Alfdorf

Restaurant geschlossen: Warum die Alfdorfer Pizzeria "Belvedere" nur noch Essen zum Abholen anbietet

Pizzeria Belvedere
Yüksal und Francesco Comite bieten in ihrer Pizzeria „Belvedere“ die Gerichte nur noch außer Haus an. © Alexandra Palmizi

60 Plätze bietet die Alfdorfer Pizzeria „Belvedere“ und noch einmal 60 weitere draußen: Sie bleiben vorerst leer. Denn Inhaber Francesco Comite und seine Frau Yüksal bieten seit Dienstag nur noch einen Abholservice an und haben das Lokal geschlossen. Ab dem 1. November soll zusätzlich ein Lieferdienst eingerichtet sein.

Der Gedanke, nur noch auf den Abhol- und Lieferbereich zu setzen und das Restaurant selbst zu schließen, hat das Gastronomenpaar bereits seit einiger Zeit beschäftigt, sagt Yüksal Comite. „Wir haben immer noch gehofft.“ Der Steuerberater habe den Schritt aber schon länger empfohlen. Denn: „Unter dem Strich bleibt nichts mehr übrig.“

„Es ist das dritte Jahr, in dem wir um die Existenz kämpfen“

Die Corona-Jahre und die Baustelle an der Hauptstraße in Alfdorf haben ihre Spuren hinterlassen. „Wir haben unser ganzes Geld in die Pizzeria reininvestiert“, sagt die Chefin des Hauses im Telefongespräch. „Es hört einfach nicht auf.“ Nun sind es der Krieg in der Ukraine mit seinen Folgen und die Preissteigerungen, die dem Gastronomiebetrieb zu schaffen machen. „Es ist das dritte Jahr, in dem wir um die Existenz kämpfen.“ Die Kosten für Lebensmittel, Energie, Personal, Mindestlohn: „Wir können uns kein fest angestelltes Personal mehr leisten“, stellt Yüksal Comite fest. Nun soll es ohne diese Kräfte gehen. Die entsprechenden Mitarbeiter sind anderweitig untergekommen. „Dafür haben wir gesorgt.“

Die Nachricht hat bei den Gästen eingeschlagen. Die Kundschaft, die seit Jahren in die Pizzeria kam, sei geschockt. Sie wüsste natürlich um die Krise. „Aber dass es nun auch das Lieblingslokal trifft.“

„Die Preise kann man gar nicht an die Kundschaft weitergeben“

Seit 16 Jahren haben Francesco und Yüksal Comite die Pizzeria „Belvedere“ in Alfdorf. „Das ist hier ein wunderschönes Lokal.“ Seitdem haben sie auch treue Kunden.

Und der Restaurantbereich wurde auch nicht geschlossen, weil dort etwa die Plätze leer gewesen wären. Das Lokal lief super, sagt Yüksal Comite, es sei jeden Tag voll gewesen. „Das Lokal ist voll, und trotzdem muss man zumachen, weil nichts hängenbleibt.“ Sie hätten die gestiegenen Preise nicht in dem Maß umlegen können. „Die Preise kann man gar nicht an die Kundschaft weitergeben.“ Wer, so fragt die Chefin des Hauses rhetorisch, zahlt für eine Pizza 20 Euro? Oder für einen Teller Nudeln 15, 20 Euro? „Wer kommt dann noch?“

Gasflasche für den Herd kostete früher 80 Euro und nun 146 Euro

Von gestiegenen Preisen kann Yüksal Comite einiges berichten. Für das Restaurant bezahlten sie „monatlich bestimmt 7000 Euro mehr für Lebensmittel“, sagt sie rückblickend. Für Käse ist der doppelte Preis fällig. Geschälte Tomaten, die früher für 1,99 Euro zu haben waren, schlagen jetzt mit sechs Euro zu Buche, nennt die Fachfrau Beispiele.

Die Energiekosten tun ein Übriges. Eine Gasflasche für den Herd etwa kostete früher 80 Euro und nun 146 Euro.

Beide haben für die Pizzeria von früh bis nachts gearbeitet

Das Ehepaar hatte die Preise so erhöht, wie es möglich war, und versucht, die gestiegenen Kosten durch weniger Personal auszugleichen. Beide haben für die Pizzeria von früh bis nachts gearbeitet. Von halb zehn Uhr an, vorher wurden bereits die Einkäufe erledigt, bis 23.30 Uhr, manchmal auch länger, mitunter 15 Stunden am Tag. Yüksal Comite putzt außerdem noch die Pizzeria selbst.

Viel Arbeit und doch kein Reichtum. Personal, Versicherungen, Finanzamt, Energie und Pacht: „Man arbeitet nur zum Zahlen“, sagt sie rückblickend.

70 bis 80 Prozent der Bestellungen, weiß Yüksal Comite aus dem Restaurant, betreffen Pizza.

Der Rest entfällt auf Nudeln, Salate, Fleisch und Fisch. „Bei Fleisch- und Fischgerichten haben wir reduziert. Es lohnt sich einfach nicht mehr bei dem Einkaufspreis.“ Der sei doppelt bis dreifach so teuer geworden.

„Die Leute haben weniger Zeit und weniger Geld“

Dazu beobachtet die 53-Jährige auch Veränderungen bei den Kunden. „Die Leute haben weniger Zeit und weniger Geld.“ Früher gab es auch mehr Feiern. „Früher ist irgendwie auch mal was hängengeblieben. Man hat gearbeitet und hat was dafür bekommen. Die Leute haben sich mehr Zeit genommen zum Essen.“ Und waren besser gelaunt, vergleicht Yüksal Comite. Wann das war? Vor vier Jahren etwa, ordnet sie ein. Durch die Corona-Pandemie sei es anders geworden.

Zukunfts- und Existenzängste stellt die Gastronomin außerdem bei den Gästen fest. „Es ist schwieriger, mit den Leuten umzugehen.“

Yüksal Comite stammt aus der Türkei. Ihr Mann Francesco ist Italiener und kommt aus Kalabrien. „In Deutschland geht es den Menschen immer noch gut“, vergleicht sie. In der Türkei gebe es eine Inflation von 80 Prozent.

„Es war eigentlich immer mal unser Traum, ein eigenes Lokal“

Das Ehepaar Comite kommt ursprünglich nicht aus der Gastronomie. Beide sind seit 2006 in Alfdorf und hatten vorher kein Lokal. Francesco Comite hatte einst in einer Firma geschafft und ist leidenschaftlicher Koch.

Yüksal Comite ist gelernte Arzthelferin. „Es war eigentlich immer mal unser Traum, ein eigenes Lokal.“ Und die Freude an ihrer Arbeit hört man ihr immer noch an: „Wenn man abends seine Gäste begrüßt, die Leute sind glücklich, dass sie da sind, und spiegeln einem das auch, das ist sehr gesellig, das ist schön.“ Aber: „Es hilft einem halt nicht mehr zum Überleben.“

Allerdings haben Yüksal und Francesco Comite die Hoffnung nicht aufgegeben, ihr Restaurant in der Zukunft vielleicht doch wieder öffnen zu können. „Wir hoffen, dass es im Frühjahr vielleicht wieder besser wird und wir mit einer kleinen Karte wieder aufmachen können.“

60 Plätze bietet die Alfdorfer Pizzeria „Belvedere“ und noch einmal 60 weitere draußen: Sie bleiben vorerst leer. Denn Inhaber Francesco Comite und seine Frau Yüksal bieten seit Dienstag nur noch einen Abholservice an und haben das Lokal geschlossen. Ab dem 1. November soll zusätzlich ein Lieferdienst eingerichtet sein.

Der Gedanke, nur noch auf den Abhol- und Lieferbereich zu setzen und das Restaurant selbst zu schließen, hat das Gastronomenpaar bereits seit einiger Zeit beschäftigt,

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