Waiblingen Neue Busfirma mit Stotterstart

Viel los an der Haltestelle beim Landratsamt: Neben dem 202er und anderen fährt hier auch der 201er. Foto: Büttner/ZVW

Waiblingen. Seit Beginn des Jahres fährt das Esslinger Busunternehmen Fischle und Schlienz mehrere Linien im Raum Waiblingen. Nicht alles läuft rund dabei, insbesondere über den 201er häufen sich Beschwerden. Von einem „Bus-Chaos“, das manche Fahrgäste beklagen, könne jedoch keine Rede sein, heißt es bei Stadt und Landratsamt.

Unpünktlichkeit, überfüllte Busse, manchmal auch ausgelassene Haltestellen: Das sind die häufigsten Klagen seit der Übernahme mehrerer Buslinien im Raum Waiblingen durch das Esslinger Unternehmen Fischle-Schlienz, nachdem diese jahrelang von Dannenmann bedient wurden. Die anfängliche Freude über „besseres Busfahren“ ist bei vielen Pendlern einer gewissen Ernüchterung gewichen. Von „Bus-Chaos“ könne keine Rede sein, sagt der städtische Verkehrsplaner und Mobilitätsberater Frank Röpke, durchaus aber von „sichtbaren Anlaufschwierigkeiten“.

Probleme im Schülerverkehr: Umsteigen aufs Elterntaxi?

Der Rems-Murr-Kreis hatte das Linienbündel 2 europaweit ausgeschrieben, was für den Bereich Waiblingen Nord-Süd zum Betreiberwechsel und überarbeiteten Fahrplänen führte. Seither sitzen neue Fahrer an den Steuern der Busse. Die Linien 202 (Waiblingen – Endersbach – Strümpfelbach), 204 (Waiblingen – Beinstein), 206 (Waiblingen – Schnait) und 213 (Waiblingen – Hegnach) scheinen ordentlich zu funktionieren. „Beanstandungen sind mir auf diesen Linien bis auf eine Ausnahme nicht bekannt geworden“, sagt Dr. Peter Zaar, Verkehrsdezernent beim Landkreis.

Anders sieht es auf der Linie 201 (Waiblingen - Bittenfeld) aus, der mit rund 6000 Fahrgästen pro Tag meistfrequentierten im Stadtgebiet. Die oft verspäteten Busse seien überfüllt, mehrfach sei die Haltestelle „Galerie“ nicht angefahren worden. Betroffen sei auch der Schülerverkehr. Das stresst Schüler und Eltern. Eine Mutter äußert ihr Unverständnis so: „Aufgrund der überall erhöhten Feinstaubwerte und Stickoxide sollte man doch eigentlich den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Wenn dieser aber so unzuverlässig weiterfährt, müssen in Zukunft leider immer mehr Schüler auf das Elterntaxi umsteigen.“

Beschwerden werden ernst genommen

Immerhin: Das Beschwerdemanagement der Firma Fischle und Schlienz läuft aus Sicht des Verkehrsdezernenten erfreulich. „Wir sind in fast täglichem Austausch. Beschwerden werden ernst genommen, anerkannt und mit Hochdruck wird nach Lösungen gesucht.“ Erfahrungen auch aus anderen Landkreisen des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) zeigten, dass Betreiberwechsel nie völlig reibungslos verlaufen. Entscheidend sei der feste Wille, Probleme anzuerkennen und rasch zu lösen. „Dieser Wille ist vorhanden“, stellt Peter Zaar fest, „jeder Beschwerde wird nachgegangen.“

Inzwischen setzt das Busunternehmen auf der Linie 201, auf der als Subunternehmer auch OVR tätig ist, einen zusätzlichen Bus zur Verstärkung ein. Trotzdem seien die Busse zuweilen weiter an der Kapazitätsgrenze. Als weitere Maßnahme wurden die Umlaufpläne der Linie 201 geändert – also sozusagen die Dienstpläne der Busse. Nach Beobachtung des Landratamts klappt der Betrieb daher seit dieser Woche besser. Die Busse scheinen pünktlicher zu sein – und auch die Haltestelle „Galerie“ werde wie vorgesehen angefahren.

Beschriftung "Schulbus" nicht möglich

Besonders was die Schülerbeförderung anbelangt, arbeiteten Landratsamt und Busunternehmen „mit Hochdruck“ daran, wieder stabile Verhältnisse herzustellen. Allerdings könne die Linie 201 nicht, wie von Fahrgästen gefordert, mit der Beschriftung „Schulbus“ versehen werden, da es sich um normalen Linienverkehr handele. Beschwerden „eher abstrakter“ Art erreichten das Landratsamt über Fahrstil und (Un-)Freundlichkeit der Fahrer. Diesbezüglich nimmt der Verkehrsdezernent die Fahrer in Schutz: „Das Winterwetter der letzten Wochen war nicht hilfreich. Das Fahrpersonal steht derzeit unter besonderem Druck.“ Und freundliche Fahrer gibt es dennoch, wie ein Waiblinger Senior berichtet, der beim Einstieg mit den Worten begrüßt wurde: „Kommet Se rei’, dr Wind isch heut’ so unangenehm.“


Die Verbesserungen

Fischle & Schlienz kooperiert für den Betrieb des Linienbündels mit dem Beinsteiner Busunternehmen OVR und hat mehrere fabrikneue Busse mit Umweltnorm Euro 6 beschafft. Die Busse sind barrierefrei und haben moderne Innenanzeigen, WLAN und Klimaanlagen.

Die Linie 201 ist montags bis freitags mit mehr Fahrten unterwegs, so dass die Busse bis Betriebsschluss im durchgehenden 30-Minuten-Takt im Einsatz sind. Werktags starten die Busse 20 Minuten früher, und zwar um 04.35 Uhr ab Bittenfeld. Samstagabends sind die Busse nun durchgehend halbstündlich unterwegs.

  • Bewertung
    10
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!