„Wie in einer Heringsbüchse“ Go-Ahead: Überfüllte Züge auf der Remsbahn

Dicht gedrängt am 27. September in einem Go-Ahead-Zug. Foto: Burkhard Nagel

Urbach. Burkhard Nagel aus Urbach hat die Nase voll. Dicht gedrängt stehen die Fahrgäste im Zug. Kaum bewegen kann man sich – geschweige denn etwas aus der Tasche holen. Situationen wie diese kennt man nach Großveranstaltungen. Pendler wie Burkhard Nagel jedoch müssen das regelmäßig ertragen, wenn zu den Hauptstoßzeiten Züge ausfallen oder Waggons fehlen. Mit dem neuen Remsbahn-Betreiber Go-Ahead sei es nicht besser geworden.

Burkhard Nagel fährt jeden Tag von Urbach nach Stuttgart zur Arbeit. Morgens steigt er zwischen 7 und 8 Uhr in den Zug und abends fährt er die gleiche Strecke zwischen 17 und 19 Uhr wieder zurück. Er ruft nun nach Hilfe, die Bahnen auf der Remsbahn seien schlichtweg zu voll. Teilweise stehe man Haut an Haut – unangenehm!.

„Was ich heute Morgen, 16. September 2019, um 8.09 am Urbacher Bahnhof erlebte, toppt das bisher Erlebte. Ein einziger Waggon sollte alle Wartenden mitnehmen. Ein einziger Waggon! Wenn es bisher mal zwei waren, war es schon sehr eng. Das Zugunternehmen musste nur deshalb niemand am Bahnsteig stehen lassen, weil sich alle – wie in einer Heringsbüchse – zusammenstellten. Ich bin sehr enttäuscht und verärgert, dass wir den ÖPNV nicht ‘auf die Schiene’ (auf die Beine) kriegen. Wie soll die Verkehrswende klappen. Gibt es wenigstens Vertragsstrafen? Es scheint immer schlechter zu werden anstatt immer besser.“

"Jemand, der Platzangst hat, kann darin nicht fahren"

Burkhard Nagel führt seit einiger Zeit Erlebnisprotokoll über die mitunter unerträglichen Zustände in der Remsbahn. So zum Beispiel auch über den 27. September: Burkhard Nagel war auf dem Weg zur Arbeit. Schon in Urbach war die Bahn sehr voll. In Schorndorf bat dann der Schaffner oder Lokführer die Fahrgäste über Lautsprecher: „Wer es nicht eilig hat, möge auf die S-Bahn umsteigen“, erinnert sich Burkhard Nagel. Er stieg in Schorndorf um und rannte mit mehreren anderen zur S-Bahn. „Ein Witz eigentlich“, sagt er im Nachhinein, „ich muss doch rasch nach Stuttgart kommen.“

Das Hauptproblem seien vor allem die wenigen Waggons, die von der britischen Firma Go-Ahead, die seit Juni die Remsbahn betreibt, eingesetzt würden: meistens drei Waggons und manchmal nur einer. Für die Fahrgäste ist diese Situation alles andere als witzig. „Jemand, der Platzangst hat, kann da drin nicht fahren“, sagt Burkhard Nagel. Vor allem beim Aussteigen führe dies zu Problemen: „Man steht im Waggon mittendrin und weiß, ich will bei der nächsten Station raus.“ Da bekomme man Panik. Andere Fahrgäste müssen dann aussteigen, damit man selbst rauskommt.

Burkhard Nagel, der Mitglied im Urbacher Gemeinderat für die Grünen ist, hat auch schon an das Landes-Verkehrsministerium geschrieben, um sich bei Verkehrsminister Winfried Hermann zu beschweren.


Was Go-Ahead verbessern möchte

Ein Sprecher des Unternehmens Go- Ahead räumt Schwierigkeiten auf der Remsbahn ein. Er spricht von „Phasen, in denen es nicht so gut läuft“, aber das Unternehmen habe sich in Pünktlichkeit und Ausfallstatistik kontinuierlich verbessert.

Im September seien einige Fahrzeuge wegen technischer Schwierigkeiten ausgefallen. Wenn dies passiert, müsse Go-Ahead „sehr schnell ein Ersatzfahrzeug besorgen, das manchmal eine geringere Kapazität haben kann“. Das Unternehmen Go-Ahead sehe sich und den Zug-Hersteller „voll in der Pflicht“ und arbeite „intensiv an der Beseitigung der grundsätzlichen Fahrzeugstörungen“.

Go-Ahead hat auch ein finanzielles Interesse, nicht mit verminderter Waggonkapazität zu fahren. Denn je Ausfall sind an das Land Baden-Württemberg Vertragsstrafen zu bezahlen. Das gelte sowohl für die Deutsche Bahn (im Nahverkehr) als auch für Go-Ahead, so ein Ministeriumssprecher.

Im Dezember soll Go-Ahead auch die Murrbahn über Winnenden und Backnang übernehmen. Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im baden-württembergischen Landesministerium, antwortete im September auf einen Brief des Backnanger SPD-Landtagsabgeordneten Gernot Gruber, dass er hier darauf achte, dass „die zweite Inbetriebnahme-Stufe weniger holprig verläuft“.

Die Geschäftsführer des Unternehmens Go-Ahead würden ihm wöchentlich „über die Betriebsqualität und die Vorbereitungen“ berichten, so Lahl. Für den Abgeordneten Gernot Gruber sprechen diese wöchentlichen Sitzungen gegen einen reibungslosen Betriebsübergang. Sie würden andeuten, dass „ein reibungsloser Betriebsübergang noch nicht gut genug vorbereitet ist“.

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