Waiblingen Seepferdchen-Skulptur auf der Rems gelandet

Vom Schlauchboot aus löst Ulrich Wolff die Seile von der Boje. Die Waiblinger schauen von der Remsbrücke aus zu. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Die Stadt ist um ein Wahrzeichen reicher: Ein 250-Tonnen-Kran hievte am Donnerstag die Seepferdchen-Skulptur des weltweit gefragten Künstlers Stephan Balkenhol ins Wasser der Rems. Zuletzt war noch ein Tauchgang nötig, um den viereinhalb Tonnen schweren Koloss fest mit den Fundamenten am Rems-Grund zu verankern.

Das neue Waiblinger Wahrzeichen, die Seepferdchen-Skulptur vom Künstler Stephan Balkenhol, wurde mit dem Kran in die Rems vor der Galerie Stihl gesetzt.

Kommt ein Seepferdchen geflogen: Hoch über dem Dach der Galerie Stihl und den Weiden am Remsufer schwebt die schwere Bronzeskulptur scheinbar federleicht auf die Wasseroberfläche. Kaum Wellen entstehen beim Aufsetzen, eher ein Gekräusel. 16 Meter ragt der Arm des Krans nach oben.

Das überdimensionale Meerestier thront auf einer fassartigen Boje und dreht sich kaum merklich – aber doch etwas deutlicher als die Balkenhol-Figur am nahe gelegenen Kreisverkehr an der Neustädter Straße. Seepferdchen und Reiter sind hochwasserfest verankert, davon geht der städtische Tiefbauchef Michael Seeger nach einschlägigen Berechnungen aus.

Regelmäßige Standort-Messungen werden aber Gewissheit darüber schaffen, ob sich das „Reiterstandbild“, wie es der Künstler selbst scherzhaft nennt, doch bewegt. Ein Schilfboot, das Studenten nach Indianer-Art gebaut und ans Remsgestade gesetzt hatten, war vor Jahren von einem Hochwasser in Richtung Neckarrems befördert worden.

Schon Meeresgott Poseidon ritt auf einem „Hippocampus“

Am Morgen hob der bei der Galerie postierte Kran zunächst zwei Betonfundamente auf den Grund der Rems, der an dieser Stelle zwischen zwei und 2,20 Meter tief liegt. Jeder der beiden Quader wiegt rund zehn Tonnen. Der flussaufwärts gelegene, welcher der Kraft künftiger Hochwasser am stärksten ausgesetzt sein wird, steckt als zusätzliche Sicherung mit drei langen Spikes im Schlamm.

Um die Boje mit dem Rems-Reiter an den Sockeln zu verankern, schlüpfte Ulrich Wolff, in technischen Fragen die rechte Hand des Kunststars Stephan Balkenhol, in den Taucheranzug und stieg hinab in die dunklen Fluten. „Das hat was von Jugend forscht“, scherzten staunende Zuschauer in Anerkennung des Körpereinsatzes des nicht mehr ganz jugendlichen Tauchers zum Wohl der Kunst.

In der Natur werden Seepferdchen nicht größer als 35 Zentimeter. Von der Monstrosität des Balkenhol-Exemplars fühlt sich Kunsthistoriker Professor Christian von Holst, langjähriger Direktor der Staatsgalerie Stuttgart, an den legendären Hippocampus erinnert, auf dem Meeresgott Poseidon durch die griechische Sagenwelt ritt.

Wie eine Mischung aus Pferd und Schlange erscheint auch das neue Fluss-Ungeheuer in der Rems. Es handelt sich um ein Geschenk der Eva-Mayr-Stihl-Stiftung an die Stadt Waiblingen, wie schon die erwähnte Balkenhol-Figur am Kreisverkehr. Über den materiellen Wert von Geschenken wird auch im Hause der Stiftung nicht gesprochen. Nur als Hausnummer sei verraten, dass er im mittleren bis oberen sechsstelligen Bereich liegt.

Ein Reiter auf einem Seepferdchen – surreal, bizarr, witzig und für viele gewiss auch befremdlich. Nach Einschätzung von Christian von Holst ist er weltweit jedenfalls der Einzige. Darauf sitzt der typische Balkenhol-Mensch in weißem Hemd und schwarzer Hose. „Man weiß nicht: Triumphiert er? Reitet er? Ist er jemand, der Hilfe braucht? Auf jeden Fall schaut er ins Unbestimmte und Weite.“ Kein Zweifel – ein Alleinstellungsmerkmal, ein Blickfang.

Was sagen die Zuschauer und Passanten? Die einen sind so verzückt, dass sie dazu noch eine Außenbewirtschaftung am Ufer mit Blick auf den Reiter wünschen. Andere bezweifeln, ob ein Seepferdchen zur Rems passt. Aber seit wann sollte Kunst „passen“? Der Spielraum für Interpretationen ist geöffnet.

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