Alfdorf

130 Jugendfeuerwehr-Mitglieder in Alfdorf: Teamarbeit für höchste Auszeichnung

Leistungsspange
Der Umgang mit den Schläuchen gehört zum Repertoire. © Gabriel Habermann

Es war ihr großer Tag: Bei Dauerregen stellten sich am Wochenende in Alfdorf Jugendfeuerwehrleute aus ganz Baden-Württemberg den anspruchsvollen Aufgaben zum Erreichen der Leistungsspange. Das ist die höchste Auszeichnung in der Jugendfeuerwehr in Deutschland. Auch aus dem Rems-Murr-Kreis waren Jugendfeuerwehrleute vertreten. Alle 130, die da waren, haben das Abzeichen erhalten, das künftig an den Jacken ihrer Uniform stecken wird und sie an einen besonderen Tag in ihrer Jugendfeuerwehrzeit erinnert.

Gut vorbereitet zum Löschangriff

Der Nachwuchs gibt alles beim Löschangriff gegen einen imaginierten Brand. Bestens vorbereitet startet die neunköpfige Gruppe aus Freiberg am Neckar. Kurz bevor sie sich unter den Blicken der Wertungsrichter an die Arbeit machen, sind sie locker und heiter. Viel feuerwehrtechnische Arbeit wartet auf sie beim schulungsmäßigen Ankuppeln einer Saugleitung an eine Pumpe und beim Verlegen der vorgesehenen Druckschläuche. „Leitung zu Wasser!“ oder „Zur Pumpe!“ heißt es jetzt.

Beim simulierten Aufbau einer Wasserversorgung aus einem offenen Gewässer sind die körperlichen Kräfte regenbedingt einer ganz besonderen Herausforderung ausgesetzt. „Durch die Nässe sind Material und Schläuche schwerer als sonst“, erklärt Kreisjugendfeuerwehrwart Frank Luckenbach. Angesichts des Dauerregens hätten die Wertungsrichter mitunter ein Einsehen. „Wenn heute mal ein Schlauch nicht ganz exakt in einer Linie ohne einen einzigen Verdreher liegt, kann das eine oder andere Auge gewiss zugedrückt werden“, sagt er. Allerdings: Geschenkt bekommen die Jugendlichen nichts.

Die Disziplinen haben es in sich. Sie müssen korrekt gezeigt werden, bei den sportlichen Teilen zudem im Wettlauf gegen die Zeit. Sie messen sich in Sport und Feuerwehrtechnik, stellen in einer Fragerunde ihr Wissen über Organisation, Fahrzeug- und Gerätekunde, Ausrüstung, Löschmittel und Löschverfahren, Gesellschafts- und Jugendpolitik sowie Unfallverhütung unter Beweis.

Staffellauf, Kugelstoßen und Schläuche verlegen

Zur Stärkung in der Pause grillt der Feuerwehrnachwuchs der ausrichtenden Alfdorfer Wehr Würste und verteilt heiße Pommes, dann geht es weiter mit den Pflichtteilen: 1500-Meter-Staffellauf und Kugelstoßen in Joggingkleidung. Bei einer Schnelligkeitsübung führen sie das Verlegen einer Schlauchleitung aus acht Schläuchen zu einer 200 Meter langen Leitung vor. Die muss „bolzgerade“ liegen, wie ein Teilnehmer aus Alpirsbach freudig kundtut, unmittelbar nachdem die Gruppe es geschafft hat und die Anspannung abgefallen ist.

Die Ausbildung im Land folgt einheitlichen Leistungskriterien, beim Praxistest zeigen sich durchaus Unterschiede, erklärt einer der 25 Wertungsrichter aus der Region Stuttgart. „Es kommt vor, dass ein Detail mal vergessen wird in der Nervosität“, meint Volker Klingler von der Feuerwehr Uhingen.

„Man vergisst vielleicht mal, auch die Lampe mitzunehmen oder einen Befehl zu wiederholen“, zählt Larissa Illing von der Jugendfeuerwehr Remshalden kleine Stolperer auf. Nervös seien sie „eigentlich nicht gewesen“, meint ihr Kollege Lukas Bauer. „Wir haben ja fleißig geübt.“ Seit Anfang September hätten sie sich zwei- bis dreimal mit ihren Ausbildern Annika Raithle und Tim Watzka auf den großen Tag vorbereitet. Der Fleiß hat sich gelohnt. „Es war ein absolut spannender und erfolgreicher Tag, der die Kids über sich hinauswachsen ließ“, fasst die stellvertretende Jugendwartin Aline Margraf zusammen.

Teilweise mehrere Stunden Anfahrt

Nicht alle hatten so eine kurze Anfahrt wie die Remshaldener, teilweise waren die Jugendfeuerwehr-Truppen mehrere Stunden unterwegs, um dabei zu sein. Die Leistungsspange adelt ihre Ausbildung. „Es hat nicht jeder, darauf können wir schon stolz sein“, meint der Remshaldener Lukas Bauer.

Für Kollegin Larissa Illing steht das koordinierte Miteinander im Mittelpunkt. „Es ist gut fürs Team, weil jeder sieht, dass man nicht alles alleine machen muss, sondern im Trupp zusammen arbeitet.“ So wie es im „richtigen“ Feuerwehrleben im aktiven Dienst ja auch ist, auf den sie sich seit ihrer Kindheit oder dem Teeniealter vorbereiten. Auch Moritz Rosenbauer, der Remshaldener Jugendwart, verteilt Lob an den gezeigten Zusammenhalt unter den Jugendfeuerwehren. „Das gegenseitige Anfeuern bei Schnelligkeitsübungen“ zeige, dass Werte wie „Kameradschaft Respekt, Verantwortung, Toleranz“, wie sie im Werteprojekt festgeschrieben sind, in der Praxis zum Tragen kommen.

Noch mehr als die 130, die in Alfdorf waren, nämlich über 200 Jugendliche von 17 Feuerwehren aus ganz Baden-Württemberg waren dem Aufruf zur Abnahme der Leistungsspange gefolgt. Coronabedingt wurde zwei Jahre keine mehr abgenommen, so Kreisjugendfeuerwehrwart Frank Luckenbach. Die Deutsche Jugendfeuerwehr hat darum den zwischen 2002 und 2007 Geborenen die Möglichkeit gegeben, in diesem Jahr die Leistungsspange abzulegen.

Deshalb sind auch jene Jahrgänge dabei, die älter als 16 Jahre sind, was die hohe Teilnehmerzahl erklärt. Da das mit einer Veranstaltung nicht zu bewältigen ist, wurde sie auf zwei Orte verteilt. So durchliefen parallel weitere 12 Gruppen in Denkendorf im Landkreis Esslingen die Prüfung.

Es war ihr großer Tag: Bei Dauerregen stellten sich am Wochenende in Alfdorf Jugendfeuerwehrleute aus ganz Baden-Württemberg den anspruchsvollen Aufgaben zum Erreichen der Leistungsspange. Das ist die höchste Auszeichnung in der Jugendfeuerwehr in Deutschland. Auch aus dem Rems-Murr-Kreis waren Jugendfeuerwehrleute vertreten. Alle 130, die da waren, haben das Abzeichen erhalten, das künftig an den Jacken ihrer Uniform stecken wird und sie an einen besonderen Tag in ihrer Jugendfeuerwehrzeit

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