Wegen Fluoriden im Boden 310 000 Euro Mehrkosten für Sozialwohungen in Winnenden

Fluoride im Boden erhöhen die Kosten für ein Sozialwohnungsprojekt im Schelmenholz. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winnenden. Fluoride stecken in der Zahnpasta und sollen den Schmelz gegen Karies stärken. Im Mineralwasser und im Speisesalz sind sie willkommen, um Osteoporose vorzubeugen. Nun aber sind Salze des Fluorwasserstoffs im Boden des Baugrundstücks am Buchenhain gefunden worden. Dort will die Stadt Sozialwohnungen bauen. Die werden nun noch teurer.

Es geht um 310 000 Euro unerwartete Mehrkosten, weil der Erdaushub nicht einfach anderswo wieder verwendet werden kann. Er gilt als belastet: Bei 17 detaillierten Bodenanalysen, wie sie kurz vor Baubeginn üblicherweise erfolgen, war der Grenzwert (1 mg pro Liter) für den Fluoridgehalt auf einmal überschritten mit 1,2 bis 1,4 Milligramm pro Liter.

„Was machen die bei dem Preis denn damit? Auf den Mond schießen?“

Die erste Bodenprobe vom Februar 2017 hatte 0,8 bis 0,9 Milligramm pro Liter ergeben, weshalb die Stadtbau davon ausging, dass das Entsorgen des Aushubs zu normalen Preisen möglich ist. Nun aber greift die Bundes-Deponieverordnung, die besagt: Fluorid ist zwar kein gefährlicher Abfall, aber das Zeug muss auf einer besonderen Deponie (Deponieklasse I) mit einer „geologischen Barriere zuzüglich mineralischer Dichtung“ gelagert werden, zum Beispiel in einem Steinbruch. „Wir haben lange gesucht und den günstigsten Entsorger genommen“, beteuerte Bauamtsleiter Klaus Hägele. CDU-Stadtrat Frank Rommel hatte einigermaßen entsetzt nachgehakt: „Was machen die bei dem Preis denn damit? Auf den Mond schießen?“

Das Bauvorhaben wird dadurch nicht nur teurer, sondern verzögert sich auch um fast zwei Monate, von Anfang September auf 25. Oktober. Wenn auch der Gemeinderat in seiner Sitzung am 24. September den Mehrkosten zustimmt und das Geld für den Nachtragshaushalt der Stadtbau bereitstellt. Die Gemeinderäte im Technischen Ausschuss stimmten bei zwei Enthaltungen zu. Nicole Steiger (FDP) sagte, sie enthalte sich, weil sie die Stadt „nicht für den besseren Bauherren halte“.

Die zu entsorgende Erde stammt eigentlich von zwei Baustellen

An der Forchenwaldstraße, Ecke Buchenhain im Schelmenholz, darf die Stadtbau auf dem Grundstück der katholischen Kirchengemeinde Sozialwohnungen bauen und zahlt an die Kirche nur Erbpacht. Der Gemeinderat hat sich für einen Entwurf mit 17 Wohnungen in vier Häusern entschieden, die bisher 4,2 Millionen Euro kosten sollten, so die Schätzung.

„Hat man den hohen Fluoridgehalt nicht schon festgestellt, als die katholische Kirche dort ihr Gemeindehaus gebaut hat?“, fragte SPD-Stadtrat Uwe Voral. Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth riet ihm, doch mal hinzufahren. „Das damals Ausgebuddelte ist vor Ort deponiert worden.“ Will heißen: Die 3000 Kubikmeter zu entsorgende Erde stammt eigentlich von zwei Baustellen.

Doch der Vertrag, den die Stadt mit der Kirchengemeinde über die Erbpacht geschlossen hat, kann die Bauherrin nicht vor den Kosten schützen. Darin heißt es, das Grundstück ist frei von Altlasten. Ein erhöhter Fluorid-Wert ist keine Altlast im klassischen Sinn. „Es ist in der Natur ein natürlich vorkommendes Salz“, betonte Klaus Hägele. „Gerade in der hier anstehenden Gesteinsart Gipskeuper ist das Auftreten nicht ungewöhnlich.“ Uwe Voral dazu seufzend: „Und es hat bisher dort niemanden gefährdet.“

Die Mehrkosten, findet OB Holzwarth, „tun uns bitter weh – aber sie hätten jeden anderen Bauherren auch getroffen.“ Mit früheren Detailproben hätte die Stadt nur Zeit sparen können.

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