Weinstadt Eltern verärgert: Überfüllter Bus lässt Schüler stehen

Unser Bild ist am Montag in der Früh an der Haltestelle Hundsäcker entstanden. An diesem Tag konnten wieder alle Schüler mitfahren. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt.
Das Busunternehmen Fischle & Schlienz steht in der Kritik: Frühmorgens wurden am 7. und 8. Januar nicht alle Schüler in Strümpfelbach mitgenommen – mit der Folge, dass Eltern irgendwie dafür sorgen mussten, ihre Kinder ins Schulzentrum in Benzach zu bringen. Wie konnte das passieren?

Melanie Mailänder aus Strümpfelbach hat uns über die Vorfälle informiert. Sie ist Mutter eines elfjährigen Mädchens, das eine Schule des Weinstädter Schulzentrums besucht. Sie fährt immer mit dem Bus der Linie 202 von Strümpfelbach nach Benzach und steigt dazu morgens an der Haltestelle Hundsäcker ein. Folgendes hat sich nach Darstellung von Melanie Mailänder ereignet: Am Dienstag, 7. Januar, habe der Busfahrer jenes Busses der Linie 202, der planmäßig um 7.17 Uhr an der Haltestelle Hundsäcker in Strümpfelbach abfahren soll, mehrere vorwiegend jüngere Schulkinder nicht mitgenommen. Darunter befand sich die elfjährige Tochter von Melanie Mailänder.

Vater fährt noch mal nach Hause, um die Tochter zur Schule zu bringen

Die Mutter musste deshalb kurzfristig eine Mitfahrgelegenheit bei einer anderen Mutter für ihre Tochter organisieren, weil sie und ihr Mann keine Zeit hatten. Am Mittwoch, 8. Januar, sei genau das Gleiche wieder passiert. Der Vater musste während seiner Fahrt zur Arbeit umkehren und die Tochter zur Schule fahren. Am Donnerstag, 9. Januar, ist der Bus der Linie 202 laut Melanie Mailänder wesentlich früher an der Haltestelle Hundsäcker angekommen. Statt zu warten und planmäßig um 7.17 Uhr abzufahren, sei er jedoch bereits um 7.12 Uhr abgefahren. Ihre Tochter, sagt Melanie Mailänder, habe Glück gehabt, da sie bereits so früh an der Haltestelle war.

Die Strümpfelbacherin hat sich bei Fischle & Schlienz direkt beschwert. Auch bei der Stadt Weinstadt ist eine Beschwerde eingegangen, wie Pressesprecher Holger Niederberger auf Nachfrage mitteilt. Das Ordnungsamt habe sich daraufhin am 9. Januar an das Unternehmen gewandt und von diesem eine Stellungnahme erhalten. Ralf Steinmetz, Geschäftsführer der Firma Fischle & Schlienz, hat unserer Zeitung eine ausführliche Antwort zukommen lassen. „Ursache für die vorübergehenden Kapazitätsprobleme auf der Line 202 war das zum 1. Januar neu eingeführte Fahrplankonzept im Raum Waiblingen, das uns im Rahmen des Wettbewerbsverfahrens von den Aufgabenträgern vorgegeben war“, schreibt Steinmetz. Dies habe vorgesehen, dass in der Schulzeit nur eine Fahrt vorgenommen werden soll. „Entsprechend wurde das von uns so in die betriebliche Planung übernommen.“

Geschäftsführer: Blitzeis-Probleme lösten weitere Verzögerung aus

Nachdem bereits am ersten Betriebstag zu Schulbeginn die Kapazitätsprobleme auftraten, hat sich Fischle & Schlienz nach Angaben des Geschäftsführers sofort der Angelegenheit angenommen und die Ursachen analysiert. Dies sei jedoch für diesen Betriebstag aufgrund des Blitzeises und der generell auf allen Linien aufgetretenen Probleme nicht so schnell zu erledigen gewesen. Folge: Auch am zweiten Tag fuhr morgens nur ein Bus.

Ralf Steinmetz betont, dass er Melanie Mailänder die Hintergründe darlegte und mitteilte, dass sein Unternehmen von Donnerstag, 9. Januar, an einen weiteren Bus einsetzen werde. „Dennoch hat die Beschwerdeführerin sich darüber hinaus an den VVS und nun auch an Sie gewandt“, schreibt der Geschäftsführer unserer Zeitung. „Die Kapazitäten des Busses an den ersten beiden Tagen waren ausgeschöpft, und leider konnte die Tochter der Beschwerdeführerin nicht mehr einsteigen, was wir sehr bedauern.“ Die Behauptung, der gleiche Fahrer habe am nächsten Tag bewusst wieder Melanie Mailänders Tochter ausgeschlossen, ist laut Ralf Steinmetz nicht zutreffend, weil die Fahrer rollierend mit wechselnden Schichten eingesetzt würden. „Der am Donnerstag früher gefahrene Bus war der Verstärkerbus. Kurz danach kam der reguläre Linienbus, in den die Tochter ohne Kapazitätsprobleme hätte einsteigen können.“

„Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst"

Bei der Einführung neuer Linienkonzepte kommt es laut Steinmetz an den ersten Betriebstagen meist zu Problemen, bis sich die Verkehrsunternehmen, deren Fahrer und insbesondere die Fahrgäste auf die neuen Gegebenheiten eingestellt haben. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und stehen in ständigem und engem Kontakt mit den Aufgabenträgern und dem Verkehrsverbund, um in solchen Fällen schnell abgestimmt reagieren zu können. So auch auf der Linie 202, bei der seit Donnerstag ein zweiter Bus fährt und die Kapazitätsprobleme seitdem abgestellt sind.“

Eine Nachfrage unserer Zeitung bei Melanie Mailänder ergab, dass am Freitag, Montag und Dienstag ihre Tochter problemlos mitfahren konnte. Das Busunternehmen hat also Wort gehalten.

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