Meinung

Kommentar: Warum Handballer endlich aus der Deckung kommen müssen, um in der Pandemie nicht unterzugehen

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Symbolbild. © pixabay.com (CC0 Public Domain)

Wir Handballer sind daran gewöhnt, den Kürzeren zu ziehen. Während sich Fußballer zwischen Rasen und Kunstrasen entscheiden, müssen wir uns mit Volleyballern, Basketballern, Radballern, Tischtennisspielern und allen, die noch in der Lage sind eine Gymnastikmatte auszurollen, um die wenigen Hallenzeiten prügeln. Auf den Stickern im Hanuta fand man schon Klose, Klinsmann und Khedira. Bitter, Balic oder Brand suchte man bislang vergebens. 

Wir diskutieren nicht, auf welchem Sender wichtige Turniere übertragen werden sollen, weil uns ein bestimmter Kommentator nervt. Wir hoffen, dass sich wenigstens irgendein semi-professioneller Bezahlsender erbarmt, sich wenigstens um die Rechte für die Endspiele zu bemühen.

Wir beschweren uns nicht. Und wenn, dann leise. Und dann immer auch darauf bedacht, dass wir Fußball ja grundsätzlich auch gut finden. Und wir am Wochenende ja auch erst nach der Sportschau zu Abend essen. Uns immer demütig vor König Fußball verneigend: Mehr Leute wollen die andere Sportart sehen, dann wird das wohl alles seine Verhältnismäßigkeit haben.

Die Corona-Pandemie zeigt: Von Verhältnismäßigkeit kann hier keiner mehr sprechen. Wir haben zu lange den Mund gehalten. Während im Fußball mit aberwitzigen Teststrategien aufgefahren wird, von denen jedes Krankenhaus nur träumen kann, werden im Handball Bundesligisten die Heimspielstätten genommen, weil sie zu Impfzentren zweckentfremdet werden. Ohne Vorwarnung, ohne Angebot für eine Alternative stehen die Eulen Ludwigshafen nun da. Sie müssen auf die Solidarität der Ligakonkurrenten hoffen. Klarer kann man dem Handball die eigene Bedeutungslosigkeit wohl kaum ins Gesicht schmettern. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?

Wer das jetzt falsch verstehen will, möge das tun: Ich finde nicht, dass Strategien zur Bekämpfung der Pandemie weniger wichtig sind als eine Sportveranstaltung. Und das letzte was ich möchte ist, dass man den Fußball gerade jetzt verbietet, wo er doch für so viele das letzte Stückchen Normalität in der Krise ist. Was ich will? Verhältnismäßigkeit. Und Handballer, die laut sind. Und Leute, die uns zuhören.