Welzheim Ausbildungsmesse in der Justinus-Kerner-Halle

Welzheim. 60 Aussteller und mehr als 100 Ausbildungsberufe und Studiengänge haben sich bei der elften interkommunalen Ausbildungsmesse in der Justinus-Kerner-Halle vorgestellt.

Berufe gibt es wie Sand am Meer. An welchem beruflichen Ufer soll man nach dem Schulabschluss anlegen? Welche Horizonte stehen mit der getroffenen Berufswahl offen? Ein Rundgang über die Ausbildungsmesse kann behilflich sein, Antworten auf konkrete Fragen zu finden - oder sie zumindest einmal zu stellen. „Wir haben im Gespräch mehr über den Produktdesigner herausbekommen als das, was wir im Fach Wirtschaft durchgenommen haben“, sagen Maluna und Selina. „Uns gefällt, dass immer eine Person für einen da ist, die uns den Beruf erklären konnte“, sagen sie. Mit ihren Klassenkameraden Philo, Isabell und Elif besuchen sie die siebte Klasse der Gemeinschaftsschule in Welzheim. Alle nutzen die Messe, um gezielt Fragen zu stellen. Im Schulunterricht haben sie Fragebögen erstellt, die sie systematisch ausfüllen. „Mich interessiert die Richtung Fachinformatiker, aber auch Zollbeamter ist bestimmt toll, weil man viel am Flughafen ist“, sagt Philo. Isabell und Elif zieht es zu sozialen Berufen. „Ich würde gerne mit Kindern arbeiten, Tagesmutter und Kinderpflegerin haben wir uns angesehen“, berichten sie.

Am Stand haben sich einige gute Gespräche ergeben

Was genau tut eine Fachkraft für Lagerlogistik? Welche Aufgaben hat ein Oberflächenbeschichter, und wie viel Mathe wird in der Berufsschule als Industriemechaniker verlangt? Letztere Frage hört Lars Geist, Ausbildungsleiter Zerspanungsmechaniker bei der Firma Kaysser, häufig. „Viele fragen, welchen Notendurchschnitt sie brauchen“, erzählt er. Ihm persönlich ist das technische Verständnis viel wichtiger. „Ich frage immer, was sie hobbymäßig und privat in Sachen Technik machen.“ Daraus hätten sich am Stand einige gute Gespräche ergeben. „Von einem Schulabgänger habe ich heute gleich den Namen notiert, weil er sehr interessiert wirkte“, sagt der Ausbilder über manch kleines „Vor-Bewerbungsgespräch“, das der Messetag ermögliche.

Praktika vereinbart

Erste Kontakte zu Unternehmen knüpfen: Davon profitieren künftige Azubis wie auch Ausbilder. „Das Interesse ist sehr groß, wir haben einige Praktikanten für dieses Jahr gefunden“, sagt Hans Hannemann, Inhaber eines Schreinereibetriebs in Welzheim. Er bedauert, dass nur zwei Handwerksbetriebe bei der Messe vertreten sind. „Man muss etwas tun, um den dringend benötigten Nachwuchs im Handwerk zu bekommen.“ Der Familienbetrieb empfängt Interessenten an einem Stehtisch aus Holz. Wie es sich gehört, ist dieser selbst geschreinert. Interessenten dürfen zum Hobel greifen und vor den Augen des Schreinermeisters probehobeln.

Auszubildende eines Maschinenbauunternehmens stellen Alltagsgegenstände wie Shampooflasche, Aufkleber mit Prägungen und Folienbänder aus und zeigen die Vielseitigkeit und Reichweite der Tätigkeit. „Unsere Firma stellt die Maschinen für viele bekannte Produkte her“, erklärt der Auszubildende.

Gesellenstücke ausgestellt

Bei einem Betrieb für Präzisionstechnik aus Backnang werden das Modell eines V-12-Motors und ein edles Schachspiel aus poliertem und lackiertem Metall bestaunt: Es sind Gesellenstücke früherer Industriemechaniker-Azubis. „Es ist der beliebteste Beruf in der Metallverarbeitung“, ist der Eindruck des Auszubildenden Osaf Riaz. Er lernt den Beruf Oberflächenbeschichter und Feuerverzinker bei einem Weinstädter Hersteller von hochwertigen, komplexen Steckverbindern und Verbindungssystemen und schildert Jugendlichen seine Aufgaben. „Von der Arbeitsweise her sind wir nicht so weit entfernt vom Industriemechaniker. Wir arbeiten auch an Maschinen, mit denen wir die Rohlinge beschichten“, stellt er den Beruf vor, der bis vor zwölf Jahren Galvaniseur hieß.

Die meisten Jugendlichen haben ihre Eltern mit dabei. „Wir finden es gut, sie haben einen guten Blick auf ihr Kind und können Infos geben zu den Fähigkeiten“, sagt Tanja Brucker, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur in Schorndorf. Die meisten kämen gut vorinformiert und mit „sehr konkreten Fragen“ an den Stand: Jemand wolle wissen, wo das nächstgelegene Technische Gymnasium an seinem Wohnort ist. Andere pickten sich speziell die Informationen über Pflege- und Heilberufe heraus. Abiturienten hätten Fragen zu neuen Studiengängen, weil viele neue Bezeichnungen für sie unübersichtlich seien.

Aktiver Job gesucht

Andere verabschieden sich von einer Idee. „Zur Polizei kann sie nicht, sie muss mindestens 1,60 Meter groß sein“, erzählt Monika Müller, ehrenamtliche Helferin im Arbeitskreis Asyl aus Welzheim. Sie begleitet die 27-jährige Inderin Jaghdip. „Ich möchte nicht an einem Büroarbeitsplatz sitzen, sondern aktiv sein“, nennt sie Vorlieben. Bei den Metallberufen habe sie etwas entdeckt, auch Fachkraft für Lagerlogistik käme infrage. Fürs Erste hätten sie eine Einladung zu einem Tag der offenen Tür und einige Beratungstermine vereinbart. Gut finden sie, dass junge Menschen an den Ständen informieren. Von ihnen habe die Geflüchtete etwas Neues erfahren: „Ich wusste nicht, dass man während der Ausbildung Geld bekommt.“

Neuer Rekord

Zum elften Mal haben die Gemeinden Alfdorf, Rudersberg und Welzheim die interkommunale Ausbildungsmesse organisiert. Sie wandert jährlich von Ort zu Ort.

Mit 60 Ausstellern sei ein neuer Rekord erreicht worden, informiert Sabine Kaesser, Stellvertretender Vorstand und Pressewartin des Wirtschaftsforums Welzheimer Wald/Wieslauftal. Die Nachfrage der Unternehmen sei groß, auch Teilnehmer aus Backnang und Auenwald seien mit von der Partie. „Man merkt den Wandel, dass es weniger Auszubildende gibt. Die Messe ist für viele Firmen interessant, weil sie wissen, dass sie hier gute Azubis finden können.“

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