Winnenden 400 Bürger demonstrierten gegen Rassismus

Winnenden.
An die 400 Bürgerinnen und Bürger haben am Samstag in Winnenden für eine Welt ohne Rassismus demonstriert. An der Kundgebung des Bündnisses "Zusammen gegen Rechts - Rems-Murr" auf dem Viehmarktplatz teilgenommen haben weit mehr Menschen als erwartet. An die rund einstündige Kundgebung schloss sich eine spontane Demonstration zum Bahnhof an.

Anlass für die Kundgebung in Winnenden war ein bewaffneter Übergriff auf zwei afrikanische Asylbewerber in Winnenden am 30. August, die ins Bild der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland passen, wie die die Hetzjagden gegen Ausländer in Chemnitz zeigten, so Tim Neumann, Sprecher des Bündnisses gegen Rechts. Auf selbst gemalten Transparenten drückten Teilnehmer ihre Haltung aus. "Rassismus ist keine Meinung sondern Ignoranz", hieß es oder: "Für Menschenrechte und Menschenwürde", "Hass ist sicher keine Lösung und "Winnenden wird bunt - na und!" 

Der Rechtsruck in der Gesellschaft komme nicht überraschend. Er habe sich vor Jahren bei den Angriffen auf Asylbewerberheime angedeutet, sagte die erste Rednerin der Kundgebung. Die jüngsten Progrome und Hetzjagden gegen Ausländer in Chemnitz seien eine beinahe logische Fortsetzung. Ursache für den Rechtsruck sei eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft, die sich in Wohnungsnot, ungesicherten Beschäftigungsverhältnissen oder einer zunehmenden Altersarmut ausdrückten.  Rechte böten eben einfache Antworten. Migranten würden zu Sündenböcken gemacht. Zum Abschluss des ersten Beitrags skandierten Teilnehmer "Ob Nazis oder AfD. Stoppt den Rechtsruck in der BRD".

Dieter Böttcher aus Waiblingen erinnerte an die zunehmenden Übergriffe rechter Gruppen zwischen Rems und Murr. Im öfters seien Schmierereien im öffentlichen Raum zu sehen, das Haus eines Rudersberger Fotografen sei mehrfach attackiert worden und das Backnanger selbstverwaltete Jugendzentrum  schon häufiger Ziel von Rechtsradikalen gewesen. Die aktiven Nazis im Rems-Murr-Kreis verehrten offen Hitler-Deutschland und seien Anhänger einer sich besonders revolutionär und rebellisch gebenden Strömung innerhalb des faschistischen Spektrums, dem sogenannten autonomen Nationalismus. Böttcher forderte die Bürger auf, sich gegen Rechts zu engagieren, Kollegen und Freunde zu informieren und Nazipropanda zu entfernen.

Reinhard Neudorfer aus Waiblingen erklärte mit Hinweis auf eine Studie der Universtität Marburg, dass die AfD und ihre Anhänger keineswegs die "Abgehängten" oder die Bildungsverlierer in dieser Gesellschaft seien. Diesem falschem Erklärungsmuster des Rechtsrucks gingen viele in Politikund Medien auf dem Leim, auch in seiner eigenen Partei, der Linken, wie Sarah Wagenknecht zeige. Deshalb führe eine "AfD-Rückgewinnungsstrategie" in eine Sackgasse. Die AfD sei eben nicht die Partei der Abgehängten, sondern schlicht die Partei von ausländerfeindlich eingestellten Bürgern.

An die Kundgebung schloss sich eine nicht genehmigte Demonstration zum Bahnhof an, die von der Polizei begleitet wurde. Die Veranstaltung verlief bis Redaktionsschluss (14 Uhr) friedlich. Erwähnenswert sind zwei Vorkommnisse:  Vor der Kundgebung hat ein bekannter Fellbacher Rechtsradikaler Teilnehmer fotografiert, die sich provoziert fühlten und ihrerseits den Mann bedrängten.  Während der Demo hat es einen ominösen Zwischenfall  gegeben. Die Polizei wurde eigenen Angaben zufolge von angeblichen Zeugen zu einer Schlägerei   in der Schmidgallstraße 19 gerufen. Laut Polizeibericht war es dort zu einem überfallartigen Angriff von drei bis fünf vermummten Personen auf einen etwa 30 bis 50 Jahre alten Mann gekommen. Demnach haben die unbekannten Täter den Mann niedergeschlagen und  auf ihn eingetreten. Anschließend flüchteten sie unerkannt in unterschiedliche Richtungen. Der Geschädigte konnte von den eingesetzten Polizeibeamten nicht mehr angetroffen werden. Er wird gebeten sich mit dem Polizeirevier Winnenden unter der Telefonnummer 07195/969030 in Verbindung zu setzen. Es besteht der Verdacht, dass der Vorfall im Zusammenhang mit der Demonstration steht, die in der Nähe parallel stattgefundenen hat. 

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