Alfdorf

Claws Tohsche aus Alfdorf hat einen Geländewagen zum Expeditionsmobil umgebaut

Tohsche
Strahlt über alle Backen. Claws Tohsche hat sich mit dem Umbau des Fahrzeugs für seine Expeditionen einen Kindheitstraum erfüllt. © privat

Die einen gehen in Ruhestand und legen zuerst einmal die Beine hoch, die anderen starten noch einmal durch. Zur zweiten Personengruppe gehört der Alfdorfer Claws Tohsche, der sich im Ruhestand einen Kindheitstraum erfüllt. Der 65-Jährige hat einen Geländewagen der G-Klasse zum Expeditionsmobil umgebaut und will damit in aller Ruhe durch Deutschland und Europa reisen.

Einsätze im Kosovo, in Afghanistan und Pressesprecher bei Daimler

„Schon als Kind war mein grosser Traum, mit einem Expeditionsreisewagen ferne Länder und abgelegene Landschaften zu durchstreifen, heute erkenne ich, dass die Uckermark genauso ,fern‘ ist“, sagt Claws Tohsche. Zudem waren als Jugendlicher seine Traumberufe Technikjournalist, Maschinenbauingenieur für Allradfahrzeuge und Offizier. Das hat sich alles erfüllt als Pressesprecher eines der führenden Nutzfahrzeughersteller mit Legenden wie dem Geländewagen und dem Unimog, als Monteur des Unimogs für die australische Armee und als Offizier der Bundeswehr unter anderem in Afghanistan oder dem Kosovo und Hilfskonvois für das THW in Krisengebiete.

Sein Vater war Entwicklungshelfer in Vorderasien

Aufgewachsen in Vorderasien, wo der Vater als Entwicklungshelfer an einem Staudamm mitarbeitete und Claws als Kind bis zu fünf Jahren zwischen den überschweren Kippern und Jeeps mit vielen Kindern aus aller Welt herumsprang. Zurück in Deutschland versetzte der Staat seinen Vater in die Nähe von Gaggenau – der Unimog-Stadt, dem Unimog, der in Schwäbisch Gmünd erfunden wurde. „Mein großes Glück, denn so lernte ich schon in jungen Jahren die Unimog-Leute kennen, und konnte so meine erste Ausbildungen, Praktika und Studienarbeiten für die Universität KIT Karlsruhe mit dem Unimog absolvieren.“

In den neunziger Jahren von Weinstadt nach Alfdorf umgezogen

In den 1980er Jahren folgte die Versetzung in die Zentrale nach Untertürkheim, Redenschreiber für den Vorstand und dann in die Presseabteilung Nutzfahrzeuge, zuständig für die schweren Lkw und die behördlichen Sonderfahrzeuge wie Geländewagen und Unimog. Anfang der 90er Jahre zog Tohsche von Weinstadt nach Alfdorf, „wegen der Schönheit der Natur im Welzheimer Wald“. Fahrzeugvorstellungen und Journalistenreisen mit neu entwickelten Lkw führten ihn in viele Länder der Erde. Eine Besonderheit seiner Abteilung war die Durchführung von humanitären Hilfskonvois, die er nach Afghanistan für das Technische Hilfswerk THW und viermal zur syrischen Grenze planen und leiten durfte. Inzwischen ist der Alfdorfer ehrenamtlich als Pressesprecher im THW und so gab es aktuell auch Hilfseinsätze mit Geländewagen und Unimog im Ahrtal und für die THW-Ukraine mit 40-Tonnen-Lastzügen.

Die G-Klasse ist bei vielen Hilfseinsätzen dabei

Die G-Klasse (und der Unimog) sind eine der tragenden Rückgrate für Hilfseinsätze bei der Feuerwehr, als Krankenwagen, beim THW, den Energieversorgern und beim Militär. Die Bilder von den Hochwasserkatastrophen im Elbtal 2013 und im Ahrtal 2021 oder bei den Waldbränden in diesem Sommer sprechen für sich. Diese Bilder werden wegen der Klimaänderung in Zukunft noch häufiger über die Bildschirme flimmern.

Ehemaliges Fahrzeug der Schweizer Armee umgebaut

Der Traum von einem Expeditionsmobil erfüllte sich Tohsche an seinem 65. Geburtstag. Er reiste nach Graz, in die Fabrik des Geländewagens. Auf deren Fließbändern wurden die identischen Mercedes G und Puch G gebaut, einziger Unterschied: Stern oder Puch-Zeichen, der Rest identisch. Bei der Nachfolgefirma der Steyr-Daimler-Puch, der S-Tec, wählte er aus einem Kontingent von 200 von der Schweizer Armee an den Hersteller zurückgegebenen rund 30 Jahre alten Geländewagen seinen Puch GE 230. Die Schweizer fuhren den GE 230 hauptsächlich als Planen-Cabriolet und in wenigen Stückzahlen den Puch GE 230 Funkwagen. Dieser unterschied sich durch den Kofferaufbau, aus dem sich vortrefflich ein kompaktes Allrad-Expeditionsmobil herstellen lässt, also genau das Richtige für den Kindheitstraum. Das Besondere der Schweizer: Sie bringen die Technik des Motors, Getriebe und des Aufbaus nach der Kilometerleistung auf Vordermann, verkauft wird nach Alter, also eine besondere Chance, gut gepflegte G-Klassen zu bekommen. Der G des Alfdorfers hat neuen Unterbodenschutz, Hohlraumversiegelung, neue Räder und Reifen bei der Auslieferung, Wechsel aller Betriebsflüssigkeiten, zusätzlich ein Boise-Soundsystem und Rückfahrkamera und vieles mehr, also ein fast neues Fahrzeug. Und das Allerbeste: Er hat das Fahrzeug nicht bei einem Hinterhofschrauber erworben, sondern bei S-Tec in Graz, dem Herstellerwerk, das die G-Klasse gebaut hat und dessen Mechaniker nun sein Auto hergerichtet haben.

Das generalüberholte Fahrzeug wurde in Alfdorf vor die Haustüre gestellt

Der Service geht so weit, dass die Grazer in Freilassing für die G-Klasse beim TÜV die erste Einzelzulassung für Europa nach 30 Jahren für Europa durchführen lassen und das Auto mit dem neuen Fahrzeugbrief bis vor die Haustür in Alfdorf fahren. Der 115 PS starke Vierzylinder- 2,3-l-Benzin-Motor ist unverwüstlich. Der zuschaltbare Allradantrieb mit Differentialsperren, 20 Zentimeter Bodenfreiheit, 60 Zentimeter Wasserleitfähigkeit machen die G-Klasse zu den legendären und unverwüstlichen Geländewagen der Welt, in der Liga, in der gerade noch Jeep, Land-Rover und Land-Cruiser mitspielen. Es gibt schön ausgebaute Campmobile. „Ich ziehe einen flexiblen Innenausbau, mit Zarges-Expeditionsboxen, Regalen und Holz-/Polsterauflagen vor. Damit behalte ich auch einen großräumigen Kastenwagen und kann das historische Kfz-H-Kennzeichen beantragen.“

Das Fahrzeugmodell wird seit mehr als 40 Jahren produziert

Die Geschichte der G-Klasse ist einmalig, sie ist seit mehr 40 Jahren das am längsten produzierte Modell der schwäbischen Autofirma und auch weltweit gibt es wenig so lange produzierte Fahrzeuge. Der Firmenname Steyr-Daimler-Puch verrät die Hauptakteure bei der G-Klasse- Entwicklung. Die Gaggenauer Unimog-Konstrukteure entwickelten zusammen mit den Fachleuten des Puch-Haflinger-Geländewagens die Grundlagen des G, dessen selbsttragender Rahmen eine kleinere Ausgabe des Unimog-Chassis ist. 1973 begann die Entwicklung, Prototypen wurden in der heißen Sahara und in der eiskalten Arktik getestet. Im Jahr 1979 wurde die G-Klasse in Südfrankreich der Fachpresse vorgestellt. Es gab von Beginn an die G-Klasse für den privaten Kunden und die etwas einfachere Variante für Behörden, eben wie den Schweizer-Puch-Funkwagen.

Historische Unimog- und Oldtimerveranstaltung in Honkling

Vergangenes Wochenende veranstaltete der Unimog-Club Ostalb eine historische Unimog-Schau beim Dorffest in Honkling, mit der Einladung an Besitzer anderer historischer Fahrzeuge, ihre Schätze zu zeigen. Neben opulenten US-Straßenkreuzern der 1950er Jahre war natürlich auch der kleine Bruder des Unimogs aus Alfdorf, der Schweizer Puch GE 230 Funkwagen, dabei.

Sein Fahrzeug ist inzwischen fast 30 Jahre alt

Der ökologische Fußabdruck der G-Klasse muss fair und ohne Ideologie durchdacht werden, meint Claws Tohsche. Sein Fahrzeug ist fast dreißig Jahre alt, in der Zeit sind viele Autos durch die Schrottpressen gegangen, während seine G-Klasse nachhaltig mit Material sparte. Manche sprechen von horrendem Spritverbrauch. Man muss die G-Klasse halt vorausschauend fahren und nicht allzu schnell. Dann erlaubt die Physik auch einen gnädigen Verbrauch. Zudem erfordert der angesprochene Klimawandel einen smarten, intelligenten Transportmix. Von Alfdorf nach Lorch und weiter mit dem ÖPNV nach Stuttgart verbraucht sein G rund 2,5 Liter auf 100 Kilometer, mit dem inzwischen stündlichen Busangebot ab Alfdorf sogar auf null. Tohsche: „Es gilt 90 Prozent der täglichen Routinefahrten nach Stuttgart oder sonst wohin mit der Bahn anzutreten. Da sind auch gemächliche Wanderreisen zur Nordsee verantwortbar, insbesondere, da es im Expeditionsmobil keine Hotelkosten mehr gibt. Mit der Entdeckung der deutschen und europäischen Natur spart man den Flugtreibstoff nach Mallorca: guter ökologischer Fußabtritt und entschleunigtes, naturnahes Reisen mit dem Puch GE 230 Expeditionsmobil."

Die einen gehen in Ruhestand und legen zuerst einmal die Beine hoch, die anderen starten noch einmal durch. Zur zweiten Personengruppe gehört der Alfdorfer Claws Tohsche, der sich im Ruhestand einen Kindheitstraum erfüllt. Der 65-Jährige hat einen Geländewagen der G-Klasse zum Expeditionsmobil umgebaut und will damit in aller Ruhe durch Deutschland und Europa reisen.

Einsätze im Kosovo, in Afghanistan und Pressesprecher bei Daimler

„Schon als Kind war mein grosser Traum, mit

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