Windpark Goldboden Wie gut läuft der Windpark?

Symbolbild. Foto: Mogck/ZVW

Winterbach. Bereits nach nicht einmal einem halben Jahr in Betrieb kommt die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ zu dem Schluss: Der Windpark Goldboden ist ein Flop. Der Stromertrag liege deutlich unter den Versprechungen der EnBW. Diese gibt sich jedoch gelassen: Die Windräder liefen derzeit noch im Probebetrieb und hätten immer wieder Stillstandszeiten. Der bisherige Ertrag sei nicht aussagekräftig.

Wie immer findet die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ starke Bilder, um ihre Anliegen in Worte zu kleiden: „Die Windindustrieriesen sind Energiezwerge!“ So lautet das Urteil, das die Windpark-Gegner nach vier Monaten Betrieb der drei Anlagen am Goldboden (Januar bis April) fällen. Kaum gegensätzlicher könnte das Zwischenfazit der EnBW lauten: „Der Standort Goldboden ist gut. Wir sind sehr zufrieden.“

Wie kommt es zu den unterschiedlichen Interpretationen? „Pro Schurwald“ stellt die Ertragsdaten des Windparks Goldboden gegenüber mit zwei Größen: den angeblichen Planzahlen für den Stromertrag der EnBW und den Daten von Wettermessstationen zum Windaufkommen. Dabei stellt die Bürgerinitiative in einer Zusammenschau von Januar bis April zwei Dinge fest. Erstens: Der Ertrag von 6,1 Gigawattstunden* Strom liege weit unter den Planzahlen von insgesamt 10,5 Gigawattstunden. Und das, obwohl, zweitens, diese Monate überdurchschnittlich windreich gewesen seien.

Die Windräder haben noch technisch bedingte Stillstandszeiten

Deswegen sieht sich „Pro Schurwald“ schon jetzt in ihrem schon lange feststehenden Urteil bestätigt: dass der Windpark ein ideologisch motiviertes, aber völlig unrentables Projekt ist, für das ohne Not ein riesiger Eingriff in Natur und Landschaft vorgenommen wurde.

Erwartungsgemäß widerspricht die EnBW diesem Fazit und hat dafür verschiedene Argumente. Sprecherin Dagmar Jordan betont: Die drei Windräder seien immer noch nicht im Normalbetrieb. Ja, es gab windreiche Monate in diesem Jahr wie im Januar oder April, gibt Jordan zu. Doch im Januar sei der Windpark erst in Betrieb gegangen und weit entfernt vom Normalbetrieb gewesen.

Und auch noch im April seien die Windräder nur zu etwa zwei Dritteln der Zeit überhaupt betriebsbereit gewesen – die eingetakteten Abschaltzeiten zum Schutz von Fledermäusen gar nicht mitgerechnet (siehe „Wann drehen sich die Windräder?“). Es komme nach wie vor zu Stillstandszeiten bei einzelnen Anlagen, weil Systeme überprüft oder Dinge nachjustiert werden müssten, die noch nicht einwandfrei funktionieren. Dieser Prozess dauere so lange, weil man manche Funktionen über eine gewisse Zeit beobachten müsse.

Planzahlen für die gesamte Laufzeit von 20 Jahren

Auch die monatlichen Planzahlen, mit denen „Pro Schurwald“ arbeitet, könne man so nicht ansetzen, betont EnBW-Sprecherin Dagmar Jordan. Deswegen habe man diese inzwischen auch wieder aus der Darstellung in der E-Cockpit-App herausgenommen, über die sich die Leistungsdaten der EnBW-Windparks abrufen lassen. „Wir rechnen mit durchschnittlichen Planzahlen für die gesamte Laufzeit von 20 Jahren“, sagt Jordan. Ertragsschwache Monate oder Jahre könnten durch sehr gute andere Zeiträume wieder ausgeglichen werden. Aussagen darüber, ob der Ertrag mit den Zielen übereinstimme, könne man deswegen erst über längere Zeiträume hinweg treffen und nicht nach ein paar Monaten. „Alles andere ist unseriös.“

Die EnBW geht aufgrund einer einjährigen Windmessung in Zusammenhang mit anderen Daten und einer Berechnung eines Fachgutachters davon aus, dass ihr Windpark am Goldboden im Durchschnitt 26,4 Gigawattstunden Strom im Jahr produziert. Was Dagmar Jordan sagt, heißt in Zahlen: Es kann sein, dass in einem Jahr nur 22 Gigawattstunden erreicht werden, dafür in einem anderen 30. Im Schnitt hält sich so ein Ausschlag dann in der Kalkulation der EnBW die Waage.

Zu früh, um ein endgültiges zu fällen

Dagmar Jordan schränkt außerdem noch ein: „Die Windgeschwindigkeit allein ist nicht aussagekräftig für den Windertrag.“ Dabei würden auch andere Daten wie Lufttemperatur und Luftdruck oder die Windrichtung eine Rolle spielen. Der Vollständigkeit halber muss auch erwähnt sein: „Pro Schurwald“ hat für den Vergleich nicht die Winddaten vom Goldboden verwendet, sondern von anderen Messstationen, eine davon auf der Schwäbischen Alb.

Michael Haueis von „Pro Schurwald“ gibt zwar zu: Klar sei es eigentlich zu früh, um schon ein endgültiges Urteil über den Windpark Goldboden zu fällen. Aber bei den überdurchschnittlich guten Windverhältnissen der vergangenen Monate in Baden-Württemberg sei die Diskrepanz eben sehr auffällig. Haueis bleibt daher bei der grundsätzlichen Interpretation der von „Pro Schurwald“ ins Feld geführten Daten. Diese seien vielleicht kein „Beweis“ für eine Fehlinvestition der EnBW, aber „ein sehr starkes Indiz“.

* In einer ursprünglichen Fassung des Artikels hatten wir falsche Zahlen genannt. Wir haben unseren Fehler nun korrigiert und bitten um Entschuldigung.


Wann drehen sich die Windräder?

  • Damit die drei Windräder am Goldboden in Gang gesetzt werden, müssen die Messgeräte auf ihren Maschinenhäusern für mindestens fünf Minuten eine konstante Windgeschwindigkeit von mindestens drei Metern pro Sekunde registrieren.
  • Allerdings gibt es einkalkulierte Stillstände. Das heißt, es kann sein, dass der Wind kräftig bläst, aber die Windräder trotzdem erstarren. Das sind insbesondere zwei Fälle, für die die EnBW Auflagen zur Genehmigung bekommen hat:
  • Der erste Fall: Wenn die Sonne so steht, dass ein Schlagschatten auf das Forsthaus bei Manolzweiler fällt, dann registriert das ein Messgerät in der dem Forsthaus am nächsten stehenden Anlage und stoppt diese.
  • Der zweite Fall fällt mehr ins Gewicht: Von Anfang April bis Ende August müssen alle Anlagen ab einer Stunde vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang still stehen, von September bis Ende Oktober sogar ab drei Stunden vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Allerdings nur bei Windgeschwindigkeiten von weniger als sechs Metern pro Sekunde und Temperaturen von mehr als zehn Grad. Der Grund: In diesen Zeiten und bei diesen Bedingungen könnten Fledermäuse unterwegs sein.
  • Ein dritter Fall ist kein sehr häufig vorkommender, aber auch schon eingetreten: Wenn Messgeräte registrieren, dass sich Eis auf den Rotorblättern bildet, bei dem die Gefahr besteht, dass es bei Drehung herumgeschleudert wird, werden diese gebremst und stillgelegt.

Der Windpark

Die drei Windräder der EnBW mit einer Nabenhöhe von rund 164 Metern drehen sich seit Weihnachten und sind seit Ende Januar bei ausreichendem Wind dauerhaft in Betrieb.

Eine Übersicht aller Infos und Artikel zum Thema Windpark am Goldboden finden Sie hier

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