Windpark am Goldboden Zwei Windräder sind in Betrieb

So gute Sicht auf die Windräder gab es an diesem Donnerstag leider nicht, die ersten beiden Windräder drehten sich in den Wolken. Foto: Palmizi/ZVW

Winterbach. Ziemlich genau ein Jahr, nachdem mit der Rodung der Waldflächen am Goldboden der Bau des Windparks begann, sind am Donnerstag die ersten beiden Anlagen in Betrieb gegangen. Die EnBW meldete am frühen Nachmittag: „Windpark Goldboden produziert die erste Kilowattstunde“.

Video: Der Windpark Goldboden von der Planung bis zur Fertigstellung.

Diese erste Kilowattstunde ist für die EnBW sehr wichtig, es geht um viel Geld. Denn nur, wenn dadurch die Inbetriebnahme der Windräder in diesem Jahr dokumentiert ist, bekommt der Energieversorger für die Einspeisung des Stroms die Vergütung nach der alten, für die Windkraftbetreiber finanziell deutlich freundlicheren Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes: 7,68 Cent pro Kilowattstunde.

Baustelle mit vielen Verzögerungen

Michael Soukup, der für den Windkraftausbau der EnBW in Baden-Württemberg verantwortlich ist, sagt: „Es war eine spannende Frage, ob wir es rechtzeitig zu diesem Termin schaffen, da die Baustelle durch ungewöhnlich viele externe Faktoren mit Verzögerungen kämpfen musste.“ Zu diesen Faktoren gehörte zuletzt das Wetter. Als die ersten Rotorblätter hochgezogen und montiert werden sollten, waren diese verschneit und vereist. Später blies der Wind zu stark für die weitere Montage. Davor war der Transport der Rotorblätter und anderer großer Teile ein Problem, weil zahlreiche Baustellen auf der Strecke zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schorndorf sowie der zähe Genehmigungsablauf für die Transporte, das ganze Unternehmen über Wochen verzögerten.

Ab Samstag sollen alle drei Windräder in Betrieb sein

Die letzte Windkraftanlage wurde erst am Mittwoch in dieser Woche fertig montiert. Sie soll laut Plan der EnBW am Samstag erstmals in Betrieb genommen werden.

Die Windräder laufen dann nicht gleich im Regelbetrieb. Wie Projektleiter Tobias Borde erklärt, müssen der Automatikbetrieb und die Steuerung über eine Zentrale aus der Ferne erst noch fertig eingestellt und erprobt werden. Deswegen werden die Windräder über die Feiertage wohl stillstehen, wenn sich niemand von den Technikern vor Ort befindet. Erst im Laufe des Januars werden die Windräder den Regelbetrieb aufnehmen, teilt die EnBW mit.

26 400 Megawattstunden Strom

Die EnBW geht auf Grundlage ihres Windgutachtens für den Goldboden davon aus, dass die drei Windräder pro Betriebsjahr durchschnittlich 26 400 Megawattstunden Strom produzieren werden. Darin ist schon eingerechnet, dass die Rotoren zu bestimmten Zeiten stillstehen müssen: zum Beispiel wegen der Fledermäuse, die am Goldboden unterwegs sind generell in der Zeit zwischen dem 1. April bis zum 31. August ab einer Stunde vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang sowie zwischen dem 1. September und 31. Oktober ab drei Stunden vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

Wohin fließt der Windstrom?

„Alle Weihnachtsbäume in Winterbach werden mit dem Strom von hier leuchten.“ Für diesen Satz hatte EnBW-Teamleiter Michael Soukup Hohn, Spott und Ärger mancher unserer Leser geerntet. Tatsächlich passt die Aussage nicht ganz, weil die Windräder ja über Weihnachten und Neujahr noch nicht im Regelbetrieb laufen (siehe Hauptartikel). Aber grundsätzlich richtig ist, dass der Strom vom Windpark Goldboden zuallererst in Winterbach verbraucht wird, sobald die Windräder voll in Betrieb sind.

Warum das so ist, erklärt Thomas Schmidt von den Stadtwerken Schorndorf, die sich um die technische Betriebsführung des Remstalwerk-Netzes kümmern: Der Strom vom Goldboden fließt über ein Schalthaus der EnBW in der Ostlandstraße und das Winterbacher Umspannwerk ins Netz des Remstalwerks. Winterbach bildet zusammen mit einem Teil Remshaldens einen eigenen Netzabschnitt, der vom Winterbacher Umspannwerk aus versorgt wird.

„Der Strom nimmt den Weg des geringsten Widerstands“, sagt Thomas Schmidt. Stark vereinfacht kann man auch sagen: Er nimmt den kürzesten Weg zum nächsten Verbraucher. Weil der Weg über das Schorndorfer Umspannwerk in das Verbundnetz von Netze BW weiter sei, bleibe der Strom im Winterbacher Netz, so Schmidt – vorausgesetzt, die Verbraucher in Winterbach und Remshalden ziehen aus ihren Steckdosen und Leitungen mehr als der Windpark liefert. Erst, wenn sie weniger verbrauchen als Windenergie zur Verfügung steht, sucht sich der Strom den Weg ins überörtliche Verbundnetz.

Vom physikalischen Prinzip her sei das vergleichbar mit einer Solaranlage auf dem Dach, sagt Thomas Schmidt: Was vom Dach kommt, wird direkt im Haushalt verbraucht und was übrig ist, wird ins Netz eingespeist.

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