Weinstadt Die Nacht der Keller

, aktualisiert am 23.09.2019 - 06:41 Uhr

Weinstadt. Von Strümpfelbach bis Schnait sind am Freitag und Samstag die Besucher zum 18. Mal in die 25 Weinkeller geströmt, die extra für diese Nacht geöffnet und gastlich hergerichtet waren. Von Keller zu Keller ging es in der „Nacht der Keller“ mit dem Shuttlebus, um dann Musik und Wein zu genießen.
Der Feierabend fand am Freitag nur schwer seinen Weg nach Strümpfelbach. Welch Wunder, bei dem lieblich milden Spätsommerwetter, das mit Sonnenschein und blauem Himmel verwöhnte, aber gleichzeitig dazu verlockte, auch noch den letzten Lichtschein für die Arbeit unter freiem Himmel zu nutzen. Vor den Weinkellern entlang der Haupt- und der Hindenburgstraße herrschte noch eine emsige Betriebsamkeit, in der Art, wie sie diejenigen an den Tag legen, die sonst ihrem Tagwerk im Weinberg oder auf dem Acker nachgehen. Umsichtig, bedächtig, zielstrebig, aber ohne Hektik wurden noch Stehtische aufgestellt, der Dekoration wurde der letzte Schliff verliehen, körbeweise wurden Backwaren angeliefert.

Kinder flitzen mit Rädern und Skateboards durch die Gegend

Die Ersten, die von den zur Fußgängerzone umgewandelten Straßen Besitz ergriffen, waren die Strümpfelbacher Kinder. Sie nutzten die Gelegenheit und schwangen sich auf ihre Fahrräder, Kettcars und Boards, legten ihre Rollerblades an und stürzten sich in bisweilen halsbrecherische Rennen. Ein Junge legte gar einen bemerkenswerten Geschäftssinn an den Tag, der ihn im Leben sicherlich noch weit bringen wird: Er baute mit Brettern einen provisorischen Verkaufsstand auf und versuchte, das Programmheft für die „Nacht der Keller“ für 50 Cent an die in immer größerer Zahl vorbeiflanierenden Passanten zu verkaufen. In dem, von den Weinfreunden Strümpfelbach bewirteten, Gewölbekeller im Oberdorf begann die Band „Shame Reaction“ ihre Instrumente zu stimmen und die Anlage einzustellen. Vor dem Eingang begrüßten Bernhard Schmid von den Weinfreunden Strümpfelbach und Eberhard Heubach, ehemaliger Vorstand der Weingärtnergenossenschaft Strümpfelbach, die Gäste, die sich nach und nach vor ihrem Keller zusammenfanden. Ein fruchtiger Weißer, waren sie sich einig, sei genau das Richtige, um diesen Abend in der „Weinstädter Partymeile“ zu beginnen. Keinesfalls dürften die Gäste vergessen, den Wein mit einer deftigen Vesper zu unterlegen, empfahl Ehefrau Kerstin Schmid. Später dann, in der Nacht, sagte Eberhard Heubach, könnten die Besucher auf einen kräftigen Roten umsteigen, dazwischen gehöre aber unbedingt das „Große Gewächs“, ein trockener Silvaner aus einer neuen Linie der Remstalkellerei. Apropos neu, nach den Jahrgängen 2017 und 2018 können Weinliebhaber auf den 2019er gespannt sein. Er lasse sich vielversprechend an, versicherte er.

Zum dritten Mal fand eine Kinderdisco statt

Gegenüber, beim „Stomba Eugen“, empfahl Jochen Heubach den Besuchern in dem von ihm bewirtschafteten Keller die Weine des „Koppa Besa“ (Weingut Mödinger) sowie Mixgetränke mit verlockenden Namen, wie „Eugens Hugo“, „Scopa rosé“ und „Luis rosé“. „Die kommen bei den Festbesuchern sehr gut an“, versicherte er, „sie sind ideal, um in den Abend einzusteigen.“ Die Spezialität beim „Stomba Eugen“ sei übrigens „Eugens Kinderdisco“, die am Samstag zum dritten Mal stattfand. 35 Kinder verwandelten den altehrwürdigen Weinkeller in einen von jugendlichem Überschwang siedenden Hexenkessel.

„Ist es bei Ihnen da unten im Keller wärmer als draußen?“, erkundigten sich zwei Paare, die einen Platz suchten, um der Kälte zu entfliehen. Gegen die Kühle der Nacht boten Moritz, Dennis und Annika Werner im Hof des Weinguts Bernhard Strauß in der Schnaiter Silcherstraße die von ihnen frisch zubereiteten, verlockend duftenden Waffeln an. Die harmonierten ganz hervorragend zu den hauseigenen Weinen. „Alles Schnaiter Lagen“, versicherte Manuel, der Sohn des Hauses. Er war sich mit seinem Onkel Wolfgang Strauß einig, dass zu der urigen Gemütlichkeit ihres Kellers ganz hervorragend die angebotenen sauren Kutteln oder Salz- und Zwiebelkuchen passten.

Währenddessen hatte sich an der Bushaltestelle eine dicht gedrängte Traube Nachtschwärmer zusammengeballt. Bei Schnait handle es sich zwar um den„abgelegensten Teilort der Weinstadt“, er sei aber allemal einen Abstecher wert, versicherten drei junge Männer aus Beinstein und von der Korber Höhe. Ihr Auto hätten sie in Endersbach in der Einkaufsstraße geparkt, zu den einzelnen Stationen der „Nacht der Keller“ seien sie mit dem Shuttlebus unterwegs.

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