Winterbach Goldboden: Die Windradteile kommen

An der Schurwaldstraße in Schlichten stehen durchgehend Halteverbotsschilder, die die Route für die Schwertransporte zum Goldboden frei halten sollen. Anwohner ärgern sich, dass sie für einen ganzen Monat rund um die Uhr gelten. Foto: Habermann/ZVW

Winterbach/Schorndorf. Jetzt wird es ernst: Die ersten Teile für die Windräder am Goldboden sollen ab Mittwochnacht von der B 29 aus durch Urbach und Schorndorf rollen (hier finden Sie die Bilder). Entlang der Route gilt dafür an einigen Stellen rund um die Uhr Halteverbot. Im Vergleich zu dem, was noch kommt, handelt es sich aber um relativ kleine Schwertransporte.

Zwei Wochen später als angekündigt ist es jetzt so weit: Die ersten Schwertransporte mit Windradteilen rollen durch Urbach, Schorndorf und Schlichten zum Goldboden. Die Transporte kommen aus Richtung Nürnberg über die A 6 und A 7 auf die B 29 und verlassen diese an der Anschlussstelle Urbach. Von dort nehmen sie den Weg über die Wasenstraße in Richtung Schorndorf, wo es laut Auskunft der Stadtverwaltung über Gmünder Straße, Feuerseestraße, Uhlandstraße, Krummhaarstraße, Schlichtener Straße und im Ortsteil Schlichten auf der Schurwaldstraße weitergeht. Über die Kaiserstraße in Richtung Manolzweiler erreichen die Transporte dann die Baustelle am Goldboden.

Es kommen zunächst die Turmteile für die drei Anlagen. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist zunächst ein Gespann aus zwei Fahrzeugen unterwegs, wie Hermann Haas, der Leiter der Koordinationsstelle für Großraum- und Schwertransporte im Polizeipräsidium Aalen, unserer Zeitung sagte. Bei ihm läuft von polizeilicher Seite die Koordination aller Schwertransporte im Bereich des PD Aalen zusammen. Die ersten beiden Fahrzeuge haben laut Haas jeweils ein Gewicht von rund 67 Tonnen und sind samt Ladung 3,49 Meter breit, 23,75 Meter lang und 4,40 Meter hoch. „Das ist nichts Besonderes“, meint Hermann Haas zu den Ausmaßen der Transporte im Vergleich zu anderen, die die Polizei regelmäßig begleite. Alle Schwertransporte zum Goldboden fahren von der B 29 aus mit Polizeibegleitung.

Für den Goldboden hat er keine genauen Zahlen, aber generell, so sagt Hermann Haas, gehe man im Schnitt von etwa 15 Transporten pro Windkraftanlage aus. Das macht bei drei Windrädern also 45. Die nächsten sind gleich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag unterwegs.

Der Windpark

Die EnBW baut am Goldboden oberhalb von Winterbach drei Windräder mit einer Gesamthöhe vom Boden bis zur Rotorspitze von rund 230 Metern. Sie sollen, so der Plan der EnBW, im Oktober in Betrieb gehen. Alle Infos rund um den Windpark Goldboden finden Sie hier.

Anwohnerin: Halteverbot rund um die Uhr „unverschämt“

Damit die Schwertransporte gut durchkommen, stehen an den Strecken Halteverbotsschilder. Das sorgt teilweise für Ärger bei den Anwohnern. Einerseits wegen des verwirrenden Hin und Hers. Denn: Schon vor zwei Wochen standen zum Beispiel an der Schlichtener Ortsdurchfahrt, der Schurwaldstraße, Halteverbotsschilder. Aufgestellt hat sie nicht die Schorndorfer Stadtverwaltung, sondern eine vom Transportunternehmen beauftragte Firma.

Die Schlichtener Anwohnerin Gabriele Schall berichtet, zunächst seien die Schilder mit dem Geltungszeitraum 10 bis 6 Uhr ausgezeichnet gewesen. Dann sei es geändert worden in 22 bis 6 Uhr. Als dann klar war, dass doch noch keine Transporte kommen, wurden die Schilder abgedeckt. Seit vergangenem Samstag sind sie nun wieder aufgedeckt – ohne Geltungszeitraum, sprich: Das Halteverbot gilt rund um die Uhr. „Das finde ich etwas unverschämt“, meint Gabriele Schall. Sie dürfe da ja jetzt nicht einmal zum Ein- und Aussteigen kurz halten.

Wann die Straßen frei sein müssen nicht genau planbar

EnBW-Pressesprecherin Dagmar Jordan meint dazu, anders könne man das nicht einrichten mit dem Halteverbot. Dadurch, dass die Transporte eine so lange Strecke zurücklegen, bis sie in Schorndorf seien, könne man nicht wissen, wann genau die Straßen frei sein müssten. Es gebe auch kleinere Transporte, die tagsüber fahren würden. Die Schorndorfer Stadtverwaltung, die die Halteverbote genehmigt hat, ist aber offenbar noch im Gespräch mit dem Transportunternehmen, das im Auftrag der EnBW tätig ist. Man kläre derzeit, „ob die genauen Transporttage angegeben werden können, so dass die Halteverbote nur an diesen Tagen gelten“, sagt Anna Schulz vom zuständigen Fachbereich im Rathaus. „Ob dies transportseitig organisatorisch überhaupt möglich ist, können wir nicht einschätzen.“

Halteverbote bis Ende September

Genehmigt sind die Halteverbote bis 29. September. Sollten alle Schwertransporte schon vorher durch sein, dann könne es sein, dass die Schilder auch früher wieder verschwinden, so Anna Schulz. Dagmar Jordan von der EnBW sagt: Wie lange es genau dauert, bis die Transporte abgeschlossen sind, das könne man nicht voraussagen. Geplant sei derzeit nach wie vor, dass Ende September die letzten und größten Teile kommen sollen: die Rotoren und das Maschinenhaus.

Die riesigen Rotoren kriechen tagsüber durch die Straßen

Das wird dann die wirkliche Herausforderung für das Transportunternehmen und unter Umständen auch für den Verkehr in Schorndorf. Die Rotorblätter sind jedes 65 Meter lang, ein Sattelzug in einer Länge von 75 Metern ist dafür nötig. Die Transporte kommen ebenfalls über die B 29 in den Rems-Murr-Kreis. Nachdem sie von der Bundesstraße runter sind, werden die riesigen Teile umgeladen auf spezielle, ferngesteuerte Fahrzeuge, sogenannte Bladelifter. Das heißt: Der Fahrer sitzt nicht im Fahrzeug, sondern steuert es von außerhalb und läuft nebenher. Die Transporte werden deswegen nicht viel schneller als mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein und dürfen nur tagsüber fahren, damit der Fahrer alles gut im Blick hat. Das heißt: Hier werden mitten am Tag riesige Fahrzeugungetüme durch Schorndorf kriechen.

Route für die Rotoren stehen noch nicht fest

Auf welcher Route das passiert, steht noch nicht genau fest. Sie könnte von der der vorherigen Transporte leicht abweichen. „Aufgrund einer geplanten Baumaßnahme in der Feuerseestraße könnte es möglicherweise zu einer anderen Streckenführung kommen“, sagt Anna Schulz von der Schorndorfer Stadtverwaltung. Es stehe derzeit aber noch nichts fest, man sei in der Abstimmung. Deswegen könne sie auch jetzt noch nichts zu den möglichen Auswirkungen sagen.

Ferngesteuerte Riesentransporter blockieren den Verkehr

Die Gemeinde Urbach war laut Achim Grockenberger, der dort das Ordnungsamt leitet, nicht besonders begeistert von der Aussicht, dass die ferngesteuerten Riesentransporter schon zwischen Urbach und Schorndorf unterwegs sind. „Das hätte zur Folge, dass morgens der Berufsverkehr in Richtung Schorndorf zusammenbricht“, sagt Grockenberger. Deswegen habe man es abgelehnt, dass die Teile schon auf Urbacher Markung umgeladen werden.

EnBW-Pressesprecherin Dagmar Jordan meint: Man könne derzeit zu den Transporten der Rotorblätter nichts Näheres mitteilen. Sobald die Route und die damit verbundenen Auswirkungen absehbar seien, werde man „rechtzeitig informieren“.

Wer genehmigt die Transporte?

Die Genehmigung der Schwertransporte für die Windradteile zur Baustelle am Goldboden ist für das von der EnBW beauftragte Transportunternehmen ein komplexes Unterfangen. Es muss sich entlang der Strecke mit verschiedenen Straßenbaulastträgern auseinandersetzen, also den Behörden, die für den jeweiligen Streckenabschnitt zuständig sind. Für die innerörtlichen Straßen in Schorndorf ist das die Stadtverwaltung. Diese stimmt mit dem Transportunternehmen die Route ab und erteilt dafür bestimmte Auflagen.

So machen es auch die anderen Behörden. Alle leiten dann ihre Zustimmung – oder auch ihre Ablehnung, wenn man sich nicht einigen konnte – mit den Bedingungen dafür weiter an das Landratsamt am Sitz des Transportunternehmens. Dieses ist letztendlich für die Erteilung der Genehmigung zuständig. Es prüft alle eingegangenen Stellungnahmen und, ob die allgemeinen Auflagen für Schwertransporte eingehalten sind.

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