Winterbach Tiny House: Der Bau beginnt

Winterbach. Madeleine Krenzlin will in einem selbst gebauten, mobilen Mini-Haus auf 20 Quadratmetern leben. Nun steht alles bereit: Die Werkstatt ist bezogen, Anhänger und Holz sind abgeholt. An diesem Freitag beginnt der Bau im Rahmen von Workshops, zusammen mit anderen Häuslebau-Begeisterten. Der günstige Preis und die Vorstellung vom befreiten, minimalistischen Leben sind für viele verlockend, doch die rechtliche Situation ist nicht ganz einfach.

Madeleine Krenzlin hat einmal nachgerechnet: Zwei von fünf Arbeitstagen brachten den Lohn ein, den sie einzig dafür ausgab zu wohnen. Damit soll es nun ein Ende haben. Am Freitag beginnt der Bau ihres eigenen Häuschens. Sie hat sich für eine Variante entschieden, die schnell abbezahlt ist: So ein mobiles Tiny House ist ab 25 000 Euro zu haben. Je nach Größe und Ausstattung ist dann aber Vorsicht geboten. Nach oben gibt es quasi keine Grenzen, es gibt auch Mini-Häuser, die weit mehr als das Vierfache kosten. Im Schnitt, sagt Krenzlin, müsse man mit rund 50 000 Euro rechnen.

Autark, aber nur bedingt mobil

Preisgünstigere Häuschen eignen sich als Ferienhäuschen oder Gästeunterkunft. Das Tiny House, das nun in Schorndorf gebaut wird, muss größeren Ansprüchen genügen. „Es ist als Hauptwohnung für zwei Erwachsene ausgelegt und mit einer Grundfläche von etwa 20 Quadratmetern sehr geräumig“, erklärt die Winterbacherin. Bei den Abmessungen von 2,55 Metern Breite und knapp vier Metern Höhe hat sie ausgereizt, was die Straßenverkehrsordnung erlaubt. Solarzellen auf dem Dach, integrierte Wassertanks und acht Meter Länge machen das Tiny House komfortabel und autark, bringen aber viel Gewicht mit sich. Wenn es bewegt werden soll, muss Krenzlin ihr Haus von einem Lastwagen ziehen lassen.

Der Anhänger ist eine Spezialanfertigung

Anhänger fürs Tiny House können zwar von normalen Fahrzeugen gezogen werden, haben aber spezielle Anforderungen, da das Gewicht darauf anders verteilt ist. Hersteller dafür sind rar. Lediglich einen holländischen Betrieb konnte Madeleine Krenzlin ausfindig machen. Da dessen Gefährte ihr nicht stabil genug erschienen und zudem nicht zu den geplanten Maßen ihres Häuschens passten, entschied sie sich dafür, einen Anhänger in Deutschland anfertigen zu lassen. Sie fand einen Hersteller in Bayern. Der maßangefertigte Unterbau kam von dort mit einer Spedition nach Plüderhausen, wo er lackiert wurde. Inzwischen steht er in einer Werkstatt in Schorndorf, bereit für das Grundgerüst des Häuschens, das am kommenden Wochenende gebaut wird.

Baurecht und Straßenverkehrsordnung

Dass das Tiny House auf Rädern steht, führt zu einer rechtlichen Besonderheit: Es fällt zum einen unter die Straßenverkehrsordnung, zusätzlich kann aber auch eine Baugenehmigung erforderlich sein. Das entscheidet die jeweilige Landesbauordnung. In jedem Fall sollten sich Tiny-House-Bauer mit einer Bauvoranfrage erkundigen, welche Genehmigungen einzuholen sind. Auch dann, wenn das Häuschen auf einem Privatgrundstück steht und nur als Ferienhaus genutzt wird.

Rechtslage: Keine klare Regelung fürs autarke Tiny House

Ob das Haus auf Rädern steht oder nicht, ist irrelevant, wenn es als Wohnung genutzt wird. Es ist dann immer eine Baugenehmigung erforderlich. Pressesprecherin Sandra Weiss vom Landratsamt in Waiblingen erklärt, warum das Haus nicht auf jedem Grundstück stehen darf: „Dauerhaftes Wohnen ist nur auf Flächen erlaubt, die im Flächennutzugsplan hierfür gewidmet sind. Das Grundstück muss den Voraussetzungen des Planungsrechts genügen. Deshalb muss die Erschließung gesichert sein.“ Für Tiny Häuser, wie das von Madeleine Krenzlin, die autark konzipiert sind, müsse das im Einzelfall betrachtet werden.

Dauercampen als Alternative

Campingplätze können eine Alternative sein: Für das Wohnen auf Dauerstellplätzen ist keine Baugenehmigung nötig. Krenzlin würde ihr Tiny House am liebsten in Winterbach aufstellen. Ein Grundstück dafür hat sie aber noch nicht gefunden. Doch nun ist sie erst einmal gespannt auf den Baustart: „Das war so viel Jahre in meinem Kopf, jetzt geht es endlich los. Ich freue mich auf die Teilnehmer im Workshop – das sind übrigens mehr Frauen als Männer. Schön, dass sie sich ans Bauen wagen.“

In der Werkstatt

Wir begleiten den Bau von Madeleine Krenzlins Mini-Haus mit Texten, Bildern und Videos.

Wer das entstehende Häuschen einmal in echt sehen will, bekommt im Frühjahr die Chance dazu: Madeleine Krenzlin plant einen „Tag der offenen Werkstatt“. Der Termin wird noch mitgeteilt.

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