Waiblingen Michaelskirche: Feuchtigkeit bedroht den Kirchturm

Waiblingen. Der erste Vorbote war ein faustgroßes Stück vom Mauerwerk. Nach einem schweren Sturm im Oktober 2015 hatte der Stein an der Westseite des Turms der Michaelskirche auf dem Boden gelegen. Später stellte sich raus: Es ist keine harmlose Abplatzung, der Schaden sitzt tief. Ohne eine umfassende Sanierung würde die Steinfassade des Kirchturms durch Feuchtigkeit mehr und mehr zerstört. Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen.

Der Kirchturm ist in einen blauen Mantel gewickelt: So präsentiert sich die Michaelskirche derzeit dem Betrachter. Seit rund vier Wochen sind die Handwerker dabei, das Gerüst rund um den Kirchturm aufzubauen. Grund für die umfassende Sanierung ist ausgerechnet eine Maßnahme, die die Natursteine im Turm hätte schützen sollen. 1994 war die Fassade mit einer chemischen Substanz behandelt worden, die den Stein versiegelte und ihn wasserundurchlässig machte. Nicht bedacht worden war allerdings, dass das Wasser noch immer durch die Fugen ins Mauerwerk eindringen konnte – und dort nun eingeschlossen war, erklärt Architekt Bernd Treide. Die Folge: Die Oberfläche platzt peu à peu. Die Fassade geht durch die Hydrophobierung kaputt, die ursprünglich zu ihrem Schutz gedacht war.

Das Dilemma: Die Chemie sitzt im Stein und kann nicht mehr entfernt werden, so Treide. Aus diesem Grund soll die Fassade erneut imprägniert werden, allerdings auf einem niedrigeren Level. Zudem, ergänzt Pfarrerin Antje Fetzer, müssten nun auch die Fugen wasserdicht werden. Um die optimale Bearbeitung der Fassade zu ermitteln, folgen Tests mit verschiedenen Varianten. Prüfröhrchen am Stein geben danach jeweils wertvolle Hinweise auf die Reaktion der Natursteine. „In zwei Wochen haben wir die Ergebnisse über die Wasseraufnahme der Fassade“, sagt der Architekt. Dann kann die flächendeckende Sanierung starten, die eine auf Kirchen und Schlösser spezialisierte Restaurierungsfirma übernommen hat. Ein Steinspezialist aus Stuttgart wurde außerdem hinzugezogen.

Auch das Nonnenkirchle wird saniert

Während die optimale Behandlung der Außenfassade noch getestet wird, sind die Zimmerleute im Dachstuhl des Turms schon zugange. Die Ziegel wurden abgedeckt. Nun werden Schwellen, Holzverbindungen und Balken überarbeitet und bei Bedarf erneuert. Saniert wird im Zuge der Baumaßnahmen auch das angrenzende Nonnenkirchle. Dort ist der Putz stark geschädigt, anders als in der Michaelskirche aber als normale Folge der Witterung, erklärt der Architekt: „Der Zahn der Zeit hat am Nonnenkirchle genagt.“

Bis November sollen alle Sanierungsmaßnahmen inklusive Einbau einer neuen Lautsprecheranlage, neuer Elektrik im Dach und der Generalüberholung der Turmuhr abgeschlossen sein. Die Gottesdienste im Innern der Kirche sollen weitgehend unbehelligt davon gefeiert werden können. Kirchenpfleger Ulrich Haacke-Schweikert rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von 1,13 Millionen Euro. An Eigenmitteln bringt die Kirchengemeinde 440 000 Euro auf, die Stadt beteiligt sich an der Turmsanierung mit 50 Prozent der Kosten (voraussichtlich 225 000 Euro), 150 000 Euro steuert das Landesdenkmalamt bei.

Bauarbeiten finden derzeit auch neben den Kirchen statt. Im Zuge der Arbeiten für die interkommunale Gartenschau ist der Umbau des Zeller-Platzes in vollem Gang.

Spenden erwünscht

Für die Finanzierung der Sanierungen setzt die evangelische Kirchengemeinde auch auf die Spendenbereitschaft der Gemeindemitglieder. „Wir wollen Steinpatenschaften ausloben“, kündigt Pfarrerin Antje Fetzer an. Auch der Förderverein wird einen Beitrag leisten. Um handlungsfähig zu bleiben – unter anderem bei der Sanierung des Jakob-Andreä-Hauses –, hofft die Gemeinde auf 50 000 Euro, die jährlich via Spenden in die Kasse der Gemeinde fließen sollen.

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