Meinung

Kommentar zur Führungskrise beim Traditionsverein: Der VfB Stuttgart steuert auf einen Totalschaden zu

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VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. © ZVW/Benjamin Büttner

Die Führungskreise beim VfB Stuttgart spitzt sich immer weiter zu. Fans und Mitglieder müssen sich langsam vorkommen wie in einem schlechten Mafia-Film. Nun sollen der Vorstand und Teile des Präsidiums die Ermittlungen in der Daten-Affäre blockiert haben. Das geht aus einem Zwischenbericht der Berliner Kanzlei Esescon hervor, den die Stuttgarter Zeitung einsehen konnte.

Die Führungsriege in Erklärungsnot

Der Machtkampf zwischen Präsident Claus Vogt, der die Aufklärung des Skandals von Beginn an zur Chefsache erklärt hatte, und Thomas Hitzlsperger, der nun laut Esecon offenbar selbst Einfluss auf den Fortgang der Untersuchungen genommen hat, bekommt so eine neue Dimension. Schließlich hatte der Meisterspieler von 2007 zuletzt noch jegliche Einflussnahme auf die Ermittlungsarbeit vonseiten der AG scharf zurückgewiesen.

Mit seinem beispiellosen Frontalangriff auf den Amtsinhaber ist Hitzlsperger voll ins Risiko gegangen. Seine Attacke folgte dabei ganz offensichtlich nur einem einzigen Ziel: Vogt aus dem Verein zu drängen. Dafür nahm er selbst eine in der Öffentlichkeit ausgetragene Schlammschlacht in Kauf. In seinem offenen Brief schrieb der ehemalige Nationalspieler: „Ein Kratzer ist besser als ein Totalschaden.“ Doch genau darauf steuert der Verein jetzt zu.

Falls tatsächlich, wie der Esecon-Bericht nahelegt, weite Teile der Führungsriege von der massenhaften Weitergabe der Mitgliederdaten an einen PR-Unternehmer wussten und nun versucht haben, die Ermittlungsarbeit der Berliner Kanzlei zu torpedieren, dann könnte es an der Mercedesstraße bald zum großen Knall kommen. Die Führungsriege der AG um den Vorstandsvorsitzenden aber auch das Präsidium des Vereins und der Aufsichtsrat sind in Erklärungsnot.

Alle Fakten müssen auf den Tisch

Die großen Verlierer in diesem einzigartigen Showdown sind neben den involvierten Personen aber vor allem die rund 70.000 Mitglieder des Vereins. Sie wurden wie es scheint einmal mehr getäuscht, belogen und manipuliert. Ein Armutszeugnis für den größten Sportverein im Land. Der einzige Weg aus dem aktuellen Schlamassel ist jetzt gnadenlose Transparenz. Alle Fakten müssen auf den Tisch, der Esescon-Abschlussbericht zur Daten-Affäre - so weit juristisch möglich - vollumfänglich veröffentlicht werden.

Erst wenn die Geschehnisse rund um die Ausgliederungs-Kampagne lückenlos aufgeklärt sind und alle Konsequenzen gezogen wurden, kann der Traditionsverein wieder zur Ruhe kommen.