Weinstadt Schnait bald ohne Bankfiliale

Die Filiale der Volksbank Stuttgart in Schnait. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt-Schnait.
Die Bürger und Geschäftsleute von Schnait verlieren die letzte Bank im Ort. Nachdem die Sparkasse ihre Filiale dichtmacht, zieht die Volksbank nach. Schnait ist am 14. Februar 2020 letztmalig mit Filialpersonal besetzt. Selbstständige wie der Schnaiter Bauunternehmer Walter Schiller ärgert dieser Schritt gewaltig: „Nicht allen Einwohnern von Schnait ist es möglich, sich auswärts mit Bargeld zu versorgen.“ Er und andere Bürger fragen sich nun vor allem eines: Werden vor Ort wenigstens weiter ein Bankautomat und ein Kontoauszugsdrucker bereitgestellt?

Weinstädter Oberbürgermeister interveniert beim Vorstand

Der Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann bedauert auf Nachfrage die Filialschließung und ist unzufrieden mit der starken Ausdünnung des Filialnetzes, von der auch der Ortsteil Strümpfelbach betroffen ist. Hier bleibt allerdings im Gegensatz zu Schnait eine SB-Filiale mit Bankautomat bestehen. Scharmann jedenfalls hat sich nach Darstellung von Pressesprecher Holger Niederberger in Gesprächen mit den zuständigen Personen im Vorstand dafür eingesetzt, zumindest eine SB-Filiale in Schnait – möglicherweise gemeinsam mit der Kreissparkasse – bestehen zu lassen, damit Bankkunden einen Kontoauszugsdrucker vor Ort nutzen und Bargeld abheben können. Aufgrund der Nutzeranalyse, die von Seiten der Volksbank nur wenige Kunden pro Tag ergab, ist die Entscheidung für Scharmann zwar nachvollziehbar, dennoch wäre aus seiner Sicht grundsätzlich eine flächendeckende Versorgung dringend notwendig.

Zehn Filialen in Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis sind betroffen

Matthias Layher, Sprecher der Volksbank Stuttgart, nahm ebenfalls Stellung. Die Veränderungen bei den Filialen beginnen nach seinen Angaben grundsätzlich am 9. Dezember, was die Gesamtheit der veränderten Öffnungszeiten im Geschäftsgebiet angeht. Die Umwandlung respektive Schließung der zehn Filialen in Stuttgart und im Rems-Murr-Kreis findet aber erst im Februar 2020 statt. Konkret ist Schnait laut Layher am 14. Februar 2020 letztmalig mit Personal besetzt. Die betroffenen Filialkunden seien postalisch informiert worden, zusätzlich hingen Hinweise in der Filiale aus. „Der Übergangszeitraum soll einerseits eine Umgewöhnung auf benachbarte Standorte ermöglichen, andererseits arbeiten wir auch an Konzepten für eine alternative Bargeldversorgung für 2020.“

Durch Lösungen wie aufeinander abgestimmte Öffnungszeiten kann die Volksbank laut Layher auch wenig frequentierte Standorte erhalten, aber dies gelinge leider, wie in Schnait, nicht überall. Selbstverständlich seien an den betroffenen Standorten Gespräche mit Interessenvertretern geführt worden, auch mit OB Scharmann. „Letztendlich verändern Gespräche und gegenseitiges Verständnis aber keine wirtschaftlichen Notwendigkeiten, sie schaffen vor allem Transparenz über die Fakten. Auch über Alternativen, beispielsweise können Kontoauszüge umweltfreundlich digital zugestellt und archiviert werden. Dies gelingt bei Bargeld natürlich nicht, aber Bargeld kann nahezu überall durch Kartenzahlung ersetzt werden.“

Layher: Häufigkeit von Barzahlungen nimmt stetig ab

Layher verweist darauf, dass mehr als 90 Prozent der Bevölkerung über eine Girokarte verfügen, mit der auch kontaktlos und bei Kleinbeträgen ohne PIN-Eingabe bezahlt werden kann. Daher nehme auch die Häufigkeit von Barzahlungen stetig ab, sie liege mittlerweile deutlich unter 50 Prozent aller Einkäufe. „Eine Karte kann bei Verlust zudem gesperrt werden, Bargeld hingegen bleibt verschwunden.“

Der Schnaiter Bauunternehmer Walter Schiller verweist indes darauf, dass das bargeldlose Zahlen nicht überall möglich ist. „Es gibt in Schnait noch Einzelhandelsgeschäfte, Gastronomie und auch sonstige Betriebe, die es zum Wohle der Einwohner zu erhalten gilt und wo man eben nicht mit seiner Kreditkarte bezahlen kann.“ Außerdem findet er, dass eine Volksbank, die auch der Schnaiter Bevölkerung gehört, nicht nur rein gewinnorientiert handeln sollte, wenn es um die Versorgung mit Filialen geht. Die Schnaiter seien zudem durch Einlagen, Kredite und andere Bankgeschäfte mit ihrer Volksbank verbunden – und damit werde ja auch gutes Geld verdient.

Um wenigstens einen Bankautomaten und einen Kontoauszugsdrucker vor Ort zu erhalten, fordert Schiller die Stadt und die Vereinigung der Weinstädter Unternehmer auf, die Volksbank bei der Standortfindung zu unterstützen – oder ihr einen finanziellen Zuschuss zu gewähren. „Im Internet gibt es hierzu viele erfolgreiche Beispiele, wie es gemacht werden kann.“

Die Filiale der Volksbank Stuttgart in Schnait. Foto: Büttner

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