Meinung

Kommentar zur historischen Führungskrise beim VfB: Präsident Claus Vogt wird bis zum bitteren Ende kämpfen

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VfB-Präsident Claus Vogt. © Benjamin Büttner

Wie kann dieser nächste große Knall nur in die richtigen Worte gekleidet werden? So langsam gehen selbst den kreativsten Journalisten in und um die Landeshauptstadt die Superlative aus. Die Berichterstattung rund um den komplett eskalierten Führungsstreit beim VfB Stuttgart stellt die VfB-Reporter im Ländle Tag für Tag vor immense Herausforderungen. Im nächsten Akt eines vereinspolitischen Dramas mit ungewissem Ausgang sagte Präsident Claus Vogt am Mittwoch die für den 18. März terminierte Mitgliederversammlung ab. Nach eigener Aussage gegen den Willen der anderen Präsidiumsmitglieder Bernd Gaiser und Rainer Mutschler. Eine Kriegserklärung an seine „Kollegen“ in Verein und AG, ein Schlag mit dem Vorschlaghammer. Per Mail ging das Schreiben auch an die rund 72.000 Mitglieder des Vereins.

Er werde „im Interesse des Vereins und seiner Mitglieder die zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung förmlich notwendige Einberufung zum 18.03.2021 nicht vornehmen“, schrieb Vogt. In den sozialen Netzwerken stieß sein Vorstoß auf breite Unterstützung. Zuletzt hatten auch der Fanausschuss und die Ultras vom Schwabensturm für die Verlegung der MV plädiert. Und das vollkommen zurecht. Alleine die technischen Unwägbarkeiten einer virtuellen Versammlung würden schon für eine Verschiebung sprechen. In diesem Zusammenhang sei nur kurz an das hochnotpeinliche WLAN-Gate aus dem Sommer 2019 erinnert. Hinzu kommen die fehlende Antworten in der Daten-Affäre. So lange keine Fakten auf dem Tisch liegen, können die Mitglieder nicht fundiert entscheiden.

In seinem Statement zeichnete Vogt weiter ein finsteres Sittengemälde zu den Vorgängen hinter den Kulissen an der Mercedesstraße und sprach von der „größten internen Krise, die dieser Verein in seiner auch in der Vergangenheit lebhaften Geschichte erlebt hat.“ Mit seinem Alleingang sorgte Claus Vogt aber nicht nur für die bislang heftigste Eskalationsstufe in dieser jetzt schon historischen Führungskrise, sondern er schickte auch eine klare Botschaft an seine Widersacher: Den beschwerlichen Kampf gegen die alten Seilschaften, Vogt wird ihn mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln führen. Bis zum bitteren Ende. 

Mit seinem offenen Brief nutzt Claus Vogt auch seine letzte verbliebene Chance, die Kontrolle im Machtkampf zurückzuerlangen. Schließlich liefen die Pläne von Teilen des Präsidiums, des Aufsichtsrates und des Vorstandes, den aus ihrer Sicht störenden Präsidenten aus dem Amt zu drängen, an einem Knotenpunkt zusammen: dem 18. März 2021. Diesen Termin hat Claus Vogt nun torpediert und so die Planspiele seiner Gegner vorerst zunichte gemacht. 

Zudem dürfte inzwischen auch dem letzten Fan klar geworden sein, dass sich dieser in Fußball-Deutschland wohl einzigartige Konflikt nicht auf das Duell „Vogt vs. Hitzlsperger“ herunterbrechen lässt. Vielmehr geht es um die künftige Ausrichtung des Vereins und die große Frage, wer beim VfB eigentlich das Sagen hat - und künftig haben soll.