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Weinstadt Sieben Tipps zur ökofairen Mode

Weinstadt. Billiger, billiger, billiger: Die Dumpingpreise für Kleidung verschlimmern die Ausbeutung in der Textilbranche. Das verdeutlicht der Film „The True Cost“, den das Umweltteam der evangelischen Kirchengemeinde Beutelsbach und der BUND im Kommunalen Kino gezeigt haben. Wer was tun will, für den haben wir sieben Tipps, woran Verbraucher ökofaire Mode erkennen.

Alles hat mit dem Unglück von Bangladesch begonnen. Mehr als tausend Menschen sind 2013 beim Einsturz einer Textilfabrik in der Stadt Dhaka ums Leben gekommen, in der für westliche Modekonzerne Kleidung zu Dumpinglöhnen hergestellt wurde. Wie das so üblich ist in dem Dritte-Welt-Land, in dem die Gewerkschaften schwach sind und die Regierung wenig tut, um die Situation der meist weiblichen Beschäftigten zu verbessern. Die mahnten schon Wochen vor dem Einsturz bei den Chefs Sicherheitsmängel an, zeigten auf die Risse im Gebäude – doch passiert ist nichts. Als Regisseur Andrew Morgan das in der Zeitung las, war das für ihn der Auslöser für seinen Film „The True Cost – der Preis der Mode“. In die Kinos kam die Dokumentation im Januar 2016 – und nun wurde sie am Dienstagabend auch im Kommunalen Kino im Beutelsbacher Stiftshof gezeigt. Das Umweltteam der evangelischen Kirchengemeinde Beutelsbach und der BUND Weinstadt informierten dazu im Foyer des Kinos mit Broschüren. Denn Sinn des Filmabends war es nicht, nur betroffen zu sein, ein paar Tränen zu vergießen und sich über die Schlechtigkeit dieser Welt aufzuregen. Es sollte auch ein Impuls sein, etwas zu verändern – und Lust auf fair gehandelte und ökologische Mode zu machen.

„Die haben ein spannendes Sortiment“

Ökofair heißt das Schlagwort. Silke Siegle vom Umweltteam kauft zum Beispiel nur noch solche Mode aus Weltläden – und die sieht nach ihrer Erfahrung alles andere als typisch alternativ oder gar schlecht aus. „Die haben ein spannendes Sortiment.“ Doch wie erkennt der Verbraucher diese Kleidung? Und wie sollten sich Konsumenten im Umgang mit Mode verhalten? Unsere Zeitung hat anhand von Infomaterial von BUND und Umweltteam sieben Tipps zusammengestellt.

Trauen Sie nicht jedem Produktsiegel. Hinterfragen Sie, wer da prüft: Ist es vielleicht ein Verband, der dem Hersteller, den er zu kontrollieren vorgibt, sehr nahe steht? Wichtig ist, dass ein Siegel die gesamte Produktionskette überprüft – und hier die Einhaltung von Mindeststandards garantiert. „Earth Positive“ tut das zum Beispiel. Auch sollten Sie nur Siegeln vertrauen, die ihre Kontrollkriterien transparent machen. Wenn Sie vor allem Wert auf gute Arbeitsbedingungen legen, dann sollten Sie auf das Siegel der „Fair Wear Foundation“ (FWF) achten. Wenn Ihnen ökologische Standards am wichtigsten sind, dann ist das Label „IVN Best“ die beste Wahl.

Besuchen Sie grüne Modemessen. Hierfür eignen sich die „Biofach“ in Nürnberg (www.biofach.de), die „Fair Friends“ in Dortmund (www.fair-friends.de) sowie die „Wear Fair“ im österreichischen Linz (www.wearfair.at). Letztere hat sich auf nachhaltige Mode spezialisiert. Auch ein Besuch wert: der Heldenmarkt am 5. und 6. November in Stuttgart, eine Messe für nachhaltigen Konsum.

Im Internet gibt es mittlerweile eine Reihe von Blogs, die über ökofaire Mode aufklären. Unter www.korrekte-klamotten.de berichten alternative Modefirmen, Läden und Vertriebe. Das Netzwerk Faire Mode informiert unter www.netzwerkfairemode.com über Modelabels und Nachhaltigkeitskriterien.

Viele Bürger denken, dass Sie mit Kleiderspenden an Länder der Dritten Welt etwas Gutes tun. Fakt ist: Second-Hand-Kleidung aus reichen Ländern wie den USA macht lokale Märkte kaputt und zementiert Abhängigkeiten – was in „The True Cost“ am Beispiel von Haiti deutlich gemacht wird. Warum soll jemand in Haiti Kleidung für die heimische Bevölkerung herstellen, wenn das Land mit Second-Hand-Kleidung überschwemmt wird? Besser ist es, wenn die Menschen in Industrieländern statt neuer Klamotten verstärkt Second-Hand-Kleidung in ihrer unmittelbaren Umgebung kaufen. Läden gibt es auch in hier in der Gegend genug: die Fundgrube (Oppenländerstraße 43) und den Froschkönig (Beim Hochwachtturm 15) in Waiblingen, den Wühli in Schorndorf (Olgastraße 46-48) oder Modepodium in Korb (Seestraße 5).

Ohne den Druck der Verbraucher auf die großen Modekonzerne wird sich wenig ändern. Ein Mittel ist der Protest. Wer sich an Aktionen beteiligen will, kann sich zum Beispiel auf der Seite www.ci-romero.de informieren. Die Christliche Initiative Romero besteht seit 1981 und gibt unter anderem den Menschen, die in den Textilfabriken Mittelamerikas für einen Hungerlohn unter prekären Bedingungen schuften müssen, eine Stimme.

Werfen Sie ein Kleidungsstück nicht gleich weg, nur weil es ein kleines Loch hat. Vieles lässt sich durch Nähen in Ordnung bringen. Und nehmen Sie sich den BUND Weinstadt und das Umweltteam der evangelischen Kirchengemeinde Beutelsbach zum Vorbild und organisieren Sie mal eine Kleidertausch-Aktion. Das schont nebenbei Ihren Geldbeutel.

Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie auf schicke Kleidung verzichten. Aber eins ist klar: Ein T-Shirt für drei Euro kann nicht fair produziert worden sein. Wenn Sie also etwas Gutes tun wollen, müssen Sie für Mode mehr zahlen.

Kleidertausch

Das rund zehnköpfige Umweltteam der evangelischen Kirchengemeinde Beutelsbach hat erst im März mit einer Kleidertauschaktion für Frauen versucht, ein Bewusstsein für einen nachhaltigeren Umgang mit Mode zu schaffen. 50 Frauen nahmen an der Aktion teil. Sie konnten ihre eigenen Klamotten anbieten und sich gleichzeitig gebrauchte Kleidungsstücke aussuchen. Was am Ende übrig blieb, kam dem Weinstädter Kleiderladen für Flüchtlinge zugute.

Die nächste Kleidertauschaktion ist übrigens schon in Planung. Sie soll im Herbst in Schnait stattfinden, eine Gruppe Schnaiter Frauen will die Veranstaltung stemmen. Silke Siegle vom Umweltteam hofft, dass jedes halbe Jahr in einem anderen Weinstädter Teilort eine Kleidertauschaktion für Frauen stattfindet. Wer Interesse hat, so etwas mitzuorganisieren, kann an silke.siegle@t-online.de mailen.

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