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Winterbach Erdbeben: Epizentrum bei Winterbach

Hier lag das Epizentrum des Erdbebens in Winterbach am Sonntag (12.11.). Foto: VLP

Winterbach. Am frühen Sonntagmorgen hat nahe Winterbach die Erde gebebt. Davon dürfte aber niemand etwas mitbekommen haben, da die Erschütterung schwach war und das Epizentrum sich in einer Tiefe von rund neun Kilometern befand. Laut Landes-Erdbebendienst alles kein Grund zur Beunruhigung: Es handelt sich um ein Beben, wie es in Baden-Württemberg jeden Tag vorkommt – und das auch nichts mit den Windrädern am Goldboden zu tun hat.

Nach der Einschätzung des Landes-Erdbebendienstes, der in Freiburg sitzt und bei dem alle Messungen von Erdbewegungen zusammenlaufen, ist das Beben bei Winterbach für die Menschen in der Umgebung nicht spürbar gewesen. „Erdbeben in dieser geringen Stärke messen wir jeden Tag irgendwo in Baden-Württemberg“, sagt Wolfgang Brüstle, der Leiter des Landes-Erdbebendienstes. Im Schorndorfer Raum seien Beben zwar sehr selten, könnten aber schon vorkommen. Brüstle spricht von einer Größenordnung im Bereich von 20 kleineren Beben in den vergangenen 20 Jahren. Die letzte große Erschütterung der Erde, die wirklich alle in der Umgebung gespürt hätten, sei im Oktober 1997 ein Beben mit Epizentrum bei Lorch gewesen. Das hatte aber eine Stärke von 3,7 auf der Richterskala, war also ungleich heftiger als die Winterbacher Erdstöße jetzt.

Magnitude von 1,2 nicht spürbar

Unsere Zeitung auf das Beben hingewiesen hat am Dienstag Karl-Heiner Körner aus Hohengehren. Dort bebte die Erde vor kurzem ebenfalls: Am 11. Februar 2017 wurden Erdstöße mit Epizentrum nahe Hohengehren gemessen. Aber auch diese hatten nur eine Magnitude von 1,2 auf der Richterskala und das Zentrum befand sich in zwölf Kilometern Tiefe. Das Beben war also für Menschen an der Oberfläche mit ziemlicher Sicherheit nicht spürbar.

"Erdbeben kann man durch Windräder nicht auslösen"

Der Karl-Heiner Körner ist im Internet auf die Dokumentation der Beben gestoßen und fragte sich nun ob der scheinbaren Häufung in kleinem Umkreis: „Kommt die Erde in Bewegung am Schurwaldrand durch die gewaltigen Eingriffe der EnBW?“ Sind also die Windräder am Goldboden schuld? Nein, sagt Experte Wolfgang Brüstle: „Erdbeben kann man durch Windräder nicht auslösen.“ Dazu brauche es schon mehr, etwa eine größere Explosion. Wenn das der Fall sei, würden das die Messgeräte aber registrieren. Und in neun oder sogar zwölf Kilometern Tiefe sei eine Explosion als Ursache sowieso ausgeschlossen. „Ich kann also beruhigen“, sagt der Leiter des Landeserdbebendienstes. „In diesen Fällen handelt es sich um ganz normale, tektonische Erdbeben.“

Druck der Afrikanischen Kontinentalplatte gegen Eurasische Platte

Und diese Beben werden durch weitaus größere Bewegungen verursacht, als sie die trotz 164 Metern Nabenhöhe im globalen Maßstab unbedeutenden Windräder, hervorrufen können. Verantwortlich ist der Druck der Afrikanischen Kontinentalplatte gegen die Eurasische Platte. „Das klingt sehr global, aber das ist letztendlich der Grund für alle Erdbeben in Süddeutschland“, sagt Wolfgang Brüstle. Durch den Druck der Erdplattenbewegung wurden einst auch die Alpen aufgefaltet. Zwar sei die Gefahr für Beben bekanntermaßen südlich der Alpen in Italien viel größer, so Brüstle. Aber auch im Norden sei er vorhanden und löse sich in Form von Erschütterungen der Erde, dort wo es bereits Risse oder Verwerfungen im Untergrund gebe.


Stärkere Erdbeben

Mit einer Magnitude von 3,7 auf der Richterskala war das Erdbeben mit Epizentrum bei Lorch im Oktober 1997 das stärkste im näheren Umkreis innerhalb der vergangenen 40 Jahre. Davor gab es mit Epizentrum im Nahbereich rund um Schorndorf laut Wolfgang Brüstle, dem Leiter des Landeserdbebendienstes, nur 1940 ein Beben, das tatsächlich spürbar war.

Stärkere Beben gab es in Deutschland und auch in Baden-Württemberg in diesem Jahrhundert aber einige mehr. Manche waren auch im Remstal spürbar, obwohl ihr Epizentrum weiter entfernt lag.

Hier zwei Beispiele, beide mit Zentrum auf der Schwäbischen Alb, also in einem der Schwerpunktgebiete der baden-württembergischen Erdbeben:

1911 bebte die Erde ausgehend vom Epizentrum bei Albstadt mit einer Magnitude von 6,1 auf der Richterskala. Erdstöße dieser Stärke seien im Umkreis von mehreren hundert Kilometern spürbar, so Wolfgang Brüstle. Es gab viele Schäden und Verletzte.

1978 wurde, wieder mit Epizentrum bei Albstadt, eine Magnitude von 5,7 gemessen. Auch hier gab es große Schäden und einige Verletzte.

Weitere Infos zu Erdbeben in der Region gibt es auf www.lgrb-bw.de.

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