Waiblingen Kreis untersucht zwei Radschnellwege

 Foto: Swen Pförtner / picture alliance / dpa

Waiblingen. Rund 24  000 Euro lässt sich der Landkreis Rems-Murr die Machbarkeitsstudien für zwei Radschnellwege kosten. Untersucht werden die Verbindungen Waiblingen-Ludwigsburg sowie Schorndorf-Waiblingen mit einem Abstecher nach Stuttgart. Im Verkehrsausschuss des Kreistages war die Skepsis groß, ob diese Radschnellwege jemals realisiert werden.

Radschnellwege sind der neueste Schrei der Verkehrsplaner. Quer durchs Ruhrgebiet sind solche Schnellstraßen für Radpendler geplant, und auch in Göttingen können eilige Radfahrer kreuzungsfrei unterwegs sein. Die grün-schwarze Landesregierung will bis 2025 zehn Radschnellwege realisieren und fördert die Machbarkeitsstudien mit 80 Prozent. Billiger kommt der Landkreis nicht zu Plänen für die beiden schnellen Radverbindungen, zumal im Hinterkopf noch ein weiterer Radschnellweg von Waiblingen nach Backnang herumspukt. Am Montag hat das baden-württembergische Verkehrsministerium die Förderanträge genehmigt.

Was ist ein Radschnellweg?

Radschnellwege sind interkommunale Verbindungen für den Alltagsverkehr und sollen einen Beitrag leisten, die Hauptverkehrsachsen Straße und Schiene zu entlasten. Um als Radschnellweg infrage zu kommen, muss die Strecke mindestens fünf Kilometer lang sein und täglich von mehr als 1800 Radlern benutzt werden. Weitere Bedingungen sind: sichere Befahrbarkeit auch bei hohen Geschwindigkeiten, zwei Fahrspuren von je zwei Metern, so dass sich die Radler auf beiden Spuren überholen können; möglichst kreuzungs- und umwegsfreie Linienführung sowie guter Straßenbelag. Radschnellwege sollten wenig Steigungen aufweisen und auch im Winter sicher befahrbar sein.

Welches Potenzial hat der Rems-Murr-Kreis?

Das Straßenbauamt hat drei Verbindungen für Radschnellwege im Blick: Schorndorf-Waiblingen, Backnang-Waiblingen sowie Waiblingen-Ludwigsburg. In den Machbarkeitsstudien soll unter anderem geklärt werden, inwieweit sich die Strecken für Schnellwege überhaupt eigenen, welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Landschaft haben und wie teuer der Bau wird. Völlig unklar ist, wer die Radschnellwege bezahlt und später unterhält. Der Landkreis springt zwar bei den Machbarkeitsstudien ein; doch will er sich die Baulast eines Radschnellweges nicht über diese Hintertür an den Hals binden lassen, betonte Landrat Richard Sigel im Verkehrsausschuss des Kreistages.

Die beiden Machbarkeitsstudien kosten rund 80 000 beziehungsweise 77 000 Euro. Den Eigenanteil beim Radschnellweg Waiblingen-Ludwigsburg teilt sich der Rems-Murr-Kreis mit Ludwigsburg, so dass für den Kreis rund 24 000 Euro übrigbleiben, die aus dem Programm Klimaschutz-Plus bezahlt werden.

Wie denken die Kreisräte über die Radschnellwege?

Vom Geräuschpegel betrachtet, schien das Interesse der Kreisräte im Verkehrsausschuss gering gewesen zu sein. Während Matthias Straus, Leiter des Straßenbauamtes, die Pläne für die Machbarkeitsstudien erläuterte, plauderten viele Kreisräte angeregt mit ihren Nachbarn. Was sie nicht davon abhielt, im Anschluss dezidiert Stellung zu beziehen.

Albrecht Ulrich, Freie-Wähler-Kreisrat und ehemaliger Bürgermeister in Winterbach, kann sich nicht vorstellen, dass durch das Remstal ein Radschnellweg gebaut wird. Er wäre glücklich, wenn mehr für den aktuellen, eher für Freizeitradler geeigneten Remstal-Radweg getan würde. Christoph Jäger, Sprecher der CDU-Fraktion im Umwelt- und Verkehrsausschuss, äußerte große Zweifel, ob jemals einer dieser Schnellwege realisiert wird. Schließlich gebe es schon heftige Diskussionen über Arten- und Naturschutz, wenn eine Kreisstraße bloß von fünf auf 5,50 Meter Breite ausgebaut werden soll. Und nun solle ein ebenso breiter Radschnellweg quer durchs Remstal gebaut werden? Allenfalls die Umwidmung einer Kreisstraße in einen Radschnellweg kann sich der CDU-Kreisrat vorstellen, meinte Jäger und spottete, dass dort Tempolimits gelten und Radarblitzer aufgestellt würden.

Ulrike Sturm von den Grünen findet Gefallen an der Idee. Insbesondere, dass der Fußgänger- und Radverkehr entflochten wird. „Als Radlerin ärgere ich mich über die Fußgänger und als Fußgänger über die Radfahrer.“ Klaus Riedel warnte mit Blick auf Jäger vor dem typisch schwäbischen Argument „Des goht ned“. Der SPD-Kreisrat erinnerte Jäger an die endlosen Debatten in den Städten und Gemeinden über Fußgängerzonen. „Heute haben wir sie!“ Oder an die Diskussionen über Tempo-30-Zonen. „Heute haben wir sie.“ Und derzeit könne sich eben niemand die Radschnellwege vorstellen. „Sie werden kommen.“


Die Vision

Nordrhein-Westfalen ist Vorreiter bei Radschnellwegen. „Ein Netz von Radschnellwegen verbindet innerstädtisch Ziele, die Stadt mit dem Umland, die Zentren untereinander, Wohnung und Arbeitsstelle miteinander und vieles mehr“, heißt es auf der Internetseite radschnellwege.nrw über die Vision, zu der auch ein 101 Kilometer langer Weg durchs Ruhrgebiet gehört. „Die Vorteile des Radfahrens überzeugen: Es entlastet Umwelt und Straßen, kostet wenig, fördert die Gesundheit und macht auch noch Spaß! Als Pedelec ist das Rad auch für längere Strecken und viele Menschen eine echte Alternative zum Auto.“

  • Bewertung
    2
 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!