Winnenden Wie die Natur unter der Hitze leidet

Die Kastanien entlang des Friedhofs sind vom Sonnenbrand betroffen und wurden mit weißer Stammschutzfarbe angestrichen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Winnenden. Die Sommerhitze betrifft jeden. Wenn es heiß ist, fangen wir an zu schwitzen und wenn wir zu lange in der Sonne liegen, leuchtet unsere Haut auch mal rot. Wie wir leiden auch Tiere und Pflanzen. Mit 0,1 Grad über dem bisherigen Rekord im Juni 2016 war der Juni 2019, laut den Daten des Copernicus-Dienstes zur Überwachung des Klimawandels, der heißeste Juni aller Zeiten.

Die Bäume in Winnenden kämpfen mit den schwankenden Wetterbedingungen der letzten Jahre. „Hitze- und Trockenphasen kommen oft in Kombination“, sagt Armin Schröder, Leiter der Winnender Stadtgärtnerei, „Stadtbäume, vor allem die Linde, sind da empfindlich.“ Durch den Asphalt werde die zunehmende Strahlung verstärkt reflektiert. Dadurch bekommen sie an der Südseite, welche die Sonne am längsten trifft, einen Sonnenbrand. Diesen erkennt man an Rissen in der Rinde, die auf der Nordseite des Baumes nicht vorkommen. Sonnenbrand gibt es auch, wenn Bäume entfernt werden. Dadurch hat die Sonne mehr Angriffsfläche auf zuvor im Schatten gelegene Bäume, die jetzt in der Sonne sind.

Schattenersatz: Weiße Farbe schützt Stämme

In Baumschulen stehen Bäume eng zusammen und spenden sich Schatten. Stellt man den gekauften Baum dann in die Sonne, ist er anfällig für Sonnenbrand, so Schröder.

Deshalb ist die weiße Farbe an den Baumstämmen angebracht. Dies ist Stammschutzfarbe, die den Baum vor Sonnenbrand schützt, so dass er sich an die Sonneneinstrahlung gewöhnen kann.

Auch, der wechselhafte Winter schade Bäumen. Auf der sonnenbestrahlten Südseite tauen sie auf, doch die Nordseite bleibt gefroren. Durch die Ausdehnung der Südseite entstehen Stammrisse. Im Winter gelangen so Schädlinge in den Baum.

Durch den Klimawandel und die Globalisierung gebe es neue Schädlinge, so Schröder. Wie den Buchsbaumzünsler aus Ostasien. Die Raupe ist den Vögeln zu bitter, so hat sie keine Fressfeinde.

Regen-Stress: Zu viel Wasser auf einmal

Auch die Starkregenereignisse der letzten Wochen sorgen für Stress für die Bäume. „Da kamen manchmal bis zu 80 Liter pro Quadratmeter Wasser an einem Tag“, sagt Schröder. Durch den Wechsel zwischen Hitze und Starkregen ist die gewohnte Gleichmäßigkeit des Wetters für die Bäume nicht mehr vorhanden. Den Stress erkennt man an schlaff herunterhängenden Ästen.

Es sind nicht nur natürliche Ursachen, die das Baumsterben verursachen. Oft genug schaden auch Baumaßnahmen den Bäumen. Beim Graben können Wurzeln beschädigt werden, oder die Wasserversorgung der Pflanze wird unterbrochen. Das sehe man an der Eibe am Viehmarktplatz. Die Auswirkungen von Baumaßnahmen treten oft erst zehn bis 15 Jahre später zutage. Von einstmals 100 Lebensjahren eines Stadtbaumes erreicht der heute nur noch 25-30 Jahre, so Schröder.

Ein toter, hohler Baum müsse aber nicht gefällt werden, wenn er niemanden gefährde. „Der kann manchmal noch 50 bis 100 Jahre stehen“, sagt Schröder, er diene als Zuhause für Fledermäuse. „Es stirbt immer mal ein Baum“, sagt er, „Aber nun ist es die Dimension, die Angst macht.“ Vor Jahren sind alle Ulmen in Winnenden abgestorben. Die Gärtner hoffen auf eine Selektion resistenter Bäumen, die mit dem Wetter klarkommen. Sie starteten Versuche mit korsischen Eichen und Krimlinden, die hitzetolerant sind.

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