Waiblingen Urteil im Prozess um Büze-Brandstifter

Sie mussten nach der Brandstiftung am Waiblinger Bürgerzentrum das Urteil fällen: Richterin Heidi Nebl-Pflügner, Vorsitzender Richter Rainer Gless und Richter Seeger (von links). Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen.
 Drei Jahre und zwei Monate wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Sachbeschädigung lautet das Urteil für den Brandstifter aus dem Bürgerzentrum. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der geistig behinderte junge Mann aus Waiblingen im März den verheerenden Brand mit einem Sachschaden von zwei Millionen Euro verursacht hat. Weil von dem 22-Jährigen eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit ausgehe, wird er in die Psychiatrie eingewiesen.

Am Ende tröstete der Vorsitzende Richter Rainer Gless den jungen Mann, der die Verhandlung auf der Anklagebank mit gesenktem Kopf verfolgt hatte: „Dieses Urteil ist nicht das Ende der Welt. Im psychiatrischen Krankenhaus sind Sie bestens aufgehoben. Dort werden Sie schon erwartet. Es ist in Ihrem eigenen Interesse das Beste.“

Gercht hat sich das Urteil nicht leicht gemacht

Tatsächlich hatte sich die Siebte Große Strafkammer des Landgerichts das Urteil nicht leicht gemacht. Die schwerwiegende Tat mit dem Millionenschaden und Auswirkungen auf die ganze Stadt auf der einen Seite, die unglückliche Kindheit, die Behinderung, die Einsamkeit und tiefe Frustration des jungen Mannes auf der anderen Seite: All das war gegeneinander abzuwägen. Was geschehen war, in jener Nacht am 27. März und schon zuvor am 11. Februar, darüber herrschte weitgehende Klarheit im Gerichtssaal. Bereits im Februar hatte sich der Angeklagte in der Tiefgarage im Bürgerzentrum zu schaffen gemacht, mit einem Stein Lampen zerschlagen. Im März hatte er dann im Vollrausch und „bedrängt von allgemeinem Lebensfrust über viele Dinge, die ihm zu schaffen machten“, wie es Richter Gless formulierte, in einem Müllcontainer am Bürgerzentrum ein Feuer gelegt. Dass der Brand auf das ganze Gebäude übergreifen konnte, sei ihm nicht verborgen geblieben, er habe es wegen seines „fatalistischen Frustrationserlebens“ aber in Kauf genommen.

Den hohen Sachschaden hat der Täter nicht gewollt  

Den Sachschaden von letztlich zwei Millionen Euro habe der Angeklagte nicht gewollt, aber gebilligt, stellte der Richter fest. Die Gefahr des Feuers sei auch einem geistig Zurückgebliebenen und Alkoholisierten erkennbar gewesen. Zu diesem Schluss war auch der Psychiater in seinem Gutachten gekommen. Gleichzeitig hatte dieser dem jungen Mann bei seiner Tat allerdings auch eine erhebliche Einschränkung der Steuerungsfähigkeit attestiert – bedingt durch die geistige Behinderung und starke Alkoholisierung.

Der Angeklagte leidet unter den Geschehnissen

Zugunsten des Angeklagten wertete die Strafkammer, dass er voll geständig war und die Taten bereue: „Er leidet unter den Geschehnissen“, so der Richter. Zudem habe er die Taten nicht geplant und das Gebäude nur mit bedingtem Vorsatz in Brand gesetzt. Derzeit sei er zum ersten Mal in Haft, habe dort wenig Kontakt und werde nur von seinen Betreuerinnen besucht. Gegen den Angeklagten sprach aus Sicht des Gerichts der Millionenschaden, den er angerichtet hat, und die erheblichen Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Waiblingen. Objektiv habe auch Gefahr für das Hausmeisterehepaar bestanden, betonte Gless. Außerdem sei der Angeklagte einschlägig vorbestraft.

Sachverständiger: Angeklagter "hochgefährlich"

Bereits der Gutachter hatte die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus empfohlen, dem folgte nun auch die Strafkammer. „Das Gefährdungspotenzial wird vom Sachverständigen bejaht, er hält ihn für hochgefährlich“, resümierte der Richter. Der Angeklagte habe eine Affinität zum Feuer, die durch Alkohol noch verstärkt werde: „Es drohen erhebliche Gefahren.“

Direkt in die Psychatrie verlegt 

Der Brandstifter wurde noch am Mittwoch aus dem Gefängnis direkt in die Psychiatrie verlegt. Das Urteil nahm er ruhig, fast schon erleichtert zur Kenntnis.


Mutter früh gestorben

Der 22-Jährige war nach Überzeugung des Richters vom Leben nicht begünstigt. Seine Mutter war alkoholkrank und starb früh, danach lebte er in Pflegefamilien und Kinderdörfern. Er hadere mit seiner Behinderung, habe Probleme mit seinem sozialen Umfeld und leide darunter, dass er keine Freundin habe, resümierte der Richter. Zudem war er stark alkoholisiert.

 

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