Meinung

Kommentar zur Blockade des Esecon-Berichts: Der Gipfel der Dreistigkeit

VfB Stuttgart Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Jetzt ist es also amtlich: Die ordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart wird vom 18. auf den 28. März verschoben - gegen den Willen von Präsident Claus Vogt und einer Vielzahl der Mitglieder. Vogt wurde bei der entscheidenden Abstimmung von seinen Präsidiumskollegen Bernd Gaiser und Rainer Mutschler überstimmt. Das Duo Mutschler/Gaiser votierte zudem gegen die zeitnahe Veröffentlichung des Esecon-Abschlussberichts zur Daten-Affäre - und das ist ein Skandal.

Dass die in der Daten-Affäre mehr (Mutschler) und weniger (Gaiser) belasteten Präsidiumsmitglieder überhaupt mitentscheiden dürfen, ob und in welcher Form das Dossier der Ermittler der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist grotesk und grundfalsch. Gegen beide wurde Abwahlanträge eingereicht, gegen Mutschler sogar ein Vereinsausschlussverfahren beantragt.

Schließlich ist der Marketingmann eine der zentralen Figuren in den Ereignissen rund um die Guerilla-Marketing-Kampagne im Vorfeld der Ausgliederung 2017. Zusätzlich wurde den Mitgliedern noch im Oktober 2020 versprochen: „Sobald eine belastbare Bewertung der Vorgänge möglich ist, wird der Verein Mitglieder und Öffentlichkeit über die Ergebnisse und den aktuellen Stand der Untersuchung informieren.“ 

Mutschler hätte sein Amt schon seit Bekanntwerden der Vorwürfe ruhen lassen müssen

Doch damit noch nicht genug: Gegenüber den Kollegen des kicker erklärte Mutschler Anfang Januar: Zum Mandat von Esecon habe er sich „bei Abstimmungen von Projektbeginn an stets der Stimme enthalten“. Weiter habe er angekündigt, „sich aufgrund seiner damaligen Rolle und Aufgabe als 'Projektleiter Vereinsentwicklung' bei allen inhaltlichen Themen und Bewertungen zu enthalten.“ Und nun stimmt er gegen die Veröffentlichung eines Berichts, der ihn arg in Bedrängnis bringen wird. Dieses Votum ist der Gipfel der Dreistigkeit. Mutschler ist befangen und hätte sein Amt im Präsidium eigentlich schon seit Bekanntwerden der Vorwürfe ruhen lassen müssen. Allerdings benötigten ihn die Vogt-Gegner als Mehrheitsbeschaffer im Präsidium.

Mit ihrer Entscheidung, die Publikation des Esecon-Berichts zu blockieren und die Mitgliederversammlung gegen zahlreiche Wiederstände durchzudrücken, haben Gaiser und Mutschler endgültig gezeigt, dass sie ihre eigenen Interessen über die der 72.000 Vereinsmitglieder stellen. Der Kampf der alten Seilschaften gegen den amtierenden Präsidenten nimmt immer verzweifeltere Züge an.