Waiblingen Immer mehr junge Leute imkern

Beim Bezirksimkerverein steigen die Mitgliederzahlen. Hier kontrolliert Lea Haidle (rechts), wie die Varroabehandlung gewirkt hat. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Lange Zeit galt Imkern als aussterbendes Altmänner-Hobby. Doch der scheinbar unaufhaltsame Abwärtstrend hat sich in den vergangenen Jahren umgekehrt – das spürt auch der Bezirksimkerverein Waiblingen. Zu den Neuimkerkursen kommen im Durchschnitt etwa 30 Leute. Lust auf Honig und Liebe zur Natur sind ihre Motivation.

Beim Alvarium, dem Bieneninformationshaus neben dem Hallenbad, duftet’s wie bei einem Grillabend. Doch die Rauchschwaden entstammen keinem Holzkohlegrill, sondern den für die Imkerei typischen „Smokern“, die ein bisschen aussehen wie rustikale Teekannen. Der Qualm soll die Bienen ablenken und die Gefahr von Stichen senken, denn an diesem lauen Sommerabend wollen die Teilnehmer des Neuimkerkurses unter Anleitung erfahrener Mitglieder wie Jens Matthis in den Bienenstöcken nachschauen, wie die Behandlung gegen die Varroamilbe angeschlagen hat. Zuletzt wurde mit Ameisensäuren gegen den bedrohlichsten aller Schädlinge vorgegangen – mit Erfolg. Wo die Milbe sich eingenistet hatte, ist sie offenbar abgestorben.

40 000 neue Imker in zehn Jahren

Auf dem Rahmen, den die 24-jährige Lea Haidle, geschützt mit Handschuhen und Schleier, aus der Bienenkiste zieht, wuselt es. Hier und da schlüpft gerade der Nachwuchs aus einer der verdeckelten Waben. Andere Bienen putzen die Zellen. Quer über den Rahmen spaziert die mit einem grünen Punkt markierte Königin. „Wir sind vor kurzem zusammengezogen“, sagt Fabian Bemerl, der 27-jährige Lebensgefährte der mutigen Jungimkerin. Aus Liebe zur Natur – „wir stammen beide aus Familien mit landwirtschaftlichem Hintergrund“ - und als Beitrag gegen das Insektensterben hat sich das junge Paar die Imkerei als neues Hobby ausgesucht. Standort für mindestens zwei Völker soll ein Obstbaumstückle sein. Aber zunächst wollen die beiden das Handwerk lernen. „Wir wollen nicht einfach drauflos experimentieren, schließlich handelt es sich um Lebewesen“, sagt Fabian Bemerl.

Einen Schritt weiter sind bereits Nagehan Arslan (38) und Harun Amanlar (42). Das Paar stützt sich bei der Bienenhaltung – ebenfalls auf einem Stückle in Waldnähe – auf die Erfahrung eines Imkerpaten. 20 Kilo Honig konnten sie schon ernten. Der kam nicht nur aufs Brot – ein Teil davon wurde zu Honigschnaps verarbeitet.

Imkern liegt im Trend

Imkern kommt in Mode, nicht zuletzt bei jungen Leuten. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Imker deutschlandweit von 80 000 auf 120 000 erhöht, sagt Michael Käfer, der Pressewart der Imker aus Waiblingen und Umgebung. Um 50 Prozent also, eine noch höhere Steigerungsrate verzeichnet der Bezirksimkerverein Waiblingen mit nunmehr 170 Mitgliedern. Und während Urban Gardening – also Gärtnern in der Stadt – längst in aller Munde ist, entwickelt sich in Großstädten wie Berlin und München Urban Beekeeping – also Bienenhaltung in der Stadt - schon zum nächsten Trend. Manche sagen auch: zum Ärgernis. Bienenstöcke auf dem Balkon missfallen manchem Nachbarn, und kritisch wird’s erst recht, wenn ein Volk zu schwärmen beginnt. Nach Meinung von Michael Käfer ist die Bienenhaltung in der Stadt eine Frage des rechten Maßes. Nahrung könnten Remsis Kolleginnen an Stadtbäumen wie Linden, Robinien und Kastanien finden. Dennoch eigne sich der ländliche Raum auf alle Fälle besser.

Während die Zahl der Imker wieder steigt, ist die der Bienenvölker weiter am Sinken. Geimkert wird offenbar weniger zum Broterwerb, sondern als Hobby - und dann eben in kleinerem Umfang. Allen Interessierten empfiehlt Jens Matthis, sich einem Verein anzuschließen und einen Kurs zu belegen. Und sie sollten mit mindestens zwei Völkern anfangen. „Mit nur einem Volk kann man nicht imkern.“


Infotag und Führung

Im Wechsel belegen die Imkervereine aus dem Rems-Murr-Kreis das Alvarium beim Waiblinger Hallenbad, um Wissenswertes über Bienen und die Imkerei zu vermitteln. Am Sonntag, 25. August, findet der letzte Infotag dieser Saison statt. Von 13 bis 18 Uhr stehen die Imker aus Backnang allen Interessierten Rede und Antwort.

In Blühflächen finden Insekten Nahrung und Lebensraum. Eine vegetationskundliche Führung über das Waiblinger Gartenschaugelände beginnt am 8. September um 13 Uhr beim Alvarium. Nur bei gutem Wetter.

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