Winterbach Winterbacherin baut ein Tiny House

Winterbach. Was brauche ich, was macht mich glücklich? Diese Fragen sind bei Madeleine Krenzlins Projekt ganz pragmatisch gemeint. Bei dem Plan, den die 34-jährige Winterbacherin verfolgt, kommt es auf jedes Stück ihres Besitzes an. Sie baut ein Tiny House – ein winziges mobiles Häuschen, in dem sie, wenn alles glatt läuft, ab dem Sommer auch wohnen möchte.

Madeleine Krenzlin lädt uns ein, sie beim Bau ihres Tiny House zu begleiten. Von jedem Baufortschritt berichten wir multimedial mit Texten, Fotos und Videos. Baubeginn ist der 16. Februar.

Der Wohnraum wird immer knapper. Für den einen ist die beengte Wohnsituation eine Qual, andere sehen sie als Herausforderung. Weg vom Materialismus, den eigenen Besitz auf das reduzieren, was man wirklich braucht. Madeleine Krenzlin will das auf 20 Quadratmetern schaffen. Sie baut ein Tiny House. Wörtlich übersetzt ein winziges Haus. Es gibt sie in verschiedensten Größen, aus Holz, aus Metall, mit spitzem oder flachem Dach, auf Rädern oder an festen Standorten, als Ferien-, Gäste- oder Wohnhäuschen. „Die Art des Hauses hängt davon ab, welche Ansprüche man hat“, erklärt Krenzlin. Sie selbst träumt von einem mobilen Zuhause: möglichst unabhängig sein, dabei den Geldbeutel und vor allem die Umwelt schonen. „Ich will versuchen, darin zu wohnen. Ob ich das schaffe? – Keine Ahnung.“

Küche, Bad, Bett – klar, das ist unverzichtbar, wenn die Behausung zum dauerhaften Wohnen geeignet sein soll. Auf den knapp 20 Quadratmetern des für ein Tiny House sehr großzügig geplanten Häuschens findet nur das Nötigste Platz. „Beim Rest kommt es darauf an, wie man lebt. Ich koche zum Beispiel gerne mit Freunden. Deshalb sind Küche und Essplatz für mich der wichtigste Ort. Sie bilden das Zentrum meines Tiny Hauses.“

Ein Regal als Treppe

Auf den acht mal zweieinhalb Metern finden außerdem ein Bad mit Dusche und eine Komposttoilette Platz. An den beiden Enden ist jeweils ein sogenanntes Loft, ein Zwischenboden eingeplant. Damit sind die fast vier Meter Deckenhöhe vollständig ausgereizt. Die Lofts bringen zusätzlichen Raum für ein Bett über dem Badezimmer und einen Arbeits- und Wohnbereich oberhalb der Küche. Dorthin führen Stufen, die eine zweite Funktion als Stauraum oder Sitzgelegenheit erfüllen. Doch bevor die Gestaltung des Innenraums beginnt, muss zunächst einmal die Grundkonstruktion her. Das Tiny House soll auf einen Anhänger gebaut werden. Den ließ sich Madeleine Krenzlin eigens anfertigen, denn geeignete Hänger für die Mini-Häuser sind in Deutschland Mangelware.

Da Krenzlins Tiny House erst noch entsteht und vorhandene Zeichnungen sehr technisch sind, hilft vielleicht ein Blick in andere Häuschen, um eine genauere Vorstellung davon zu bekommen. Die Artikelbilder geben einen Eindruck von Häusern, die in Deutschland gebaut wurden. Sie stammen von der Schreinerei Bock aus dem hessischen Bad Wildungen, mit deren Unterstützung auch das Winterbacher Projekt entstehen wird. Im Video ist zu sehen, welche Doppelfunktionen und versteckten Stauräume sich eine US-Amerikanerin ausgedacht hat, um Platz im Tiny House zu sparen.

Öko-Konzept beim Häuslebau

Madeleine Krenzlin war bis zum vergangenen Sommer Beraterin für erneuerbare Energien und kennt sich mit Solarstrom aus. Deshalb soll eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach, um das Häuschen möglichst autark zu machen. Bei den Baumaterialien achtet sie auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Gegen Kälte soll eine Wärmedämmung aus Schafswolle oder Holzfaser her. Holz für Grundgerüst und Wände bekommt sie aus Geradstetten. Für die anderen Materialien sucht sie zum Teil noch nach passenden Herstellern.

Um ihren Traum zu erfüllen, hat Krenzlin ihren Job gekündigt und sich als Tiny-House-Beraterin selbstständig gemacht. Das Wissen dafür hat sie sich in den letzten sechs Jahren mit intensiver Recherche und Kursen in den USA angeeignet, wo das Tiny House so beliebt ist, dass ihm ganze Fernsehsendungen gewidmet sind. Zum Teil sind diese auch auf deutschen Privatsendern zu sehen. Trotzdem: Beim Handwerken selbst ist Krenzlin ein blutiger Anfänger. Deshalb helfen zwei erfahrene Schreiner zum einen dabei, dass das Haus richtig zusammengebaut wird, zum anderen sollen sie dafür sorgen, dass bei der Arbeit mit schwerem Gerät alle Finger der Häuslebauer dranbleiben.

Projektfortschritte in Text, Video und Fotos

Am 16. Februar beginnt der Bau des Mini-Hauses. Dafür hat Madeleine Krenzlin eine Werkstatt in Schorndorf angemietet.

Mehr Informationen zu Madeleine Krenzlins Projekt gibt es auf www.mytinyhouseproject.de, dort nach unten scrollen bis zur Rubrik „Madeleines Projekt“.

Wer sich schon länger mit dem Thema Tiny House beschäftigt, aber bislang nicht gewagt hat, selbst eines zu bauen, kann in vier mehrtägigen Workshops lernen, wie es geht. 790 Euro kostet die Teilnahme pro Bauabschnitt.

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