Winnenden Neuer Obst- und Gemüsehändler in der Markthalle

Familie Welz und die Mitarbeiterinnen Marta Parmaktsidou (links) und Brigitte Hansen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Winnenden.
Auf den ersten Blick hat sich am Jahresanfang in der Markthalle nicht viel verändert. Die Metzgerei Häfele und ihre Mittagsgastronomie dominieren zusammen mit der Bäckerei Schulze das Gebäude an der Wiesenstraße, gegenüber vom Edeka. Im lauschigen hinteren Eck lockt Familie Schuberts Kaffeerösterei Explorer mit fair gehandelten Spezialitäten und selbst gebackenen Kuchen, und vorne am zweiten Eingang bieten grüne Salate, pralle Clementinen, rot-gelbe Äpfel, Kohlrabi und Kürbisse eine kunterbunte Kulisse. Auch die zwölf Mitarbeiterinnen, die hier in der appetitlich angerichteten Vitaminabteilung beraten, wiegen und kassieren, sind dieselben wie noch 2019. Nur die Chefs haben gewechselt und der Name dazu. Dominic Welz und sein Bruder Timo haben den Marktgarten übernommen.

„Wir nennen uns auch in Winnenden Welz – so wie unseren Betrieb mit Hofladen in Fellbach, so wie unseren Stand in der Markthalle Fellbach“, sagt der 35-jährige Dominic Welz, der für den Einkauf und den Verkauf und die insgesamt 40 Mitarbeiter zuständig ist.

Neu im Sortiment sind Produkte aus eigenem Anbau

Erst vor zwei Monaten war die Entscheidung für die Übernahme gefallen. Wobei sich Welz und die Marktgartenbetreiberfamilie Friz schon länger kennen, vom Großmarkt in Stuttgart-Wangen. Und auch Welz und Markthallenchef Werner Häfele sind miteinander in Kontakt. „Wir hätten schon 2011 hier einsteigen können“, sagt Dominic Welz, „aber wir haben 2009 die Markthalle Fellbach mitaufgebaut, eine zweite Filiale war uns damals zu früh.“ Nun ist Winnenden die vierte Filiale des Familienbetriebs am Fuß des Kappelbergs, der Start denkbar einfach: „Die Mitarbeiterinnen haben acht Jahre Erfahrung, und der Stand ist prima eingerichtet. Wir haben das Konzept übernommen und nur hier und da ein kleines Facelifting gemacht“, sagt Dominic Welz.

Als Papa des 17 Monate alten Niklas denkt er zum Beispiel an Müllvermeidung und hat die Plastikbecher für den Obstsalat durch Pfand-Weckgläser ersetzt.

Auch das ein oder andere Bio-Produkt hält mit Familie Welz Einzug in den Marktgarten, aus Platzgründen kam bio bei Familie Friz bisher nicht unter.

Feldsalat von den Äckern in Fellbach, Waiblingen und Cannstatt, Grünspargel, Obst allgemein und Beeren im Besonderen, Rucola, Tomaten und Gurken sind die Hauptprodukte, die Timo Welz als Gärtnermeister in vierter Generation eigenhändig anbaut.

Dominic Welz kauft den Rest auf dem Großmarkt zu. „Aber wenn etwas keine Saison hat, nehme ich lieber nichts als irgendeinen Gruscht“, sagt er. „Derzeit gibt es eine Sorte Clementinen, hinter der stehe ich“, verweist er auf die Auswahl rein nach Qualität, die er unter 15 Großmarktständen trifft. „Hat trotzdem ein Kunde einen Schmerz mit etwas, kann er mich anrufen oder ansprechen, ich gebe meine Handynummer heraus und will auch viel vor Ort sein“, sagt der dynamische Chef.

Morgens um 3.30 Uhr fährt Dominic Welz zum Großmarkt

„Wir sehen uns als täglichen Wochenmarkt mit Parkplatz, alles muss frisch sein, so dass es die Leute zu Hause noch lagern können“, beschreibt er seine Philosophie. Dazu gehören erweiterte Öffnungszeiten: „Offiziell machen wir um 7 Uhr auf, aber sobald ein Mitarbeiter da ist, wird verkauft“, verspricht Welz. Die Bäckerei Schulze öffnet bereits um 6 Uhr.

Dominic Welz hat Gärtner gelernt und mit Fachhochschulreife in Weihenstephan Gemüsebau studiert mit Abschluss als Gartenbauingenieur. „Meine Frau hat in Hohenheim Landwirtschaft studiert, weil wir uns schon sehr lange kennen, dann auch mit Schwerpunkt Gemüsebau“, sagt er.

Dominic Welz steht um 3.30 Uhr auf, um auf den Großmarkt zu fahren. Seinen Ausgleich findet er im Joggen durch Wald und Weinberge. „Aber ein Mittagsschlaf muss sein. Das ist eine gut investierte Stunde“, sagt der neue Chef in der buntesten der vier Markthallen-Abteilungen.


Kindergärten zu Besuch

Familie Welz heißt in Fellbach Kindergartengruppen im Gärtnereibetrieb willkommen. Etwa 20 statten dem modernen Gewächshaus im Jahr einen Besuch ab.

„Wir wollen den Kindern unsere Produktion zeigen, damit sie erleben, dass Obst und Gemüse nicht aus dem Supermarkt kommen, sondern von jemandem angebaut werden.“ Dominic Welz beschreibt, dass die Kinder auch mit anpacken, pflücken und naschen dürfen.

Sein Sohn Niklas ist erst 17 Monate alt, ist mit der Mama aber trotzdem viel mit draußen im Betrieb und folgt seinem Bewegungsdrang.

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