Weinstadt-Großheppach Bauern verärgert über Obst-Diebstahl und Hundekot

Die Großheppacher Ernst Häcker, Armin Zimmerle und Rainer Abele. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt. „Mundraub gibt es nicht mehr – das ist Diebstahl“: Obstbauer Ernst Häcker ärgert es, dass nicht wenige Bürger das Pflücken fremder Kirschen oder Äpfel als Kavaliersdelikt ansehen. Genauso stört ihn sowie seine Großheppacher Kollegen Armin Zimmerle und Rainer Abele der Hundekot, der direkt oder in Plastiktüten auf ihren Feldern landet.

Wer denkt, dass Hundekot auf Feldern von Landwirten und Obstbauern nur optisch stört, irrt. Ernst Häcker berichtet davon, dass es genug Wiesen gibt, die zur Produktion von Heu benutzt werden. Kommt mit Kot kontaminiertes Heu in den Magen von Kühen, können sich diese mit Parasiten infizieren. Auch Pferde, Schafe oder Ziegen sind dann gefährdet. Der Parasit kann bei den Tieren Fehlgeburten auslösen oder diese so schwächen, dass eine Notschlachtung nötig wird. Obstbauer Ernst Häcker versteht nicht, warum es immer noch so viele Hundebesitzer gibt, die ihr Tier ihr Geschäft einfach in der Natur verrichten lassen, ohne die Spuren nachher zu beseitigen. „Wir haben doch relativ viele von den Tütenspendern.“

„Außer dem strengen Geruch hat man nichts davon“

Was der Großheppacher auch nicht begreift, ist der Umstand, dass manche Zeitgenossen zwar die Tüten verwenden, diese dann aber auf der Wiese entsorgen. Das hält Häcker selbst dann nicht für gerechtfertigt, wenn der nächstgelegene Mülleimer überfüllt ist. Der Obstbauer findet: Es ist Hundebesitzern durchaus zuzumuten, den Beutel mit dem Kot länger mit sich herumzutragen und – sofern es nicht anders geht – auch erst zu Hause in den Müll zu werfen. In der Praxis erlebt es Ernst Häcker indes immer wieder, wie Hundebesitzer sich um ihre Verantwortung drücken. Beispielsweise habe ihm gegenüber eine Frau mal geleugnet, dass ihr Hund gerade sein Geschäft im Erdbeerfeld gemacht hat, obwohl es vor Häckers Augen geschah. Hin und wieder bekam er auch zu hören, dass das alles in Ordnung sei, weil dafür schließlich Hundesteuer gezahlt werde. Ernst Häcker hofft, hier mit Appellen an die Vernunft gegensteuern zu können. Denn Hundekot auf Wiesen sei nicht mal als Dünger zu gebrauchen. „Außer dem strengen Geruch hat man nichts davon.“

Ebenfalls ein großes Ärgernis ist für Ernst Häcker und seine Großheppacher Kollegen Armin Zimmerle und Rainer Abele das Thema Diebstahl. Das Obst von Bäumen, die am Rand von Rad- oder Fußwegen liegen, ist besonders betroffen. Nach Häckers Angaben können hier schon mal bis zu 50 Prozent des Ertrags fehlen. Seine Rechnung geht so: Selbst wenn viele Leute nur eine kleine Menge pflücken, summiert sich das. Und dann existieren eben noch jene Zeitgenossen, die gleich mit Tüten anrücken und im großen Stil ernten, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Der Obstbauer wundert sich, warum es immer noch Bürger gibt, die das nicht so schlimm finden. Er fragt sich, warum hier im Vergleich zu einem Supermarkt andere Maßstäbe gelten sollen. Denn in beiden Fällen wird Eigentum entwendet – nur mit unterschiedlichen Konsequenzen. „Nehmen Sie einen Schokoriegel mit, kriegen Sie eine Anzeige.“

Ernst Häcker setzt bislang noch auf die Einsicht der Menschen. Er hofft, dass Bürger von selbst andere Leute darauf ansprechen, wenn diese meinen, sich am Obst von örtlichen Obstbauern gratis bedienen zu dürfen. Andere Obstbauern aus Großheppach sind bereits einen Schritt weiter. „Der Herr Zimmerle hat seine Kirschen komplett eingezäunt.“ Ernst Häcker kann seinen Kollegen gut verstehen – aber er findet es traurig, dass zu solchen Mitteln gegriffen werden muss. „Das ist gar nicht schön – wir wollen doch eine offene Landschaft haben.“


Gesetzgeber spricht nicht mehr von Mundraub

Im Strafgesetzbuch gibt es den Mundraub seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr. Dieser lag vor, wenn jemand Nahrungsmittel entwendete und diese alsbald selbst aß. Wer Obst klaut, macht sich also heute des Diebstahls schuldig.

Bei der Bemessung der Strafe achten Richter darauf, wie hoch der Wert des gestohlenen Obsts ist. Wenn auf frischer Tat ertappte Obstdiebe über einen Zaun geklettert sind, kann sogar zusätzlich der Straftatbestand des Hausfriedensbruchs vorliegen.

Ernst Häcker, der als Vorsitzender des Erwerbsobstbaurings Rems-Murr die Interessen von 180 Mitgliedsbetrieben vertritt, hat laut eigenem Bekunden selbst mal einen Obstdieb angezeigt, von dem er sogar das Autokennzeichen notiert hat. Von der damaligen Reaktion der Polizei sei er allerdings enttäuscht gewesen: Diese hätte die Sache nicht weiter verfolgt, weil sie die gestohlene Menge als zu gering angesehen habe.

In Waiblingen gibt es indes eine Initiative, bei der Interessierten das Pflücken von Obst von Waiblinger Streuobstwiesen ausdrücklich gestattet wird: „Ernten erlaubt“ heißt die Aktion, bei der Streuobstbesitzer ihre Bäume mit einem weißen Band markieren und somit zur Ernte freigeben können, wenn sie es selbst nicht mehr schaffen. Infos dazu gibt es bei der Abteilung Umwelt der Stadt Waiblingen unter umwelt@waiblingen.de oder 0 71 51/50 01 32 61.

  • Bewertung
    24

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!