Windpark Goldboden Zu Füßen der Wind-Giganten

Am Standort des mittleren der drei Windräder liegen die letzten fehlenden Teile bereit, rechts das zwölf Meter lange und viereinhalb Meter hohe Maschinenhaus. Links im Bild ist das Fahrgestell des Riesenkrans zu sehen, der gerade neu aufgebaut wird, um das Windrad fertigzumontieren. Foto: Reinhold Manz

Winterbach. Einmal einen Blick in den Turm eines Windrades werfen und ein Gefühl für die wahren Dimensionen von Teilen wie dem Maschinenhaus bekommen, das in 164 Metern Höhe täuschend verzwergt erscheint – einigen ZVW-Lesern haben sich am Goldboden spannende Einsichten geboten. Auf der Baustelle wurde auch am Samstag gearbeitet und der Riesenkran für die Montage des letzten Windrades aufgebaut.

Ui, so groß hätte er sich das gar nicht vorgestellt, meint ein Leser, als er neben dem großen Kasten steht: Zwölf Meter lang, viereinhalb Meter breit und genauso hoch, das sind die Abmessungen des Maschinenhauses für die letzte der drei Windkraftanlagen am Goldboden. „50 Quadratmeter Grundfläche, das ist eine kleine Wohnung“, scherzt Tobias Borde, der Projektleiter der EnBW. Diese kleine Wohnung sitzt bei zwei der Anlagen bereits fertig montiert auf mehr als 160 Metern Höhe am Ende der Windradtürme und sieht dort oben ziemlich winzig aus.

Die Lesergruppe, die auf Einladung der EnBW und des Zeitungsverlags am Samstag auf die Baustelle durfte, hat für die Führung wirklich den perfekten Zeitpunkt erwischt. Zwei der drei Windräder am Goldboden sind bereits fertig und in voller Größe zu bestaunen, während bei einer noch die letzten rund 60 Meter Turm fehlen mit dem Maschinenhaus und seinem Innenleben, Nabe und Rotorblättern.

Der Kran wird am Ende 180 Meter hoch sein

Die Besucher können zwischen den bereitliegenden Bauteilen herumspazieren und sich umsehen. Tobias Borde hat sie vorher gewissenhaft instruiert: Vorsicht, es wird gearbeitet, bitte auf die Baufahrzeuge achten. Die Einzelteile des blauen Riesenkrans, der bis vor ein paar Tagen die Teile für das westliche Windrad in die Höhe gehievt hat, liegen überall herum. Am mittleren Windrad, das als letztes fertiggebaut wird, steht schon wieder der Kranunterbau, mit seinen fast mannshohen und jeweils 40 Tonnen schweren Ketten.

Der Kran, so erklärt Tobias Borde, wird am Boden zusammengesetzt und erst dann aufgerichtet. Vom Standort des Windrades führt deswegen eine eigens gebaute Rampe entlang des bestehenden Waldweges ab, die ebenfalls ein gutes Gefühl für die Dimensionen vermittelt: Der Kran wird am Ende fast 180 Meter hoch sein, dementsprechend lang dauert es, bis man die Montagefläche abgeschritten hat.

Die Rotorblätter werden automatisch in den Wind gedreht

Hinten auf dem Maschinenhaus zeigt Michael Soukup, der Verantwortliche für die Windkraftprojekte der EnBW in Baden-Württemberg, ein kleines Rädchen, das sich dreht: Das Anemometer, ein Gerät, das die Windgeschwindigkeit misst. Daneben ist ein weiteres Gerät, das die Windrichtung erfasst und ein tellerartiges Teil, das Temperatur und Luftfeuchtigkeit registriert. Anhand der erfassten Daten richtet sich das drehbare Maschinenhaus aus und dreht die Rotorblätter in den Wind. Aber nicht immer, wie Michael Soukup erklärt: „Die Anlage ist relativ faul.“ Erst wenn einige Minuten der Wind konstant mit einer gewissen Geschwindigkeit aus einer Richtung weht, bewegt sich das Maschinenhaus.

Die beiden bereits fertig montierten Windräder stehen derzeit noch still. Die Inbetriebnahme des ersten ist laut Projektleiter Tobias Borde frühestens bis Ende dieser Woche vorgesehen. Bis dahin bleiben die Rotorblätter aus dem Wind gedreht und bewegen sich nur leicht im Trudelmodus.

Tierschutz: Fledermausrufe werden aufgezeichnet

Im Inneren des Maschinenhauses gibt es übrigens noch weitere Messgeräte, wie Michael Soukup erklärt. Zum Beispiel einen Batcorder, ein Gerät, das Fledermausrufe aufzeichnet. Die EnBW hat für die ersten zwei Jahre Auflagen bekommen. Bei bestimmten Witterungsverhältnissen, bei denen Fledermäuse unterwegs sind, müssen die Windräder von April bis Oktober ab einer gewissen Zeit vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang abgeschaltet werden. Mit Hilfe der Daten des Batcorders wird nach zwei Jahren überprüft, ob zu den Abschaltzeiten wirklich Fledermäuse rund um die Anlagen unterwegs sind, und die Zeiten bei Bedarf angepasst.

Einen Blick in das Maschinenhaus und damit auch aus 164 Metern in die Umgebung werfen konnten die Leser bei der Führung nicht, obwohl einige das gerne getan hätten. Der Aufzug in den Türmen ist nur für zwei Personen zugelassen und braucht zwischen 15 und 20 Minuten, bis er oben ist. Aus Sicherheitsgründen darf nur geschultes Personal nach oben.

Bis Ende der Woche sollen alle drei Anlagen fertig sein

Die Lesergruppe bekam dennoch Einblicke, die so niemand bekommt, der nicht zur EnBW oder einer der am Bau der Windräder beteiligten Firmen gehört. Erst nach dem Bau der Windräder hat die Öffentlichkeit wieder Zugang zu dem Gelände im Wald am Goldboden. Der Bereich um die Anlagen ist dann frei zugänglich, nichts wird abgesperrt.

Wenn das Wetter mitspiele, seien bis Ende der Woche alle drei Anlagen fertig, sagt Tobias Borde. Bis Weihnachten sollen dann alle in Betrieb sein und Strom ins Netz einspeisen – sofern genug Wind weht. Sobald das Anemometer ganz oben auf den Maschinenhäusern erkennt, dass der Wind mindestens mit einer Geschwindigkeit von drei Metern pro Sekunde weht, stellt das Maschinenhaus seine Nabe in den Wind und die Rotoren werden in Bewegung versetzt.


Anlagen werden immer größer

164 Meter Nabenhöhe und 131 Meter Rotordurchmesser haben die drei Windenergieanlagen der EnBW am Goldboden. Die Anlagen des deutschen Herstellers Nordex waren bisher die größtmöglichen hierzulande.

Ab kommendem Jahr seien allerdings noch größere zugelassen, wie Michael Soukup, der Verantwortliche für den Windkraftausbau der EnBW in Baden-Württemberg, am Rande der Baustellenführung sagte. Unterschiedliche Hersteller bringen demnach Windräder mit einem Rotordurchmesser von 150 oder 158 Metern auf den Markt.

„Wenn wir den Windpark heute planen würden, würden wir wahrscheinlich größere Anlagen planen“, so Michael Soukup. Er gab auch gleich einen deutlichen Hinweis darauf, was für den Standort bei Urbach zu erwarten ist, den die EnBW nun auch übernommen hat (wir haben berichtet): „Wir werden in Urbach mit einem Anlagentyp der neuesten Generation planen.“

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