Meinung

Kommentar zum Corona-Kredit des VfB: Der Staat darf dieses Fußball-Business nicht unterstützen

Geschäftsstelle VfB Stuttgart, VfB, Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Der VfB hat bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Antrag auf einen staatlichen Kredit gestellt, um seine durch die Corona-Krise entstandene finanzielle Schieflage auszugleichen und seine Liquidität zu sichern. Auf den ersten Blick scheint dies absolut nachvollziehbar, denn auch der VfB ist ein großes Unternehmen, das durch die Corona-Krise an allen Ecken und Enden sparen muss.

Auch der VfB hat viele Mitarbeiter, die sich in Kurzarbeit befinden und um ihren Job bangen. Auch der VfB hat Probleme, bei fehlenden Einnahmen Spielergehälter und den laufenden Spielbetrieb zu bezahlen. Genau für diese Situationen wurde der KfW-Kredit geschaffen, der Antrag des VfB ist also völlig legitim.

In den VfB fließen jährlich Millionen – und nach nur vier Monaten Corona steht der Verein am Abgrund?

Auf den zweiten Blick kann ich über den KfW-Kredit allerdings nur den Kopf schütteln. Der VfB ist ein millionenschweres Unternehmen, in das jedes Jahr große Summen fließen. Im Sommer 2017 wurde die Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft ausgegliedert, was 41,5 Millionen Euro generierte.

Im Sommer 2019 verkaufte der VfB trotz Abstieg in Liga zwei seine drei Innenverteidiger Pavard, Kabak und Baumgartl für über 60 Millionen. Und nach nur vier Monaten, in denen das Fußball-Business wie alle anderen Unternehmen im Land heruntergefahren wurde, muss der VfB einen Not-Kredit beantragen, um weiter zahlungsfähig zu bleiben?

Wie kann ein staatlicher Kredit ein solches Geschäftsmodell unterstützen?

Allein diese Tatsache zeigt, wie die gängigen Finanzierungskonzepte im Fußball-Business aussehen: auf Kante genäht und auf der Rasierklinge tanzend. Rücklagen werden kaum gebildet. Anstatt die eingenommenen Summen in infrastrukturelle Projekte zu stecken oder mit einer langfristigen Planung sinnvoll zu reinvestieren, wird das Geld zu oft zum Fenster hinausgeworfen – so auch beim VfB.

Zur Verdeutlichung: Ende Juni veröffentlichte die Deutsche Fußball Liga (DFL) die Finanzkennzahlen der Erst- und Zweitligisten. Demnach haben die Schwaben im Kalenderjahr 2019 fast 13 Millionen Euro für Spielerberater ausgegeben. Und dann beantragt der VfB einen staatlichen Kredit über rund 15 Millionen Euro?

Würde ein Bundesliga-Verein wie der VfB Stuttgart zu einer „normalen“ Bank gehen und einen „normalen“ Kredit verlangen, würde ihm diesen keine Bank gewähren – wegen unseriösem Wirtschaften. Und ein solches Geschäftsmodell soll nun durch einen staatlichen Kredit gestützt werden? Der Fußball muss endlich lernen, dass er so nicht mehr weiter wirtschaften kann – zur Not auf die harte Tour, ohne staatlichen Hilfen.