Welzheim Ein sozialer Musterbetrieb

Welzheim. Ein sozialer Musterbetrieb: Die Vertriebs-GmbH in der Welzheimer Industriestraße hat ein Spendensystem für die DKMS entwickelt. Seit dem Jahr 2011 kamen so der Knochenmarkspenderdatei rund 20 000 Euro zugute. Außerdem beschäftigt Geschäftsführer Alexander Mendler im Kundenservice derzeit sechs Menschen mit Behinderung.

Video: Knochenmarkspender Erkan Köse

Jetzt war wieder eine Scheckübergabe fällig, weshalb Petra Ennenbach von der DKMS aus Köln extra nach Welzheim angereist war. Sie brachte den Dank an die zwei Knochenmarkspender Alexander Mendler und und Erkan Köse mit und Urkunden. Außerdem gab es vom Firmenchef einen weiteren Scheck für die Arbeit der gemeinnützigen Organisation. Die Firma engagiert sich schon lange bei der DKMS, zum einen durch Spenden durch das Unternehmen, aber auch durch Mikrospenden der Kunden. „Wir bieten unseren Kunden die Möglichkeit, bei den Versandkosten eine Spende an die DKMS aufzurechnen, welche dann durch unser Unternehmen erhöht wird“, so Dominik Laug, Assistent der Geschäftsführung.

Erkan Köse hat erfolgreich gespendet

Erkan Köse, 35 Jahre alt, verheiratet, ein Kind, ist bei Mendler für die Ertrags- und Bestandskontrolle zuständig. Er ist seit März 2011 angestellt. Seine Spende für einen italienischen Mann war erfolgreich. Er meint selbst dazu: „Vor etwa acht Jahren habe ich selber einen DKMS-Spendentag in Welzheim in der Alten Kantine gegenüber Mendler für einen Jungen, der Blutanämie hat, organisiert, damit er durch die Stammzellen ein neues Leben anfangen konnte. Hat zwar nicht geklappt, aber trotzdem kamen an dem Tag rund 600 Spender, die sich typisiert haben, war also trotzdem ein Erfolg nebenbei für andere Kranke auf Stammzellen wartende Patienten.“

Erkan Köse hat sich natürlich an diesem Tag auch selbst typisieren lassen und hatte Glück, nach ein paar Jahren jemandem, den er nicht kennt, helfen zu dürfen. Die Herausforderung hat er ohne zu überlegen angenommen, „denn nicht jeder auf der Welt bekommt die Gabe, ein Leben zu retten“. Köse: „Ich finde das einen bewegenden Moment für beide Seiten.“

Alexander Mendler, Geschäftsführer, verheiratet, zwei Kinder, hat sich schon während seines Studiums Anfang der 90er registrieren lassen. „Grund war schlicht der Gedanke, dass, wenn ich der Einzige sein sollte, der ein bestimmtes Leben retten kann, ich das auch mache.“ Tatsächlich durfte Geschäftsführer Alexander Mendler zweimal innerhalb mehrerer Jahre für eine Frau spenden. Damals waren die Medikamente noch in der Testphase, weswegen er auch noch offiziell zum Medikamententester wurde. Die Frau starb jedoch leider kurz nach der zweiten Spende. Mendler: „Insgesamt muss gesagt werden, dass das Spenden relativ unproblematisch war. Nach der ersten erfolgreichen Spende war ich stolz und glücklich. Wäre schön gewesen, wenn die zweite Spende auch geklappt hätte.“

Behinderte Mitarbeiter sind eine Bereicherung für den Betrieb

Zum Engagement „Beschäftigung schwerbehinderter Mitarbeiter“ berichtet der Geschäftsführer: Bereits kurz nach Firmengründung wurden schwerbehinderte Mitmenschen beschäftigt. Die Krankheitsbilder sind unterschiedlich. Dabei sind die Einschränkungen nicht nur körperlich. Oftmals sind Konzentrationsschwächen bedingt durch Medikamente ein Problem. Nach einer gewissen Einarbeitungszeit waren aber alle Mitarbeiter eine Bereicherung für den Betrieb. Sehr geholfen bei der Integration hat oftmals der Integrationsfachdienst. So gelang es, Mitarbeiter zu gewinnen, die ohne Hilfe niemals eine Beschäftigung gefunden hätten. Sei es bei schwer sehbehinderten Mitmenschen, die sich nach einiger Einarbeitszeit sehr gut „auskennen“ und genau wissen, wo sie „hinschauen“ müssen - sei es bei Mitarbeitern mit Konzentrationsschwächen, die aufgrund der Routine sich nicht mehr so sehr konzentrieren müssen und daher die Arbeit sehr gut machen.

Am meisten überraschend waren die Auswirkungen jedoch auf die anderen Beschäftigten. Es erschien geradezu, als ob alle zufriedener mit sich selbst und damit auch im Betrieb sind. Der Wandel war geradezu zu spüren. So sind jetzt in fast allen Unternehmensbereichen schwerbehinderte Mitarbeiter eingesetzt - auch zum Eigenzweck und zur Teambildung. „Mit diesem Nebeneffekt hatten wir zuvor nicht gerechnet“, sagt der Firmenchef.

Erst nachdem die DKMS vor Jahren den Welzheimer Betrieb für den Mittelstandspreis für soziale Verantwortung vorgeschlagen hatte, wurde klar, dass es auch wichtig ist, sein soziales Engagement nach außen zu tragen. Das ist ein Kriterium bei der Preisverleihung.

Mendler: „Alles in allem muss betont werden, dass unser soziales Engagement aus eigenem Antrieb entstanden ist, durch den Integrationsfachdienst gefördert wurde und letztlich sowohl im Betrieb zu einem besseren Klima führte als auch in der Außenwirkung bei unseren Kunden gut ankommt.“

Für das soziale Engagement wurde die Welzheimer Firma in den Jahren 2013, 2014 und 2015 vom Land Baden-Württemberg ausgezeichnet.

Integrationsfachdienst berät Firmen

Wilfried Krestel vom Integrationsfachdienst des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales (früher Landeswohlfahrtsverband) nennt den Welzheimer Betrieb beispielhaft, was die Integration von behinderten Menschen angeht. Bei insgesamt knapp 50 Mitarbeitern in Welzheim haben sechs Menschen Einschränkungen.

Wilfried Krestel rät allen Firmen, die sich in diesem Bereich engagieren wollen, sich bei Alexander Mendler zu informieren. Der Integrationsfachdienst begleitet Firmen und Mitarbeiter, um gemeinsame Wege zu einem Miteinander zu finden.

Der nächste Integrationsfachdienst für den Raum Welzheimer Wald sitzt in Waiblingen in der Mayenner Straße 8, 71332 Waiblingen, Telefon 0 71 51/98 6 13-0; E-Mail: info.rems-murr@ifd.3in.de.

Die Firma Mendler ist seit dem Jahr 2008 in Welzheim und hatte vorher ihren Standort in Schorndorf. Die Mendler Vertriebs-GmbH betreibt erfolgreich und mit guten Zuwachsraten den Online-Shop www.heute-wohnen.de.

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