Windpark am Goldboden Darum steht ein Windrad seit Wochen still

Von den drei Windrädern am Goldboden drehen sich derzeit nur zwei, das mittlere macht Zwangspause. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Winterbach. Es ist ein ärgerlicher Ausfall für die EnBW, weil derzeit eigentlich gute Bedingungen für die Windstromerzeugung herrschen. Doch am Windpark Goldboden bei Winterbach sind seit drei Wochen nur zwei der Windräder in Bewegung, das mittlere steht. Der Grund: Eines seiner Rotorblätter hat Risse. Es handelt sich um den Windradflügel, der im Dezember 2017 beim Transport zur Baustelle in einen Unfall verwickelt war.

Im Dezember 2017 wurden die insgesamt neun riesigen Rotorblätter zum Windpark auf den Goldboden transportiert. Die 65 Meter langen Kolosse hatten, bevor sie aufsehenerregend durch Schorndorf auf den Schurwald gekarrt wurden, einen langen Weg über die Autobahn aus dem Norden Deutschlands zurückzulegen. Beim letzten Windrad ist dabei ein kleiner Unfall mit einem Lkw passiert. Die EnBW sprach von einem Kratzer, Projektleiter Tobias Borde sagte: „Es ist nichts Weltbewegendes.“ Nach einer Reparatur wurde das Rotorblatt wie geplant montiert.

Unklar, ob Risse etwas mit dem Unfall zu tun haben

Jetzt macht genau dieser Windradflügel Probleme. „Es handelt sich in der Tat um das Rotorblatt, das bei dem Transport leicht beschädigt wurde“, sagt Sprecher Jörg Busse gegenüber unserer Zeitung. Allerdings könne man noch nicht sagen, ob die jetzt aufgetretenen Risse mit dem damaligen Unfall zu tun hätten, betont er. Dafür müsse man ein Gutachten dazu abwarten.

Es kann noch dauern, bis sich das Windrad wieder dreht

Die Risse im Windradflügel sind laut EnBW-Sprecher Jörg Busse schon am 19. Februar bei einer Routineüberprüfung aller Anlagen festgestellt worden. „Daraufhin wurde die Windenergieanlage vorsorglich außer Betrieb gesetzt“, sagt er. Nun warte man auf die Untersuchung des Schadens durch einen Sachverständigen. Lägen die Ergebnisse vor, werde man die nötigen Maßnahmen mit dem Hersteller Nordex abstimmen. „Aus heutiger Sicht können wir leider nicht sagen, wann die Anlage wieder in Betrieb gehen kann“, so Jörg Busse.

EnBW insgesamt zufrieden mit dem Ertrag der Windräder

Der lange Ausfall zum jetzigen Zeitpunkt trifft die EnBW hart. Bei dem momentan starken Wind sei der Verlust relativ hoch, sagt der Sprecher des Konzerns. „Stand heute beläuft sich dieser auf rund 800 Megawattstunden.“

Insgesamt ist die EnBW bisher zufrieden mit dem Ertrag ihrer Windräder. EnBW-Sprecherin Dagmar Jordan wollte allerdings auf Nachfrage für das Jahr 2018 keine genauen Ertragswerte liefern. Ihre Begründung: „Das erste Betriebsjahr ist – mit Inbetriebnahme, Probebetrieb, Abnahme von der Firma Nordex, die erst im August erfolgte – nicht aussagekräftig.“ Was sie sagen könne: Im November und Dezember 2018 seien die Anlagen sehr gut gelaufen, der Planertrag sei übertroffen worden. In diesen Monaten sei die Abschaltung zum Schutz von Fledermäusen nicht mehr notwendig gewesen (siehe „Warum stehen die Windräder manchmal still?“).

„Pro Schurwald“ bezeichnet Ertragszahlen als „ernüchternd“

Wie immer kommen allerdings die Windpark-Gegner von der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ zu einer völlig anderen Bewertung. Den bisherigen Ertrag des Windpark Goldboden bezeichnen sie als „ernüchternd“. Die Zahlen dazu hat die Initiative aus dem „EnBW Cockpit“ herausgelesen, einer App, in der man die aktuellen Leistungsdaten der EnBW-Windparks einsehen kann. Diesen Zahlen zufolge lag der Windpark in elf von zwölf Monaten unter dem geplanten Ertrag. Teilweise erreichte demnach der Windpark nicht einmal 30 Prozent des erwarteten Ertrags. „Die Auslastung der Windkraft-Industrieanlagen am Goldboden lag bei nur 17 Prozent, wobei es tagelange Windflauten gab, an denen überhaupt kein Windstrom erzeugt werden konnte.“

Gegner: "Am Goldboden wurde ein Windkraftfriedhof errichtet"

Die EnBW wollte die genannten Zahlen auf Anfrage unserer Zeitung nicht kommentieren. Mehr als die Aussage, dass das erste Jahr nicht aussagekräftig für die Beurteilung ist, kommt von dem Konzern nicht. Zuvor hatte die EnBW bereits mehrfach betont: Der Planwert von 25 Megawattstunden Ertrag im Jahr sei ein Durchschnittswert. Wichtig sei, was am Ende der 20 Jahre Laufzeit stehe. Einzelne Jahre könnten dabei durchaus unter dem Planwert liegen.

Die Windpark-Gegner bleiben jedoch bei ihrem Urteil: „Am Goldboden wurde ein Windkraftfriedhof errichtet“, sagt Michael Haueis, Sprecher von „Pro Schurwald“. Wenn ein extrem windstarker Monat wie der Dezember 2018 nötig sei, damit der Windpark der EnBW überhaupt die Planzahlen erreiche, dann zeige das deutlich, dass der Schurwald für die Windkraft nicht geeignet sei.


Warum stehen die Windräder manchmal still?

Damit die drei Windräder am Goldboden in Gang gesetzt werden, müssen die Messgeräte auf ihren Maschinenhäusern für mindestens fünf Minuten eine konstante Windgeschwindigkeit von mindestens drei Metern pro Sekunde registrieren.

Im umgekehrten Fall, wenn der Sturm über den Schurwald pfeift, dann schalten die Anlagen sich irgendwann auch komplett ab und nehmen die Rotorblätter aus dem Wind, laut EnBW ab Geschwindigkeiten von etwa 20 Metern pro Sekunde auf Nabenhöhe.

Dazu gibt es einkalkulierte Stillstände. Das heißt, es kann sein, dass der Wind kräftig bläst, aber die Rotoren trotzdem erstarren. Das hat mit Auflagen zu tun, die die EnBW zur Genehmigung des Windparks bekommen hat:

Für einen Großteil des Jahres gelten Abschaltzeiten zum Schutz von Fledermäusen. Von Anfang April bis Ende August müssen alle Anlagen ab einer Stunde vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang still stehen, von September bis Ende Oktober sogar ab drei Stunden vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Allerdings gilt diese Auflage nur bei Windgeschwindigkeiten von weniger als sechs Metern pro Sekunde und Temperaturen von mehr als zehn Grad. Der Grund: In diesen Zeiten und bei diesen Bedingungen könnten Fledermäuse unterwegs sein.

Eine weitere Auflage zur Abschaltung, die aber weniger ins Gewicht fällt: Wenn die Sonne so steht, dass ein Schlagschatten auf das Forsthaus bei Manolzweiler fällt, dann registriert das ein Messgerät in der dem Forsthaus am nächsten stehenden Anlage und stoppt diese.

Ein dritter Fall ist kein sehr häufig vorkommender, aber auch schon eingetreten: Wenn Messgeräte registrieren, dass sich Eis auf den Rotorblättern bildet, bei dem die Gefahr besteht, dass es bei Drehung herumgeschleudert wird, werden diese gebremst und stillgelegt.


Windjahr 2018?

Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ behauptet: 2018 sei ein „überdurchschnittliches Windkraftjahr“ gewesen. Deswegen sei es umso frappierender, dass der Windpark Goldboden so niedrige Ertragszahlen eingefahren habe.

Dagmar Jordan, Pressesprecherin der EnBW, sagt genau das Gegenteil: Das Windangebot sei 2018 überall in Deutschland sehr gering gewesen, nicht nur am Goldboden.

Auch Erhard Schulz, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbands Windenergie (BWE), sagt zur Einschätzung von „Pro Schurwald“, das Windkraftjahr 2018 sei ein „überdurchschnittliches“ gewesen: „Das ist falsch, das kann ich deutlich sagen.“ Das Jahr 2018 sei in ganz Deutschland und auch in Baden-Württemberg insgesamt kein gutes für die Windkraft gewesen.

Die Rechnung der Bürgerinitiative, die installierte Leistung der Windkraftanlagen mit der Stromeinspeisung ins Netz gegenüberzustellen, bezeichnet Erhard Schulz als „Quatsch“. Das könne man nicht so generell berechnen, dazu müsse man jede einzelne Windkraft-Turbine betrachten und beurteilen.

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