Weinstadt-Endersbach Mit Cannabis den Markt erobern

Im Geschäft mit Medizinal-Hanf will der Jurist Oskar Sarak (39) mit seiner Firma Lexamed bald bundesweit durchstarten. Laut eigenen Angaben hat der Endersbacher jüngst die Großhandelserlaubnis der Behörden für den Handel mit medizinischem Cannabis erhalten. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt-Endersbach. Jurist Oskar Sarak will mit Cannabis für Schmerzpatienten das große Geld verdienen. Der 39-jährige Endersbacher hat im Mai vom Regierungspräsidium die Erlaubnis zum Großhandel mit Arzneimitteln erhalten, nun will er mit seiner Firma Lexamed Cannabisöle aus Israel importieren – und schon im Juli, August in deutschen Apotheken flächendeckend anbieten.



„Wir haben viel geopfert“: Oskar Sarak hat mit seinen Mitstreitern bei Lexamed laut eigenem Bekunden eine große Menge Eigenkapital ins Unternehmen gesteckt – und gerade in den vergangenen sechs Monaten enorm Zeit investiert. Zuletzt nahm der Aufwand so zu, dass er seinen Job als angestellter Anwalt in einer internationalen Großkanzlei in diesem Jahr kündigte. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt.“

Der Jurist will einen Marktanteil von zehn bis 15 Prozent abschöpfen

Als Geschäftsführer und Gesellschafter der im April 2017 von ihm gegründeten Firma Lexamed will der Wahl-Endersbacher auf dem deutschen Markt für Medizinal-Hanf mitmischen. Seit März 2017 ist es Ärzten in Deutschland erlaubt, Medizinal-Cannabisblüten oder Cannabisextrakt zu verschreiben, vor allem im Bereich der Schmerztherapie, aber auch bei psychischen Krankheiten. Bei Krankenkassen kann zudem eine Kostenübernahme beantragt werden. In Deutschland soll auch bald der Cannabisanbau möglich sein, allerdings wird die erste Ernte wohl erst 2020 eingefahren. Bis dahin muss importiert werden – und genau hier wittert Unternehmer Oskar Sarak seine Chance. Der 39-jährige Jurist rechnet mit Blick auf die Zahl seiner Wettbewerber, in Deutschland einen Marktanteil von zehn bis 15 Prozent abschöpfen zu können. „Das ist natürlich schon eine Hausnummer.“

30-Milliliter-Flasche für 180 bis 230 Euro

Geld verdienen soll Lexamed mit dem Verkauf von Cannabis-Ölen. Diese haben laut Oskar Sarak mehrere Vorteile: Sie halten im Vergleich zu den Blüten zwei Jahre statt nur sechs Monate, außerdem werden sie in Form von Tropfen eingenommen. Diese Art des Konsums unterscheidet sich von den Blüten, die meist verdampft und inhaliert oder geraucht werden. Insbesondere das Rauchen schädigt natürlich die Gesundheit wegen der Verbrennungsprodukte, die dabei entstehen. Sarak geht daher davon aus, dass insbesondere konservative Mediziner eher bereit sind, ihren Schmerzpatienten Cannabisöl zu verschreiben als Blüten. Die 30-Milliliter-Flasche will der Unternehmer für einen Preis von 180 bis 230 Euro verkaufen. Woher die Ware kommen soll, steht laut Oskar Sarak schon fest: „Wir werden aus Israel importieren.“

"Wir sprechen gerade mit Finanzinvestoren"

Die nötige Erlaubnis zum Großhandel mit Arzneimitteln hat Lexamed im Mai vom Regierungspräsidium Tübingen erhalten. Ein Jahr und drei Monate, sagt Sarak, habe es gebraucht, das Dokument zu bekommen. Die in Karlsruhe ansässige Firma ist laut Sarak eines der wenigen kleinen Start-ups, die in Deutschland im Geschäft mit Medizinal-Hanf mitmischen. Dabei, erzählt der 39-Jährige, sei es bislang nicht einfach gewesen, für Lexamed Risikokapital zu bekommen. Das ist eine Form der Beteiligung an als besonders riskant geltenden Unternehmen, die im Erfolgsfall mit hohen Gewinnen einhergeht. Noch ist Oskar Sarak nicht am Ziel. „Wir sprechen gerade mit Finanzinvestoren.“ Namen verrät er nicht, aber er ist zuversichtlich. „In den nächsten 14 Tagen wird es sich entscheiden.“ Will Sarak seinen Zeitplan einhalten, ist das auch nötig: Schließlich soll es Cannabisöl von Lexamed schon im Juli oder August in deutschen Apotheken geben.


Klage verloren

Oskar Sarak hatte 2017 gegen die Bundesrepublik Deutschland geklagt, weil er seine Firma beim Vergabeverfahren für den Anbau von Medizinal-Hanf in Deutschland benachteiligt sah. 2018 verlor er den Prozess und feilte seither an Plan B: dem Import von Medizinal-Hanf.

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