Winnenden/Schwaikheim Starke Stimmen für die Gartenschau-Bewerbung

Kärcher-Chef Hartmut Jenner verspricht Unterstützung. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden.
Nach einer langen Vorbereitungsphase ist nun die erste Hürde genommen: Die Stadt soll sich zusammen mit Schwaikheim um eine Landesgartenschau bewerben, deren zentrales Gelände, das Zipfelbachtal, zwischen den beiden Kommunen liegt. Das hat der Gemeinderat mit 16 Ja-Stimmen eindeutig beschlossen. Es hätten aber durchaus mehr sein können: Stadtrat Andreas Herfurth (SPD) stimmte mit Nein, acht der 25 Anwesenden enthielten sich der Stimme.

Für Stadträtin Nicole Steiger (FDP) ganz klar eine Frage des Alters, denn einige im Gremium würden 2032, dem Wunschjahr der Bewerber, nicht mehr im Gemeinderat sein, glaubt sie. Genau deshalb freut sich der Verfasser der Bewerbungsbroschüre, Urs Müller-Meßner vom Landschaftsarchitekturbüro Kienleplan, so darüber, dass der Jugendgemeinderat voll hinter den Plänen steht. „Sie sind ja mehrheitlich davon betroffen, sollte Winnenden den Zuschlag fürs Jahr 2032 bekommen.“

Lob vom Jugendgemeinderat: Die Jugendlichen sehen allein durch das Gartenschaugelände am Zipfelbach „eine enorme Aufwertung“, neue Aufenthaltsräume entstehen, eine Art Jugendzentrum und Spielplätze und -flächen „mit dem Ziel, Kinder wieder mehr in die Natur zu locken“. Die 16 gewählten Jugendvertreter haben aber auch verstanden, dass die Gartenschau eine grüne Vernetzung der ganzen Stadt nach sich zieht: zwischen den beiden Bachläufen, in die Teilorte hinein, zu den grünen Inseln Schloss- und Klinikumspark sowie Stadtfriedhof und Wälder und Weinberge an den Stadträndern. „Wir erhoffen uns Fortschritte im Winnender Klimaplan und den Ausbau der Radwege.“

Praktische Frage von Stadträtin Susanne Kiefer (ALI): Wenn der Zipfelbach Gartenschaugelände wird, bekommen die Ehrenamtlichen vom Tierschutzverein dann einen Passierschein? Planer Müller-Meßner will die Zipfelbachaue keinesfalls einzäunen. So wie auch das Remstal dieses Jahr nicht eingezäunt war. „Der Schulradweg muss ebenso wie die anderen vorhandenen Dinge wie Kläranlage und Tierheim integriert werden.“

Skepsis bei Stadtrat Hans Ilg (FWV): „Meine Fraktion wird sich in weiten Teilen enthalten. Weil wir etwas gestalten, was eigentlich schon grün ist, den Zipfelbach kann man so lassen und die Streuobstwiesen drum herum auch.“

Stadtrat Richard Fischer (CDU) sagt jetzt schon Landwirten und Obstbauern, dass sie weiter alles machen dürfen, was sie für notwendig erachten. Sie müssen zum Beispiel mit Baumpflanzungen keine Rücksicht nehmen. Planer Müller-Meßner sieht die Freizeitnutzung der Zipfelbachaue „eher am Rad, Richtung Schwaikheim und Ortsbebauung Winnenden, nicht am Gewässer und nicht in den Feuchtwiesen“. Der Schwerpunkt der Bewerbung liege auf einem Landschaftspark, der Sport und Ruhe vereine.

Wunsch nach Verschieben bei Stadtrat Andreas Herfurth (SPD): „Wir haben so viel in der Pipeline und müssen trotz des Zuschusses einen großen Betrag selbst bewältigen – ich möchte die Bewerbung um eine Runde verschieben. Anderes wie neue Sporthallen und Sportplätze dürfen sich nicht mehr verzögern.“ Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth sagte: „Ich traue uns die sieben Millionen Euro zu. Wie viel es tatsächlich kostet, müssen wir schon vor dem Bürgerentscheid 2026 wissen. Bis dahin sind Kindergartenausbau und Schulsanierung einen großen Schritt vorangekommen.“

Hoffnung der Psychiatrie-Geschäftsführerin Anett Rose-Losert: Die geplanten grünen Verbindungen lassen die Psychiatrie noch näher an die Innenstadt rücken – und eine Landesgartenschau würde das Zentrum für Psychiatrie rund um den Schlosspark als Naherholungsort und Begegnungsstätte einer noch breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Unterstützung verspricht Kärcher-Chef Hartmut Jenner: „Für unsere wichtigsten Standorte in der Region mit 3500 Mitarbeitern schafft die Gartenschau ein wichtiges Bindeglied. Der Landschaftsraum zwischen unseren Arealen in Winnenden und Schwaikheim dient dem Naturschutz, der Landwirtschaft und der Erholung.“

Ökologische Aufwertung verspricht sich Rems-Murr-Kliniken-Geschäftsführer Dr. Marc Nickel: „Auch unsere Patienten und Mitarbeiter schätzen diese Lage nahe beim Zipfelbach, den Weinbergen und den Obstbaumwiesen.“

Als Mutmacher tritt Landrat Dr. Richard Sigel auf: „Winnenden wurde durch den Remstalradweg mit der diesjährigen Remstal-Gartenschau vernetzt, bei der wir gezeigt haben, dass wir Gartenschau können.“ Ein Zuschlag für Winnenden und Schwaikheim würde den ganzen Landkreis weiter voranbringen. Weil der Raum Winnenden schon jetzt zu den gefragtesten Wohnlagen gehört, sei die Erhöhung der Lebensqualität wünschenswert.


Kostenplan

Kienleplan hat Erfahrung mit Gartenschauen und rechnet mit Ausgaben von 12,5 Millionen Euro für Schwaikheim und Winnenden zusammen. Davon kommen aber 5 Millionen Euro Zuschuss vom Land. Die verbliebenen Kosten können durch den Verkauf von Dauerkarten und die Gewinnung von Sponsoren erzielt werden.
Winnenden könnte (vor oder nach der Gartenschau) weitere 12 Millionen Euro in flankierende Maßnahmen stecken, die das Bahnhofsumfeld verbessern, Straßenbegrünungen schaffen, Plätze und Freiflächen aufwerten. Auch dafür darf man mit Fördergeld in Höhe von 5 Millionen Euro rechnen.

So geht es weiter   

So geht’s weiter: Wenn auch der Schwaikheimer Gemeinderat der gemeinsamen Bewerbung für die Landesgartenschau zustimmt, wird sie bis spätestens 19. Dezember beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz abgegeben.

Eine Bewertungskommission sichtet zwischen April und Juni das künftige Gartenschaugelände. Bis September 2020 fällt die Entscheidung, ob und wann Winnenden und Schwaikheim drankommen. Wunschjahr: 2032.

Sollte der Zuschlag erfolgen, macht Winnenden im Jahr 2023 aber zunächst eine Bürgerbefragung. Sollte die Mehrheit die Ausrichtung ablehnen, fällt die Landesgartenschau am Zipfelbach flach.

Sind die Bürger dafür, müssen sich die beiden Kommunen bis Mitte 2026 verbindlich zur Durchführung der Gartenschau bereiterklären.

Für Planungen und Vorbereitungen bleiben den beiden Kommunen dann noch fast sechs Jahre.

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