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ZVW-Mediennacht Bettenhaus Windmüller gewinnt Wahl zur schönsten Anzeige

Waiblingen. Welche Frau könnte diesen Adoniskörper von der Bettkante stoßen? Die Gewinner-Anzeige vom Bettenhaus Windmüller verspricht mit knapper Textbotschaft eine verlockende Frei-Haus-Lieferung. Anziehend, ohne anzüglich zu sein, kann Bettenwerbung sein – der Spagat ist der Werbeagentur Baumann & Baltner aus Ludwigsburg gelungen.

Die Anzeige ist dem Bettenhaus Windmüller auf den Leib, vielmehr auf das Kerngeschäft Betten und Bettwaren geschnitten. Was liegt näher, als die Federkissen werblich mit lockerem Spruch und einer Prise Erotik aufzuschütteln? Eine gestählte Brust, perfektes Sixpack – welche Frau kann da wegsehen?

"Erotik oder eine Prise dramatischen Witz“

Noch dazu, wenn „er“ in gekonnt aufreizender Pose, mit einem locker um die Hüfte geschlungenen Daunendecken-Lendenschutz aus dem Sortiment des Bettenhauses neben der Bettkante sitzt und auf „sie“ zu warten scheint, bereit, sich in die Kissen zu werfen ... „Wir liefern“ verspricht der Anzeigentext in einladendem Fettdruck die Freihaus-Lieferung dieses Adonis. „Aber nur das Bett“, ernüchtert der zweite Satz witzig und erfrischend.

Nach drei Platzierungen unter den ersten zehn ist das Bettenfachgeschäft aus Backnang mit der Aussicht auf einen muskelgestählten Bettgefährten nun die Punktlandung auf Platz eins gelungen. Die Anzeige hat Geschmack, ohne ein Gschmäckle zu haben. Dafür seien sie in die Vollen gegangen, erzählt Martin Windmüller. „Wir haben dieses Jahr gezielt eine Anzeige für den Wettbewerb konzipiert und nicht wie zuvor eine aus dem Fundus eingesendet.“ Aus den Sieger-Anzeigen der Vorjahre wusste er: „Sie braucht Erotik oder eine Prise dramatischen Witz.“

„Wir wurden überrannt vor positivem Feedback"

Ein Jahr zuvor hatte die Parfümerie Wöhrle mit einem fiktiven Bikini, der eine neue Besitzerin sucht, den ersten Platz belegt. Dieses Jahr wirft ein Mann das Kopfkino beim Betrachter an. Nur zwei Bilder musste die Agentur präsentieren, das Motiv sei schnell gefunden gewesen, erzählt Windmüller auf Nachfrage. Etwas länger hätten sie am Slogan gebastelt. „Zehn Runden waren es schon, der Text wurde von Runde zu Runde kürzer und besser.“

Mit der augenzwinkernden Idee, den Mann als „Lustobjekt“ in Szene zu setzen, traf die Anzeige nicht nur den Geschmack der Damenwelt, sondern auch den der Kunden: „Wir wurden überrannt vor positivem Feedback, die Ironie kam sehr gut an“, sagte Kerstin Windmüller. Besonders überrascht war Martin Windmüller vom Feedback auf die Anzeige, die seine Stammkunden in Backnang vermutlich gar nicht gesehen haben, da die weiblichen und gewiss auch männlichen Blicke bislang nur außerhalb Backnangs sowie in Facebook vom Adonis magnetisch angezogen wurden.

Verbindung zwischen Bild und Text

Kreativität, die heraussticht, brachte die ZVW-Mediennacht zum vierten Mal zusammen. Die zehn besten Werbeideen und jede Menge „kreative Köpfe“ würdigte Landrat Dr. Richard Sigel. In Zeiten digitaler Veränderungen, wo jeder beliebig viele Fotos machen könne, sei die gekonnte „Verbindung zwischen Bild und Text“ unverzichtbar. Obgleich allerorten crossmediale Kanäle eine immer größere Bedeutung bekämen, halle das „Rascheln der Zeitungen“ durch Büros. Auch die Aktenberge weichen noch nicht der E-Akte, so Sigel, der überzeugt ist: Anzeigen sowohl in der Tageszeitung als auch in crossmedialen Kanälen seien „ein Schaufenster in die regionale Wirtschaftsleistung“.

Die ZVW-Mediennacht stelle deren Ideen und Schaffenskraft, die kreativen und geistigen Rohstoffe in den Mittelpunkt, der Abend leiste daher einen wichtigen Beitrag, „Wege zu finden, um gemeinsam in der Region noch erfolgreicher zu sein“, betonte Hausherr Ullrich Villinger den Kern der Netzwerkveranstaltung vor Bürgermeistern, HGV- und BdS-Vorsitzenden, Geschäftskunden, Vorsitzenden von Marketingvereinigungen und Werbeagenturen.

„Schweinebauchanzeigen“ sind von der Bildfläche verschwunden

Das Papierlager des Druckhauses Waiblingen bot einen passenden Rahmen für die Preisverleihung und passte symbolisch zur anschließenden Keynote von André Hellmann, der erklärte, wie Verlage und Unternehmen die digitalen Herausforderungen stemmen. Während der Preisverleihung wurden Smartphones hochgehalten und Preisträger fotografiert, zugleich stand man locker um Tische aus guten (analogen) Papierrollen beisammen.

Eine „gewisse Lockerheit“ machte Udo Kretschmer, Leiter Vermarktung Werbemarkt print und digital beim ZVW, als Trend aus. So seien „Schweinebauchanzeigen“ von der Bildfläche verschwunden – damit sind in der Werbesprache „schreierische“ und rein verkaufsorientierte Anzeigen mit Preisangaben gemeint. In den Vordergrund rückten vermehrt Anzeigen, die mit „lockeren, lustigen Slogans und Bildsprache“ arbeiten.

Wie die Wahl ablief und wer wählte

32 werbetreibende Firmen und Unternehmen haben sich im Juni mit ihren Anzeigenmotiven zur Wahl gestellt. Die Abstimmung erfolgte zweigleisig: Aufgerufen, ihren Favoriten kundzutun, waren einerseits die Leser. Als zweite Wählergruppe gaben Studierende der Hochschule der Medien ihre Stimme ab gemäß einem Bewertungsschema, das sie mit Professor Christof Seeger eigens für die Wahl der schönsten Anzeige erarbeitet haben. Nach vier Wochen wurden aus den besten 20 Motiven jene ausgewählt, die „gute Inhalte erklären“ und dabei „herausstechen aus der Menge“, fasste André Hellmann, Chefstratege der Netzstrategen GmbH, die Kriterien zusammen.

Er äußerte sich positiv überrascht vom Gleichklang aus Leser-Voting und der wissenschaftlich erarbeiteten Meinung: Beide Seiten hätten nah beieinander gelegen, so Hellmann auf die Frage von SWR-Moderator Josh Kochhan nach den Besonderheiten der diesjährigen Wahl der schönsten Anzeige.

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