Weinstadt Bikerlärm: Sieben Hotspots im Kreis

Nicht nur manipulierte oder leer geräumte Auspufftüten dröhnen in den Ohren. Vor allem die Fahrweise der Biker geht den Anwohnern auf die Nerven. Foto: Fotolia - Amy Walters

Weinstadt. Zwischen Rems und Murr haben die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm sieben laute Hotspots ausgemacht. Die Initiative kämpft gegen den Krach aus Aufpuffrohren, der Anwohner von beliebten Bikerstrecken in den Ohren klingelt. Inzwischen appelliert selbst die Zeitschrift „Motorrad“ an ihre Leser, Rücksicht zu nehmen. Ansonsten, so die Befürchtungen, drohen weitere Streckensperrungen.

An der berüchtigten B-14-Rennstrecke von Sulzbach nach Großerlach werden in der sogenannten Applauskurve die Sitzbänke abmontiert und Rüttelstreifen auf dem Asphalt aufgebracht. So will das Landratsamt dem Lärm auf dieser Strecke Einhalt gebieten. „Motorräder geraten immer stärker als Krawallmacher in Verruf“, nimmt die im Stuttgarter Motorpresseverlag erscheinende Zeitschrift „Motorrad“ das Thema Motorradlärm auf, nachdem der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Rems-Murr-Kreistages den Kampf gegen Verkehrslärm ausgerufen hat. Die Autoren fragen: „Doch haben die Kritiker wirklich recht?“ Die größte Sorge der Biker ist, dass zu den bundesweit 50 Streckensperrungen weitere hinzukommen könnten.

Sieben Hotspots im Rems-Murr-Kreis

Auf der Internetseite www.motorradlaerm.de listen die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm sieben Hotspots im Rems-Murr-Kreis mit Kontaktmöglichkeiten zu lokalen Initiativen auf. Die bundesweite VAGM ist aus einer Initiative des Arbeitskreises Motorradlärm im BUND für Umwelt und Naturschutz entstanden, der sich 2005 im Rems-Murr-Kreis gegründet hat und weiter fortbesteht. Der BUND sei der einzige Umweltschutzverband, der das Thema Motorradlärm seit dieser Zeit bearbeitet und für Betroffene eintritt. „Leiden auch Sie unter dem immer weiter zunehmenden, mutwilligen Motorenlärm auf unseren Straßen? Sie wollen nicht länger stillhalten? Schließen Sie sich hier den bereits existierenden lokalen Initiativen an! Oder gründen Sie eine neue Initiative in Ihrem Ort und vernetzen sich hier – anonym und ohne Risiko, denn Namen und Kontaktdaten sind nicht sichtbar“, heißt es auf der Internetseite, verbunden mit der Aufforderung, weitere Hotspots zu melden.

Vorsitzender der Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm ist Holger Siegel aus Sulzbach. Er sagt: „Das Motorrad könnte ein relativ umweltfreundliches Verkehrsmittel sein. Doch es kommt auch auf das Motorrad an und vor allem auf den Fahrstil, mit dem es bewegt wird.“ Für ihn ist eines sicher: „Wir kämpfen gegen eine Lobby, die finanziert wird von einer Industrie, die in Deutschland sieben Milliarden Euro umsetzt.“ Diese Leute seien vom Glauben beseelt, dass es wichtigere Dinge gibt auf dieser Welt, als Anwohner vor der Belästigung durch Motorradfahrer und -raser beziehungsweise auch getunten Vierrädern zu schützen.

Zeitschrift appelliert: Mehr Rücksicht auf Anwohner nehmen!

Die Zeitschrift „Motorrad“ kommt inzwischen nicht mehr am Verkehrslärm vorbei und hat in ihrer Onlineausgabe das Thema aufgegriffen. Nicht nur Anwohner beschwerten und schlössen sich zu Bürgerinitiativen zusammen, sondern auch die Redaktion habe Briefe erreicht mit der Bitte, über ihre Gegend keine Tourentipps mehr zu veröffentlichen. Kinder könnten nicht mehr draußen spielen und Nachbarn sich nicht mehr unterhalten, zitiert die Redaktion aus den Briefen. Ausdrücklich weisen die Autoren auf den Abbau der Sitzbänke auf dem Parkplatz an der Applauskurve an der B 14 zwischen Sulzbach und Großerlach als ein Beispiel hin, wie Behörden mittlerweile gegen Lärm vorgehen. Geplante Maßnahmen sind auch weitere Lärm-Displays – und verstärkte Kontrollen. „Dass manipulierte oder gar leer geräumte Auspufftüten nicht auf die Straße gehören, daran besteht kein Zweifel“, distanziert sich „Motorrad“ von den „Krawallos“ auf zwei Rädern. Eine Methode, die an die Fußballvereine erinnert, die sich immer dann von ihren Ultras distanzieren und sie nicht als „echte Fans“ gelten lassen wollen, wenn diese zu sehr aus der Rolle fallen. Wohl wissend, dass sie bloß die lautstarke Seite ein und derselben Fan-Medaille sind.

Fahrverbote auf 80 Strecken

Nicht nur aufgemotzte Maschinen sind zu laut. Auch der Sound normgerechter Motorräder stört, wenn sie in Massen auftreten, weiß die Redaktion, bei deren Test- und Fahrberichten meist auch auf den Sound der Motorräder gehört wird. Mittlerweile sind in Deutschland fast 50 Strecken für Motorräder gesperrt, hinzu kommen weitere 30 Wochenend-Fahrverbote. „Dabei waren noch vor wenigen Jahren Motorradfahrer umworbene Gäste in vielen Gegenden. Inzwischen jedoch stört ihre Präsenz.“ Warum? Nicht etwa, weil Motorräder im Straßenverkehr lauter seien als Autos, sondern weil ein paar wenige Krawallos besonders in den Ohren dröhnen und weil der empfundene Schallpegel der Zweiräder als lauter und vor allem als lästiger empfunden werde. „Es geht also vor allem um die Frequenz und die Klangfarbe des Motorradsounds.“

Um weitere Sperrungen zu vermeiden, empfiehlt „Motorrad“ den Bikern „eine angepasste Fahrweise“, und nicht plötzlich das Gas aufzureißen. Denn vor allem schnell ansteigender Lärmpegel störe. „Das immerhin haben wir Motorradfahrer selber in der Hand“, schreibt „Motorrad“, wohl wissend, einigen Bikern damit den Fahrspaß zu verderben: „Besser mit leicht gebremstem Schaum fahren als gar nicht mehr.“ Weitere Lösungen seien, beliebte Strecken an Wochenenden und Feiertagen zu meiden. „Mal in den Bayrischen statt in den Schwarzwald fahren“ – oder in den Schwäbischen Wald. „Nur wenn wir selber aktiv werden, könnte der Lärm um den Lärm ein wenig leiser werden.“

Zwischen Rems und Murr nennen die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm diese Strecken als Hotspots:

Weinstadt, Ortsausgang Weinstadt-Schnait Richtung Manolzweiler;

Sulzbach an der Murr: „Raser- und Lärmerstrecken dieser Region sind die B 14 von Sulzbach nach Großerlach, also die Sulzbacher Steige“, heißt es auf der Internetseite. „Abends und wochenends werden hier Rennen gefahren und wird gnadenlos gerast und gelärmt. Regelmäßig schwere Unfälle. Lärmbelästigungen werden auch von der Strecke von Sulzbach nach Murrhardt und von der Ausfallstraße nach Siebersbach gemeldet“;

Althütte: Lutzenberg (Backnanger Straße, L 1120), Lutzenberg nach Bruch (K 1908), Lutzenberg nach Oberndorf (K 1883), Schöllhütte, Ebniseestraße (L 1120), Waldenweiler, Schlossstraße (L 1119);

sowie Kernen, Schorndorf, Großerlach und Kirchberg an der Murr.

  • Bewertung
    17
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!