Windpark Goldboden Neues Lärmgutachten für Goldboden gefordert

Archivbild. Foto: Habermann / ZVW

Winterbach. Die Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ fordert ein neues Lärmgutachten für den Windpark am Goldboden. Das bisher angewandte Verfahren sei ungeeignet, so die nicht neue Argumentation. Peter Zaar, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt, sieht jedoch den Sinn dahinter nicht – vor allem nicht zum jetzigen, späten Zeitpunkt.

Das Schallgutachten war im Genehmigungsverfahren für den Windpark Goldboden einer der Streitpunkte zwischen der Bürgerinitiative „Pro Schurwald“ auf der einen sowie dem Landratsamt auf der anderen Seite. Es wurde dafür eine Prognose erstellt, wie laut der Schall, der von den drei Windrädern ausgeht, bei den Menschen ankommt, die in der Umgebung wohnen. Das Ergebnis war: Alle geltenden Schall-Grenzwerte sind eingehalten.

„Pro Schurwald“ sagt jedoch: Das angewandte sogenannte Alternative Verfahren ist ungeeignet um realistische Prognosewerte für Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 164 Metern zu bekommen. Besser sei demnach das neuere sogenannte Interimsverfahren. Jetzt, so schreibt die Bürgerinitiative in einer Pressemitteilung, habe die Umweltministerkonferenz das Verfahren als „Stand der Technik“ anerkannt und fordert erneut mit Nachdruck: Das Landratsamt muss von der EnBW ein neues Schallgutachten anfordern.

Landratsamt: Grenzwerte nicht überschritten

Peter Zaar, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt, weist diese Forderung jedoch weiterhin zurück. Aus mehreren Gründen. Erstens habe das Land Baden-Württemberg (anders als Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt) gegenüber den Genehmigungsbehörden noch keine Empfehlung ausgesprochen, ab sofort das Interimsverfahren zu verwenden.

Zweitens: Habe der zuständige Techniker im Landratsamt eine „überschlägige Beurteilung“ gemacht, zu welchen Ergebnissen eine Schallprognose nach dem neuen Verfahren kommen würde. Ergebnis: Die Grenzwerte wären auch damit nicht überschritten.

Messungen seien besser als Prognose

Und drittens, sagt Peter Zaar: Sei die Forderung nach einer weiteren Prognose „unverhältnismäßig“, einerseits wegen der voraussichtlich nicht überschrittenen Grenzwerte, andererseits, weil der Windpark ohnehin in Kürze in Betrieb gehe. Sprich: Was soll die theoretische Prognose, wenn man ohnehin bald messen kann, wie laut die Windräder in der Realität sind?

Für die Realität gilt: Sollte der Schall, der von den Windrädern an den neuralgischen Punkten ankommt, die zulässigen Grenzwerte überschreiten, dann hat die EnBW ein Problem. Es droht eine Abschaltung der Anlagen. Dass die Prognosewerte überprüft werden, sagt Peter Zaar klar zu. Man werde eine Emissions- und eine Immissionsmessung machen, das heißt, sowohl direkt an den Windrädern prüfen, wie laut sie sind, als auch messen, wie viel Schall in der Umgebung ankommt. Die Messpunkte sind am Forsthaus bei Manolzweiler und am Ortsrand von Engelberg, also an den beiden dem Windpark am nächsten liegenden bewohnten Orten.

Pro Schurwald: "Gut vorstellbar", dass Grenzwerte überschritten werden

Diese Ankündigung sieht Michael Haueis, Sprecher von „Pro Schurwald“, als „positives Signal“. Warum fordert die Bürgerinitiative jetzt aber noch eine Prognose? Dazu meint Haueis: Noch seien die Windräder ja nicht in Betrieb, wann das der Fall sei, wisse man nicht sicher, und die Prognose nach dem Interimsverfahren „kein großer Aufwand“. Aus Sicht des Fachgutachters, den „Pro Schurwald“ beauftragt habe, sei es „gut vorstellbar“, dass die Grenzwerte mit dem neuen Prognoseverfahren überschritten werden.

Klar ist: Den Bau der drei Windräder am Goldboden stoppen wird die Bürgerinitiative nicht mehr. Die letzte Anlage soll in dieser Woche fertiggebaut werden und die erste in Betrieb gehen, sofern dafür auch genügend Wind weht.


Gericht und Dienstaufsicht

Im Laufe dieses Jahres haben die Gegner des Windparks Goldboden auf allen Ebenen versucht, einen Baustopp zu erreichen. Ein Engelberger Bürger hat einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Stuttgart gestellt, den dieses aber zurückgewiesen hat. Dagegen hat der Kläger beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim Beschwerde eingelegt. Bis heute ist jedoch keine Entscheidung ergangen und ist laut VGH für dieses Jahr nicht mehr zu erwarten.

Michael Haueis, Sprecher von „Pro Schurwald“, meint dazu: „Das ist enttäuschend.“ Da mache man ein Eilverfahren und dann seien die Windräder schneller gebaut, als es entschieden sei. Außerdem hat die Bürgerinitiative eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Landrat Richard Sigel und seine Mitarbeiter gestellt, weil bei der Genehmigung des Windparks Artenschutzvorgaben missachtet worden seien. In dieser Sache hat sich das zuständige Regierungspräsidium bislang noch nicht geäußert.

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