren, müssten dringend Leerstände aktiviert und neue Wohnungen gebaut werden.

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen sieht Dirk Braune als „eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit“. Der Geschäftsführer der Kreisbaugruppe sprach am Mittwochabend auf der Mitgliederversammlung des Waiblinger Haus- und Grundbesitzervereins. Zunächst sei zu klären, was als bezahlbar gelte, sagte er im voll besetzten Ghibellinensaal des Waiblinger Bürgerzentrums. Bis zu 30 Prozent des Haushaltseinkommens seien als Höhe der Miete gemeinhin akzeptiert, so Braune weiter. Allerdings sei dieser Anteil für Menschen mit niedrigeren Einkommen selbstverständlich schwieriger aufzubringen als für Besserverdiener. Umso wichtiger sei es, hier zukunftsfähige Lösungen zu finden.

„Der Wohnungsmarkt erinnert derzeit an eine Partnerbörse“

Braune sprach auch von Marktversagen. Der wirtschaftliche Grundsatz, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmten, gelte zwar auch auf dem Wohnungsmarkt, aber: „Dass auf dem Wohnungsmarkt etwas schiefläuft, sieht man schon beim Blick in die bebilderten Wohnungsgesuche in der Zeitung.“ Dort priesen sich selbst einkommensstarke Wohnungssuchende an wie in einer Online-Partnerbörse. Bereits heute eilten die Mieten für Neubauwohnungen dem Mietspiegel zudem weit voraus.

 

„5000 neue Wohnungen, das ist kaum zu schaffen“

Eine Stabilisierung der Mieten ist laut dem Kreisbau-Geschäftsführer nur dann möglich, wenn das Angebot an Wohnraum deutlich ausgeweitet werde. Dies sei zum Teil durch die Aktivierung von Leerständen möglich, den weitaus größeren Anteil müssten aber Neubauten haben. Die Aufgabe der Politik sieht Braune hierbei darin, die unterschiedlichen Interessen von Mietern und Vermietern auszutarieren. Denn die Schwierigkeit sei: „Baukosten folgen leider nicht sozialpolitischen Wunschvorstellungen.“

Bauen müsse sich lohnen, dazu bedürfe es allerdings weitreichender öffentlicher Förderungen. Allein im Rems-Murr-Kreis besteht Braune zufolge Bedarf an rund 5000 zusätzlichen sogenannten preisgedämpften Mietwohnungen. Diese zeitnah bereitzustellen sei aufgrund mehrerer Faktoren schwierig. „Ich bezweifle, dass wir das schaffen“, sagte der Kreisbau-Geschäftsführer. Die Verfügbarkeit von baureifem Land und die Kapazitäten der Bauwirtschaft seien hierbei begrenzende Faktoren. Dennoch gelte es, alle Hebel in Bewegung zu setzen. So plane man mit einem Drei-Säulen-Modell: Etwa 2000 bis 2500 Wohnungen sollen von der öffentlichen Hand bereitgestellt werden, auf institutionelle Investoren wie Banken oder Versicherungen entfallen etwa 1500 bis 2000 Wohnungen, während private Investoren etwa 1000 Wohneinheiten schaffen sollen.

Drei-Säulen-Modell: Privat, öffentlich und institutionell

Die Kreisbaugruppe leiste hier einen Beitrag, indem sie plane, ihren Bestand an Wohnungen von derzeit etwa 750 auf etwa 1300 im Jahr 2028 aufzustocken. 239 neue Mietwohnungen seien in den vergangenen Jahren bereits fertiggestellt worden, 173 befänden sich derzeit im Bau, projektiert seien 249. Zudem führe die Gruppe derzeit Gespräche mit mehreren Kommunen im Kreis.

Problematisch sei zudem, dass der Wohnungsbedarf sich nicht gleichmäßig über die Republik verteile, sondern sich in den Ballungsgebieten konzentriere. Die Wohnraumknappheit gefährde daher nicht nur den sozialen Frieden, sondern könne auch negative Folgen für die Wirtschaft haben, etwa dann, wenn dringend benötigte Fachkräfte keine Wohnungen mehr fänden. „Dann wird der Wohnungsmangel zum wachstumsbegrenzenden Faktor für unsere Wirtschaft“, so Braune. Auch die Auswirkungen auf die Infrastruktur seien nicht zu unterschätzen: Durch wachsende Pendlerströme könnten ohnehin schon stark beanspruchte Straßen- und Schienennetze auf Dauer überlastet werden.

Keine Entspannung auf Wohnungsmarkt in Sicht

Braune sieht auch in Zukunft keine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt: „Die Städte, in denen es Arbeitsplätze gibt, werden weiter wachsen, ländliche Regionen werden verlieren.“ Daran geknüpft seien die Grundstückspreise und Mieten, die zumindest stabil bleiben, wahrscheinlicher aber ebenfalls weiter steigen werden. Bewältigen lasse diese Aufgabe sich nur, wenn öffentliche, institutionelle und private Anleger Hand in Hand arbeiteten. Und auch auf den Verbraucher werden wohl Veränderungen zukommen: „Wir werden uns in Zukunft wohl mit weniger Wohnraum pro Kopf zufriedengeben müssen“, ist Braune überzeugt. Der derzeitige Standard sei auf Dauer nicht zu halten. Und auch die komplette wirtschaftliche Zuwanderung in die Ballungsräume mit Wohnraum zu versorgen sei ein sehr schwieriges Ziel.


Wahlen und Ehrungen

Auf der Mitgliederversammlung des Vereins Haus und Grund wurde der Vorstand entlastet und es gab Wahlen.

Dabei wurde der stellvertretende Vorsitzende Hartwig Leibfritz einstimmig im Amt bestätigt.

Die vier Mitglieder des Vereinsausschusses heißen: Bernhard Dippon, Anton Steinhauser, Andrea Schwarz-Klöpfer und Stefan Frank. Schwarz-Klöpfer und Frank wurden neu in den Ausschuss gewählt.

Als Kassenprüfer wiedergewählt wurden Alexandra Brenner und Ekkehart Glässner, Stefan Schuller bleibt Stellvertreter.

Außerdem wurden Mitglieder für ihr langjähriges Engagement geehrt.

Bernhard Dippon ist seit 46 Jahren für den Verein tätig.

Anton Steinhauser ist seit 39 Jahren im Ausschuss aktiv.

Stefan Schuller engagiert sich seit 20 Jahren.

Hartwig Leibfritz wurde für 30 Jahre Engagement geehrt.

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