Winnenden Asylbewerber wegen Nötigung verurteilt

Symbolbild. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Winnenden/Waiblingen. Im Mai 2018 hat ein Asylbewerber aus Gambia sich an eine 16-Jährige rangemacht, die ihm auf Englisch und durch ihr Verhalten aber signalisierte, dass sie das nicht will. Er hielt sie an den Handgelenken fest, versuchte, sie auf den Mund zu küssen. Sie erstattete Anzeige, er widersprach dem Strafbefehl und der Zahlung von 600 Euro.

Der Einspruch führte ihn ans Amtsgericht Waiblingen vor Richterin Christel Dotzauer. Sie und der Staatsanwalt hielten die Geschädigte in ihren Schilderungen als absolut glaubwürdig, den Angeklagten nicht. Dotzauer verurteilte den Mann wegen Nötigung zu einer Gesamtstrafe von 950 Euro – in die eine noch nicht vollständig bezahlte Strafe für einen Diebstahl mit einfloss, für den er im August 2018 in Freiburg verurteilt worden war. Auch die Kosten des Verfahrens muss er nun tragen – „Sie können das abarbeiten“, sagte die Richterin ungerührt auf seinen Einwand, dass er kein Einkommen habe.

Gratis dazu gab’s die Urteilsbegründung, eine Standpauke: „So geht Freundlichsein nicht. Sie sahen, dass das Mädchen mit Telefonieren beschäftigt ist und kein Interesse an Ihnen hat. Spätestens, wenn jemand Nein sagt, muss man das akzeptieren und darf ihn nicht festhalten.“

„Ich hatte Angst“

Die Begegnung war reiner Zufall. Der Mann lebt eigentlich in Bad Waldsee und war in Winnenden, um einen Freund zu besuchen und mit ihm zum Fußballtraining zu gehen. Seine Version der Geschichte: „Wir haben geplaudert, ich habe sie nur mit Handschlag begrüßt.“ Sie seien ein Stück gegangen, sie sagte, sie habe einen Freund, was er akzeptierte.

Ganz anders die Version der Jugendlichen, die auf dem Zeugenstuhl Platz nahm. Sie war damals gerade in einer kurzfristigen Kriseninterventionseinrichtung in Winnenden, weil sie zu Hause einige Probleme hatte, und wohnt inzwischen in Backnang. Im Schlosspark saß sie rauchend und telefonierend auf einer Bank, als der Mann kam und eine Zigarette von ihr schnorrte. Als sie aufstand, lief er einfach mit und forderte sie auf, zu bleiben und mit ihm Liebe zu machen. „Er streckte die Hand aus, ich gab sie ihm aus Höflichkeit.“ Er ließ aber die Hand nicht wieder los, sondern zog das Mädchen zu sich her und versuchte, es auf den Mund zu küssen. Sie drehte ihren Kopf weg, der Kuss landete auf ihrer Wange. „Ich wollte nicht aggressiv werden, weil ich ihn nicht einschätzen konnte“, sagte die junge Frau, dass sie immer wieder auf Englisch gesagt habe, er solle sie bitte loslassen. Was er schließlich auch tat. „Es war sehr unangenehm, ich hatte Angst, dass etwas Schlimmeres passieren könnte.“

Die zweite Zeugin ist Betreuerin in der diakonischen Einrichtung in Winnenden und erzählte, dass das Mädchen verstört und aufgebracht war, als sie heimkam, und sich in ihr Zimmer zurückzog. Schließlich erzählte sie von der Belästigung und sah den Mann sogar an der Einrichtung vorbeilaufen, wiederum Zufall. „Ich riet ihr, ihn anzuzeigen, sonst macht er das bei anderen auch.“

„Ich wollte freundlich sein“

Kaum hatte diese zweite Zeugin ausgeredet, begann der Angeklagte zu heulen. „Hören Sie am besten auf mit dem Theater, das beeindruckt hier nicht“, wies die Richterin ihn streng und erfolgreich zurecht. Sie bot ihm an, den alten Strafbefehl zu akzeptieren und den Einspruch zurückzuziehen, weil der neue auf Antrag des Staatsanwalts garantiert höher ausfallen werde. Weil der Gambier schon zweifach vorbestraft ist. Die Richterin regte sich auf: „Sie reisen durch Süddeutschland, in Heidelberg schlagen sie, in Freiburg stehlen sie, in Winnenden belästigen Sie eine junge Frau – und wollen Asyl? So benimmt man sich nicht als Gast, wenn man etwas will.“ Der 37-Jährige hörte sich die Übersetzung an und sagte: „Ja, stimmt.“ Eine Entschuldigung brachte er am Ende auch noch über die Lippen.

Gleichwohl nahm er den Einspruch nicht zurück, schlug das Angebot zur Güte aus, sondern wiederholte mehrfach: „Ich wollte nur freundlich sein und Menschlichkeit zeigen.“ Verstieg sich noch zu der Behauptung, „ich weiß nicht, wie das in Deutschland gemacht wird.“ Was Dotzauer lediglich einen lakonischen Kommentar entlockte: „Muss man künftig Broschüren für Sie drucken?!“

  • Bewertung
    29

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!