Windpark am Goldboden Feierlaune unter den Windrädern

Groß war das Interesse an der offiziellen Einweihung des Windparks auf dem Goldboden. Gegner wurde keine gesichtet – oder haben sich zumindest nicht zu erkennen gegeben. Viele der Besucher haben nach dem Einweihungsakt die Gelegenheit genutzt, sich – gut behelmt – im Rahmen einer kleinen Führung im Turmfuß einer der drei Windenergieanlagen umzuschauen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Winterbach. Ohne Demonstranten, dafür aber mit Mitmachzirkus und Maultaschen hat die EnBW im Rahmen der baden-württembergischen Energiewendetage ihren aus drei Windrädern bestehenden Windpark auf dem Goldboden offiziell eingeweiht. Der Staatssekretär im Umweltministerium, Dr. Andre Baumann, hat die Anlage auf dem Schurwald als kleinen, aber wichtigen Beitrag zur Energiewende und zum Klimaschutz und als „wirtschaftlich sinnvoll“ bezeichnet.

Es sei „immer wieder ein Highlight“, wenn ein solches Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht worden sei, sagte der Leiter Portfolioentwicklung der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Dirk Güsewell, der es in diesem Zusammenhang bedauerte, dass der Windpark auf dem Goldboden auf absehbare Zeit der einzige im Umfeld der Landeshauptstadt sein werde, den er von seinem Schreibtisch aus steuern könne. Gleichwohl stünden die drei Windräder oberhalb von Winterbach exemplarisch für die Anstrengungen des Unternehmens, im Bereich Windenergie weiter und stetig zu wachsen und den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Der Windpark, so Güsewell, sei „ein „echtes Energiewendeprodukt“, das hervorragend zu einer Gemeinde, die sich schon seit langem dem Thema Energiewende verschrieben habe, passe. Gar von einem „Leuchtturmprojekt“ sprach der EnBW-Vertreter, der den Bürgern von Winterbach und Schorndorf für ihr Verständnis und ihre Geduld während der Bauzeit dankte und der Anlage für die nächsten 25 Jahre „einen reibungslosen Betrieb und immer guten Wind“ wünschte.

„Liebe Energiewenderinnen und Energiewender“

Mit diesem Wunsch schloss auch der Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, Dr. Andre Baumann, der die zahlreichen Besucher mit „liebe Energiewenderinnen und Energiewender“ begrüßt und den Anlass als so bedeutend eingestuft hatte, „dass heute hier eigentlich der Minister oder sogar der Ministerpräsident stehen müssten“. Was aber nicht ging, weil beide in den USA weilten, um dort ein internationales Klimabündnis zu schmieden. Die Winterbacher Anlage zeige, dass Windkraft hierzulande „nicht nur gesellschaftspolitisch und ökologisch notwendig, sondern auch möglich“ sei, sagte Baumann und bedauerte es gleichzeitig, dass der Winkraftausbau, nachdem Baden-Württemberg lange die rote Laterne im Ländervergleich getragen und dann stark aufgeholt habe, jetzt wegen des Fehlens einer Regionalisierungskomponente im Ausschreibungsmodell wieder stagniere – trotz der in diesem Jahr in Baden-Württemberg fertiggestellten 27 Anlagen, von denen jede einzelne ein Schritt in die richtige Richtung sowohl in Sachen Versorgungssicherheit als auch in Richtung Umwelt- und Klimaschutz sei. Und eine Anlage wie die auf dem Goldboden, die im Idealfall in der Lage sei, immerhin fast 8000 Haushalte mit Strom zu versorgen, sei schließlich nicht nichts, sagte Bauman und dankte ausdrücklich auch denen, die sich in einer „energiereichen“ Diskussion kritisch geäußert hätten. Was nichts daran ändere, dass jeder Beitrag, „und sei er noch so klein“, wichtig sei, auf dem langen Marathon der Energiewende. Und insofern, so der Staatssekretär, seien auch die Windräder auf dem Goldboden „ein Zukunftsprojekt“.

Müller: Zumindest in Winterbach hat sich der Gegenwind gelegt

Aus Sicht von Bürgermeister Sven Müller ist der Windpark neben der Remsrenaturierung, über die sich Staatssekretär Baumann erst kürzlich vor Ort informiert hat, eine weitere zukunftsweisende Maßnahme, die dazu beitrage, den grünen Winterbacher Fußabdruck zu vergrößern. Und er sei auch davon überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger mit großer Mehrheit zu diesem Windpark-Projekt stehen, meinte der Bürgermeister, der den Eindruck hat, dass sich der Gegenwind, den hauptsächlich noch sein Vorgänger Albrecht Ulrich hatte aushalten müssen, inzwischen wieder gelegt hat – „zumindest was die Winterbacher selber angeht“. Und von der Gemeinde sei das Projekt ja ohnehin von Anfang an positiv und proaktiv begleitet worden.

Außer dem ökologischen und, wie vom Staatssekretär betont, wirtschaftlichen Aspekt kann Sven Müller den drei Windrätern auch noch eine weitere positive Seite abgewinnen. Sie seien ein Wahrzeichen, das schon aus weiter Ferne den Weg nach Winterbach weise, meinte der Bürgermeister, der diesen Marketingaspekt so beschrieb: „Oben die drei Windräder, und an ihrem Fuß liegt das sonnige Winterbach.“ Und so gesehen, könne der Windpark auch zum integrierten Bestandteil der Remstal-Gartenschau im kommenden Jahr werden.

Verstärkt wurde dieser positive Grundtenor noch von Michael Soukup, seines Zeichens Teamleiter Projektentwicklung für die Windenergieregion Süd bei der EnBW, der den Winterbachern attestierte, sie könnten „stolz darauf sein, dass sie dieses Projekt so unterstützt haben“.

„Kein Grund zum Feiern“ für die Bürgerinitiativen

Es überrascht nicht, dass für die beiden Bürgerinitiativen „Pro Schurwald“ und „Lebensraum Östlicher Schurwald“ die offizielle Einweihung des Windparks auf dem Goldboden „kein Grund zum Feiern“ ist.

Im Gegenteil. Der BI „Pro Schurwald“ fallen gleich zehn Gründe ein, warum es auf dem Goldboden nichts zu feiern gibt. Die zehn Gründe sind in einer Stellungnahme der BI unter folgenden Überschriften ausgelistet: Winkraft-Industriezone statt Natur- und Lebensraum; Windriesen sind Energiezwerge; Subventionsritter; Bürger ignoriert; Petitionsrecht ad absurdum geführt; gekaufte Gutachten; Artenschutz nicht gewährleistet; Lärmschutz fraglich; Problem Infraschall; Schurwaldlandschaft für 7200 Euro jährlich verkauft (bezogen auf die vom Landratsamt für eine Laufzeit von 20 Jahren festgelegte Ersatzzahlung).

Dieser Kritik schließt sich auch die BI Östlicher Schurwald an, die in einer Stellungnahme feststellt: „Mit Windrädern auf dem Schurwald wird offensichtlich kein Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende geleistet. Landschaft und Natur werden sinnlos geopfert, und den Bürgern werden Nachteile zugemutet, ohne dass diesen ein Nutzen gegenübersteht.“

Die Forderung aus alledem: Die Winkraftprojekte ES 02 (Sümpflesberg) und GP 03 (Wangen-Unterberken) sollen gestoppt, weitere Vorranggebiete sollen nicht ausgewiesen werden.

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