Windpark am Goldboden Windräder sollen zum Kunstprojekt werden

Die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn hat bereits in Thüringen und Schleswig-Holstein Windparks illuminiert, so wie in diesem Beispiel könnte es bald auch abends am Goldboden aussehen. Foto: Gisela Meyer-Hahn

Winterbach. Die drei Windräder am Goldboden sollen für die Remstal-Gartenschau zum Kunstprojekt werden. Die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn aus Pinneberg hat eine Licht-Komposition für die ENBW entworfen, die ab 1. Juli, täglich von 21 bis 23 Uhr die Windräder erleuchten soll. Der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller steht hinter dem Projekt. Der Gemeinderat berät am Dienstag über den Genehmigungsantrag dazu.

Dass sich die ENBW mit ihren Windrädern an der Remstal-Gartenschau beteiligen könnte, das war schon länger im Gespräch. Konkret wurden die Pläne in der Öffentlichkeit bisher jedoch nicht. Jetzt haben die Gemeinde Winterbach und der Energiekonzern, der den Windpark am Goldboden betreibt, eine gemeinsame Pressemitteilung verschickt und informieren über das Vorhaben, die Anlagen „mit einer interaktiven Komposition für Lichtfarben“ in Szene zu setzen. Da die drei Windräder zum Landschaftsbild des Remstals gehören, so heißt es in der Mitteilung, wollen sich auch die ENBW an der Gartenschau beteiligen.

Entworfen hat die „Lichtkomposition“ die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn aus Schleswig-Holstein, die auch bereits andere Windparks erleuchtet hat. Dafür sollen am Fuß der bis zur Nabe 164 Meter hohen Windräder leistungsstarke, hochenergieeffiziente LED-Scheinwerfer platziert werden. Dieses „Lichtorchester“ enthalte, „digital gesteuert, die entsprechenden Impulse der Lichtkomposition, die als Lichtfarbe an den Türmen, Gondeln und Rotorblättern der Windräder sichtbar werden“.

Schon am kommenden Montag, 1. Juli, soll die Erleuchtung der Windräder beginnen. Bis zum 25. August sollen sie jeden Abend von 21 bis 23 Uhr angestrahlt sein.

„Keine brüllende Lichtshow, sondern einfühlsame Bespielung“

Gisela Meyer-Hahn befasst sich nach eigener Aussage ständig mit den Wirkungen von Wind, Farbe und Licht und beobachtet diese im Laufe des Tages, der Nacht und der Jahreszeiten. Daraus entstand ihre Idee „Windkraft im Licht“, die eine „Verbindung von Technik, Natur und unserer Wahrnehmung durch komponiertes Licht“ schaffen soll. Die Künstlerin betont: „So entsteht keine brüllende Lichtshow, sondern eine einfühlsame Bespielung der drei großen Windkraftanlagen, die dann wie überdimensionale Blüten der Gartenschau erscheinen“.

Der Hinweis mit der „ Lichtshow“ kommt nicht von ungefähr. Denn bei der Diskussion über die Windräder spielte auch immer wieder deren Beleuchtung mit rot blinkenden Lichtern als Warnzeichen für Flugzeuge eine Rolle und wurde von den Gegnern des Windparks als unzumutbare Störung in der Nacht ausgemacht. Die Künstlerin dagegen will die Menschen mit dem Anblick farbigen Lichts positiv berühren. Schön fände sie es auch, sagt sie, wenn der Betrachter „einfach nur gute Laune kriegt“.

Genehmigung als Werbeanlage

Die ENBW hat für die kunstvolle Erleuchtung der Windräder einen Genehmigungsantrag gestellt, über den das Landratsamt entscheiden wird. Der Winterbacher Gemeinderat berät am Dienstagabend in seiner Sitzung ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Alten Rathauses darüber.

Die Gemeindeverwaltung empfiehlt dem Rat, das Einvernehmen zu erteilen. Bürgermeister Sven Müller sagt: „Der Windpark ist fester Bestandteil der Region geworden.“ Man freue sich, „dass wir die Energieanlagen nun auch als Kunstobjekt erleben dürfen“. Laut Müller sind „alle schon ganz gespannt auf das außergewöhnliche Lichtspiel über unserer Gemeinde“.

Laut Landratsamt spricht nach derzeitigem Stand nichts gegen eine Genehmigung, auch nicht aus Artenschutzgründen. Eine Genehmigung ist demnach nötig, weil die angestrahlten Windräder rechtlich als Werbeanlage und nicht als Kunstprojekt eingestuft werden.

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