Waiblingen Urbacher wegen Kinderpornografie verurteilt

Ein Fall sexuellen Missbrauchs, der Verbreitung von Kinderpornografie und der versuchten Anstiftung zu sexuellem Missbrauch ist vor dem Waiblinger Amtsgericht verhandelt worden. Foto: Schneider / ZVW

Waiblingen/Urbach. Wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornografie ist ein 29-Jähriger zu einer langen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Mann hat außerdem einer Kinderpflegerin Geld dafür geboten, dass sie sich bei sexuellen Handlungen mit Minderjährigen fotografiert. Zudem hat er eine Zwölfjährige dazu gebracht, ihm Nacktfotos zu schicken. Angeklagt war offenbar nur ein Teil seiner Taten, bundesweit liegen noch mehr Meldungen vor.

Nach der letzten Zeugenaussage herrscht für einen Moment Stille im Gerichtssaal. Auch der Angeklagte will sich nicht dazu äußern, was der ermittelnde Polizeibeamte soeben berichtet hat. Offenbar hat es nach den drei Hausdurchsuchungen, die in der Anklage erwähnt werden, noch eine vierte gegeben. Drei neue Fälle seien der Anlass gewesen, alle über Instagram, einer in den USA, zwei in Deutschland. Mehr Angaben hat der Polizist nicht gemacht, nur: Bei der Durchsuchung wurde lediglich ein Handy sichergestellt, zurückgesetzt auf die Werkseinstellungen. Beweise wurden keine gefunden.

Die Beweislage ist erdrückend

Die Beweislage der vorangegangenen drei Hausdurchsuchungen ist allerdings erdrückend. Im Mai 2017 wurden auf dem Handy sowie einer externen Festplatte des Vaters einer anderthalbjährigen Tochter mehrere Hundert kinderpornografische Fotos und Videos gefunden, im Januar 2018 waren es mehr als 3000, im April 2018 wieder mehrere Hundert. Die Aufnahmen zeigen laut Akten auch sehr junge Kinder, teils entblößt, teils in sexuellen Handlungen an sich selbst oder mit Erwachsenen.

Einen Teil dieser Bilder hat der Angeklagte auch verschickt. Unaufgefordert, per Chat, häufig über Online-Dating-Plattformen. Dies bestätigen drei Zeuginnen unabhängig voneinander: Ihnen allen hat der Mann nach einer anfänglich normalen Unterhaltung Fotos nackter Mädchen geschickt. Immer spielte dabei seine angebliche Cousine eine Rolle, auf die er vorgeblich gerade aufpasste und die auf den Fotos zu sehen sei. Alle drei Frauen gingen schließlich zur Polizei und zeigten den Vorfall an. In den Ermittlungen stellte sich heraus, dass es die Cousine nicht gab, sondern es sich jeweils um Unbekannte handelte.

Versuchte Anstiftung zu sexuellem Missbrauch

Besonders schwer wiegen zwei weitere Anklagepunkte: In einem Fall hat der Mann eine Kinderpflegerin, die er ebenfalls in einem Chat kennengelernt hatte, aufgefordert, sich bei sexuellen Handlungen mit Minderjährigen zu fotografieren oder zu filmen und ihm die Aufnahmen zu schicken. Er bot ihr dafür 1000 Euro und als sie ablehnte, 5000 Euro. Die Frau zeigte ihn an. In einem anderen Fall nahm der Angeklagte über Instagram Kontakt zu einer Zwölfjährigen auf, schickte ihr nach kurzem Geplänkel Nacktfotos einer Fünfjährigen und drängte sie, ihm ebenfalls solche Bilder von sich selbst zu schicken. Das Mädchen folgte der Aufforderung.

Der Angeklagte gibt die Vorwürfe vor Gericht unumwunden zu. Über seinen Verteidiger lässt er mitteilen, er bedaure sein Fehlverhalten. Er sehe in den Taten eine Art Suchtverhalten und habe bereits versucht, eine Therapie zu beginnen – wegen äußerer Umstände allerdings mit mäßigem Erfolg. Seit dem Eingreifen des Jugendamtes im September des vergangenen Jahres lebt der Mann von seiner Familie getrennt. Seine kleine Tochter darf er nur unter Aufsicht der Mutter sehen. Die Situation belaste ihn sehr, auch deshalb wolle er eine ernsthafte Therapie angehen.

Bewährung ist "allerletzte Chance"

Die familiären Umstände spielen am Ende auch eine tragende Rolle in der Urteilsfindung: Zu zwei Jahren Freiheitsstrafe wird der Angeklagte verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung auf fünf Jahre. Für drei Jahre bekommt er einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt und muss sich außerdem einer Therapie unterziehen. Der Mann müsse verinnerlichen, betonte der Vorsitzende Richter Luippold, dass der Therapieerfolg maßgeblich sei für den Bewährungserfolg. „Jeder Rückfall, und sei es in einem noch so kleinen Einzelfall, führt zwangsläufig dazu, dass Sie für längere Zeit in Haft müssen“, betonte er. Der Grund: Fünf Jahre sind die Obergrenze dessen, was ein Gericht als Bewährungszeit verhängen darf. Jeder Verstoß führt demnach zur Aufhebung der Bewährung.

Die Konsequenz: Müsste der Mann ins Gefängnis, würden seine Frau und Tochter wohl auch die Wohnung verlieren, deren Rate er zahlt. Aus Sicht des Vorsitzenden Richters Luippold und der Schöffen sei es daher besser, dem Urbacher eine „allerletzte Chance“ zu geben, seine Existenz zu retten. Auch wenn sie durchaus skeptisch seien, da der Angeklagte offenbar erst angefangen habe, an sich zu arbeiten, als das Jugendamt aktiv geworden ist, fügt der Richter hinzu.


Missbrauch

Gesetzlich wird unterschieden zwischen dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Als Kinder gelten dabei Personen, die noch keine 14 Jahre alt sind. Jugendlich ist, wer nicht älter als 17 Jahre ist.

Am Alter der Opfer orientiert sich das Strafmaß: Auf sexuellen Missbrauch von Kindern sieht das Gesetz in jedem Fall eine Freiheitsstrafe vor, während sexueller Missbrauch von Jugendlichen auch mit einer Geldstrafe geahndet werden kann.

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