Winterbach Windrad-Beleuchtung am Goldboden nur an drei Tagen

Die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn hat bereits in Thüringen und Schleswig-Holstein Windparks illuminiert, so wie in diesem Beispiel könnte es bald auch abends am Goldboden aussehen. Foto: Gisela Meyer-Hahn

Winterbach. Acht Wochen lang sollten die Windräder am Goldboden ab kommenden Montag jeden Abend nach Dämmerung mit farbigen Lichtspielen überzogen sein. Jetzt schränkt das Landratsamt in seiner Genehmigung das Projekt von EnBW, Gemeinde Winterbach und der Künstlerin Gisela Meyer-Hahn auf drei Tage pro Woche ein. Der Grund sind die möglichen Auswirkungen auf Fledermäuse.

Das Projekt wurde in der Winterbacher Bürgerschaft und auch im Gemeinderat kontrovers und teilweise sehr kritisch diskutiert (wir haben berichtet). Der Gemeinderat stimmte nur mit knapper Mehrheit dafür, obwohl EnBW und Bürgermeister Sven Müller die Aktion einen Tag vor der Debatte in einer Pressemitteilung schon beworben haben. Nun ist klar: Ganz so, wie es die Initiatoren wollten, werden die Lichtspiele am Goldboden nicht kommen.

Wie das Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung am Freitag mitteilt, muss sich die Aktion auf drei Tage in der Woche beschränken. Welche drei Tage – das ist nicht festgelegt, es könnte als zum Beispiel das Wochenende, Freitag bis Sonntag sein.

Der Grund: Zwar kommt der von der EnBW beauftragte Gutachter, der sich mit den Auswirkungen der Lichtmalereien auf Fledermäuse befasst hat, zu dem Schluss, dass diese gering sind. Aber: Er kann sie auch nicht ganz ausschließen. Das Landratsamt schreibt nun: „Der Fokus liegt deshalb auf der Minimierung der Beleuchtungszeiten auf drei Tage in der Woche. Damit können wir von Behördenseite negative Auswirkungen auf Fledermäuse weitestgehend ausschließen.“

Bei Fledermaus-Wetter stehen die Windräder still

Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Amts: „Zudem werden die Windräder bei für Fledermäuse optimalen Bedingungen ohnehin abgeschaltet.“ Diese fliegen demnach in den Sommermonaten vor allem bei Windgeschwindigkeiten von weniger als sechs Metern pro Sekunde. Und andere Tiere? „Vögel werden von der Beleuchtung nicht beeinträchtigt. Auch bei den nachtaktiven Eulen kann nicht von einer erheblichen Beeinträchtigung gesprochen werden“, so das Landratsamt.

Von der Beschränkung auf drei Tage wöchentliche Beleuchtung machen die Behörden in der Genehmigung eine Ausnahme: Während der Winterbacher Gartenschau-Highlight-Woche, die am kommenden Montag beginnt, dürfen die Windräder an allen sieben Abenden beleuchtet werden.

Die Künstlerin Gisela Meyer-Hahn aus Pinneberg in Schleswig-Holstein hat solche „Lichtkompositionen“ bereits bei anderen Windparks in Norddeutschland gemacht. Von dort seien keine „störenden Reflexionen“ bekannt, so das Landratsamt. Das ist, wie Winterbacher Gemeinderäte berichteten, die Sorge von Anwohnern, vor allem aus Engelberg, die eine Störung ihrer Nachtruhe durch die Lichtspiele auf dem Goldboden fürchten. Die Künstlerin selbst sagt: Es entstehe „keine brüllende Lichtshow, sondern eine einfühlsame Bespielung“ der Windräder mit langsam wechselnden Farben.

Baurechtsbehörde stuft Beleuchtung als Werbung ein

Nötig geworden ist die Genehmigung der Aktion erst dadurch, dass die Baurechtsbehörde die beleuchteten Windräder als Werbeanlage einstuft und das Ganze nicht als Kunstaktion laufen lassen will.

Kritik an den Lichtspielen kam auch von Naturschutzverbänden. Angehört wurden diese vom Landratsamt im Genehmigungsverfahren allerdings nicht. Das sei darin nicht vorgesehen, so das Amt. Die Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz (AGF) Baden-Württemberg hat laut ihrer Landesvorsitzenden Ingrid Kaipf dennoch eine Stellungnahme abgegeben und die Aktion abgelehnt. „Es werden Lichtinseln in den Wald gesetzt, die vorher nicht da sind“, sagt sie. „Ich denke, dass wir dadurch die Jagdgebiete der Fledermäuse stören.“ Auch der Umweltverband Naturschutzinitiative hat sich geäußert und hält die Lichtspiele an den Windrädern „mit Blick auf das Bundesnaturschutzgesetz“ nicht für vertretbar. „Störungen und sogar Tötungen von Fledermäusen können nicht ausgeschlossen werden. Wir fordern daher das Landratsamt dringend auf, dieses Vorhaben nicht zu genehmigen.“

Das hat das Landratsamt nun jedoch getan, aufgrund des Zeitdrucks vorerst mündlich. Es kann sich am Montag mit Einbruch der Dämmerung dann also jeder selbst ein Bild machen. Die Erleuchtung der Windräder dauert zunächst von Montag bis Donnerstag bis 23.30 Uhr und von Freitag bis Sonntag bis 24 Uhr.


Keine Kunst?

Gemeindeverwaltung und EnBW sehen in den Lichtspielen unter dem Titel „Windkraft im Licht“ eine Kunstaktion. Die Baurechtsbehörde im Landratsamt beurteilt es juristisch anders und sieht die erleuchteten Windräder als Werbeanlagen. Warum? Unter anderem, wie das Landratsamt erklärt, weil es sich dabei um sogenannte „Stätten der Leistung“ wie in einem Gewerbegebiet handle. Die Aktion habe den Effekt, dass die EnBW ihre Windräder „in den Mittelpunkt rückt, unmittelbar Aufmerksamkeit produziert und diese auch gewollt hervorruft und fokussiert“. Daher handle es sich um Lichtwerbung.

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