Wirt zeigt Gast an Streit in Kneipe in Endersbach landet vor Gericht

Symbolbild. Foto: pixabay (CC0 Public Domain)

Waiblingen/Weinstadt. Ein Streit in einem Endersbacher Lokal hat am Mittwoch vor Gericht geendet. Der Kneipenwirt hatte einen Gast wegen Körperverletzung angezeigt. Dieser stritt ab, dass er mit dem Streit angefangen und ihn verletzt habe. Die Versionen der beiden deckten sich nicht, auch Zeugen konnten wenig Klarheit in die Verhandlung bringen. Das Verfahren wurde eingestellt. Eine Geldstrafe von 1200 Euro muss der Angeklagte dennoch zahlen.

Mit Gehhilfen und einer Schiene am Knie kam der 49-jährige Wirt einer Endersbacher Kneipe, in der es Anfang April zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen war, in den Gerichtssaal gehumpelt. Er sei vor vier Wochen operiert worden – wegen eines Kreuzbandrisses, den er sich während des Streits zugezogen habe. Doch auch der 37-jährige Angeklagte beschwerte sich über Verletzungen, blutend habe er das Lokal damals verlassen. Wer von beiden mit dem Streit angefangen hatte, klärte sich während der Verhandlung nicht. Die fünf Zeugen erzählten verschiedene Versionen. Richterin Figen Basoglu-Waselzada stellte das Verfahren ein.

Angeklagter soll den Wirt mit einem Kopfstoß zu Boden gebracht haben

Dem 37-Jährigen warf die Staatsanwaltschaft vor, dem Wirt mit der Stirn einen Kopfstoß gegeben zu haben, so dass dieser stürzte, sein Knie verdrehte und einen Kreuzbandriss erlitt. Auch eine Kopf- und Handverletzung soll er davongetragen haben. Der Angeklagte stritt ab, dem Wirt einen Kopfstoß gegeben zu haben. Auch sei der Kneipier nicht zu Boden gegangen. Weil er zwei Biergläser umgeworfen hatte, habe es eine verbale Auseinandersetzung gegeben. „Vielleicht bin ich auch nach vorne gestolpert“, sagte der 37-Jährige. Schließlich sei er betrunken gewesen. Aber sicher habe er dem 49-Jährigen keinen Stoß gegen den Kopf verpasst. Er selber habe allerdings vom Wirt einen Schlag ins Gesicht bekommen. Wie sonst sei sein blutüberströmtes Gesicht an dem Abend zu erklären gewesen, fragte er.

Der Wirt beschrieb den Angeklagten vor Gericht als nervigen Gast, der immer wieder nach ihm gerufen habe, obwohl er sich mit einem anderen Gast unterhalten habe. Weil der Angeklagte zwei Biergläser heruntergeschmissen und den Bruder des Wirts beleidigt habe, sei der 49-Jährige sauer geworden. Er habe sich provoziert gefühlt.

Als die beiden sich gegenüberstanden, habe der Angeklagte ihm eine Kopfnuss gegeben. Nicht sehr stark, aus Schreck sei der Wirt aber zurückgetaumelt und hingefallen. Dabei habe er sich sein Knie verdreht. Der 49-Jährige habe sich wieder aufgerappelt, seinen Gast geschubst und dabei gerufen „Raus hier“. Gefallen sei dieser daraufhin nicht, gab der Wirt an.

Zeugen erzählen verschiedene Versionen

Laut Aussage eines Freundes des Angeklagten, der an diesem Abend mit ihm im Lokal war, habe es eine lautstarke Auseinandersetzung gegeben. „Auf einmal hat’s gescheppert“, sagte er. Dann habe der Angeklagte auf dem Boden gelegen. Dass der Wirt zu Boden gegangen sei, habe er nicht mitbekommen. Zwei weitere Zeugen erzählten eine andere Version: Den ersten Stoß habe der Angeklagte gegeben, sagte einer der Zeugen. Beide hätten nach der Auseinandersetzung auf dem Boden gelegen. Wie der Wirt zu Boden gegangen sei, habe der andere Zeuge nicht gesehen, aber dass sie Kopf an Kopf gestanden hätten.

Weil der Wirt gegen seinen Gast geklagt hatte, erhielt der einen Strafbefehl (siehe Infobox). Er sollte 1200 Euro zahlen. Der 37-Jährige legte Einspruch ein, so dass es zu der Verhandlung kam. „Nehmen Sie den Einspruch zurück. Billiger wird’s nicht“, regte der Staatsanwalt eine Einstellung des Verfahrens an. Der Angeklagte, sein Verteidiger und der Nebenkläger stimmten zu. Eingestellt wurde mit der Bedingung, dass der Angeklagte trotzdem 1200 Euro an die Bewährungshilfe zahlt.


Strafbefehl

Das Strafbefehlsverfahren ist ein vereinfachtes Verfahren im Umgang mit leichter Kriminalität. Dafür wird ein Strafbefehl verschickt.

Ohne eine Hauptverhandlung kann es zu einer rechtskräftigen Verurteilung kommen. Wenn wie in diesem Fall Einspruch eingelegt wird, finden eine Hauptverhandlung und eine Urteilsverkündung statt.

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