Weinstadt Mit fünf Kindern auf Wohnungssuche

Alessio (9), Emiliano (7), Amelia (2), Mutter Tiziana Caschetto (31), Nesthäkchen Pasquale (vier Monate), Vater Luigi Varipapa (32) und Elisa (12). Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Weinstadt-Großheppach.
„Fünf Kinder sind zu viel“: Diesen Satz haben Tiziana Caschetto (31) und ihr Mann Luigi Varipapa (32) immer wieder von Vermietern hören müssen. Die Suche nach einer größeren Wohnung verläuft für die italienischstämmige Familie bislang frustrierend. Was die Weinstädter schon alles erlebten, wie sie zu siebt in ihrer jetzigen Wohnung klarkommen und was sie eigentlich monatlich an Miete zahlen, erzählen sie in aller Offenheit.

Vorübergehend bei den Eltern gelebt

Am stressigsten war bislang jene Zeit, als die damals noch sechsköpfige Familie bei Tiziana Caschettos Eltern in Beutelsbach leben musste. Rund drei Jahre ist das jetzt her, als die Weinstädter ihre alte Bleibe verlassen mussten. Es gab Meinungsverschiedenheiten mit dem alten Vermieter, laut Luigi Varipapa ging es um den Zustand der Fenster, die sehr alt gewesen seien. Der Familienvater erzählt, dass er seinen damaligen Vermieter darauf aufmerksam gemacht habe, aber der habe nichts tun wollen. „Dann haben wir die Miete gekürzt.“ Der Vermieter hat nach Luigi Varipapas Darstellung daraufhin mit einer übermäßig hohen Nebenkostenabrechnung reagiert – und der Fall landete schließlich vor Gericht. Wegen der Rückstände bei Miete und Nebenkosten hatte der Vermieter mit der Räumungsklage letztlich Erfolg. „Da mussten wir die Wohnung verlassen“, sagt Tiziana Caschetto. Nur fand die Familie damals keinen Ersatz für ihre alte Mietwohnung. Acht Monate lang lebte Tiziana Caschetto deshalb mit ihrem Mann und ihren Kindern in der Vier-Zimmer-Wohnung ihrer Eltern. Dort wohnte damals auch noch ihr Bruder. Sie waren also insgesamt zu neunt. „Wie die Hühner haben wir da gelebt“, sagt die 31-jährige Mutter. Es war einfach zu wenig Platz.

Als Tiziana Caschetto und ihr Mann die jetzige Wohnung im Weinstädter Stadtteil Großheppach fanden, waren sie erst mal zufrieden. 1550 Euro Miete pro Monat zahlen sie nach eigenen Angaben für 130 Quadratmeter, inklusive aller Nebenkosten außer Strom. Es reichte gerade so mit zwei Erwachsenen und vier Kindern. Seit dieses Jahr jedoch der kleine Pasquale auf die Welt gekommen ist, tickt die Uhr. „Ein Zimmer mehr wäre von Vorteil“, sagt Tiziana Caschetto.

Momentan teilen sich Elisa (12 Jahre) und ihre Schwester Amelia (2) ein Zimmer sowie die beiden Jungs Alessio (9) und Emiliano (7). Was bei den Brüdern aufgrund des geringen Altersunterschieds gut funktioniert, ist bei den Schwestern ein Problem: Elisa braucht bei den Hausaufgaben eigentlich ihre Ruhe, aber das ist natürlich einer Zweijährigen schwer zu vermitteln. Sie hat deshalb eine Spielecke im Wohnzimmer, damit sich Elisa auf die Schularbeiten konzentrieren kann und auch mal Zeit für sich hat. Aber natürlich ist auch das ein Kompromiss. Die letzte Rettung wäre, dass Luigi Varipapa und seine Frau ihr Schlafzimmer zugunsten von Elisa opfern – und künftig im Wohnzimmer die Nacht verbringen. Dann hätten die fünf Kinder immerhin drei Kinderzimmer statt zwei. Momentan schläft im Schlafzimmer der Eltern noch Nesthäkchen Pasquale (vier Monate) – aber auch das ist keine Dauerlösung.

Seit November 2018 arbeitslos

Luigi Varipapa und Tiziana Caschetto haben nach eigenen Angaben bereits zwischen 20 und 30 Wohnungen in Weinstadt und Umgebung besichtigt. „Es waren auch Häuser darunter, auch Doppelhaushälften“, sagt die 31-Jährige. Doch bislang seien sie jedes Mal abgelehnt worden. Oft hieß es, dass es zu viele Kinder seien, manchmal sei auch behauptet worden, dass die Wohnung für eine siebenköpfige Familie zu klein sei. Und manchmal hieß es auch, dass sie laut seien. Oder dass der Vermieter nichts mit dem Jobcenter zu tun haben wolle. Die Familie bezieht derzeit nämlich Geld vom Staat. Luigi Varipapa ist nach eigenen Angaben seit November 2018 arbeitslos. Von diesem Zeitpunkt an bis August hat er im italienischen Lebensmittelladen seiner Schwiegermutter mitgeholfen, auf 450-Euro-Basis, um einen Zuverdienst zu haben. Auch stockt er nach eigenen Angaben das Geld vom Jobcenter durch Einsätze als Security-Mann auf – und zwar bei Fußballspielen. Er hat zudem vor, so schnell wie möglich wieder Arbeit als Versandmitarbeiter zu finden – und schätzt seine Chancen dafür als gut ein. „Ich habe den Staplerschein und den Deckenkranschein.“ Sein Ziel ist, schon Anfang 2020 wieder Arbeit zu haben.

Über ihren aktuellen Vermieter kann die Familie nur Gutes sagen

Für eine Fünf-Zimmer-Wohnung sind Luigi Varipapa und Tiziana Caschetto bereit, auch mehr Miete zu bezahlen als bisher. Ohnehin deckt das, was das Jobcenter für die monatliche Miete ihrer jetzigen Bleibe bereitstellt, nach Angaben der Familie nicht die tatsächlichen Kosten. Heißt: Sie geben von ihrem Geld noch einen Eigenanteil dazu. Luigi Varipapa verspricht zudem allen potenziellen Vermietern, auch selbst mitanzupacken – und nicht alles einem Hausmeister oder Handwerker zu überlassen. „Wenn ich’s kann, mache ich es selber.“ Dies, betont der in Korb aufgewachsene Familienvater, tue er bereits jetzt. Und damit es keine Missverständnisse gibt: Über ihren aktuellen Vermieter kann die Familie laut eigenem Bekunden nur Gutes sagen. Allerdings ist es eben keine Wohnung für eine Familie mit fünf Kindern. Dazu sind die Aufteilung der Räume und die Verteilung auf drei Stockwerke einfach zu ungünstig.

Noch geben Luigi Varipapa und Tiziana Caschetto nicht auf, eine neue Wohnung zu finden. Am liebsten wäre es ihnen, in Großheppach bleiben zu können. Oder zumindest in Weinstadt. Sie selbst finden, dass sie gar keine so schlechten Mieter wären. „Wir haben keine Haustiere – und wir sind Nichtraucher.“

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