Alfdorf

Spatenstich für neues TRW-Logistikzentrum

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Die Firma ZF TRW in Alfdorf. © Gabriel Habermann

Alfdorf. Für Bürgermeister Michael Segan ist es ein wichtiges Signal, ein Zeichen für den Standort Alfdorf, dass die Firma ZF TRW vor Ort rund 13,6 Millionen Euro in ein Logistikzentrum investiert, in dem bereits im Juli nächsten Jahres die Wagen rollen sollen. Am Dienstagnachmittag flog beim obligatorischen Spatenstich bereits die erste Erde, als Vertreter der Gemeinde, der beteiligten Firmen sowie Landrat Dr. Richard Sigel den Beginn der Bauarbeiten einläuteten. Ein Meilenstein – auch für TRW.

Davon sprach Michael Ruster, Werksleiter der TRW Alfdorf mit Prokura, im Anschluss an den Spatenstich, als die beteiligten Personen aufgrund des Regens in den Bauwagen geflohen waren. Bevor im Sommer 2018 rund 40 Mitarbeiter im Logistikzentrum ihre Arbeit beginnen werden, stehen nun Bauarbeiten an, um rund 13 700 Quadratmeter Lagerfläche zu erstellen.

Regallager mit 9500 Stellplätzen

Geplant ist ein Regallager mit 9500 Stellplätzen sowie Platz für 700 Stahl-Spulen südlich vom Bestandsgebäude im Gewerbegebiet Brühl mit Andockplätzen für Lkw. Die Halle wird von der Firma Panattoni Europe errichtet werden. Den Bau der Halle auf rund 27 000 Quadratmetern beschrieb Michael Ruster als „eines der emotionalsten Ereignisse“ in seiner Zeit als Werksleiter. Ruster schilderte, warum die Firma in Alfdorf investiert und künftig wohl weitere Arbeitsplätze schaffen will – nicht nur im Logistikzentrum. Von bis zu 100 Ingenieuren war die Rede.

1900 Beschäftigte in Alfdorf

Die Firma ZF TRW, die in Alfdorf rund 1900 Menschen beschäftigt, sehe positiv in die Zukunft. Man gehe von einem großen Wachstum aus, gehöre elektrisch und autonom fahrenden Fahrzeugen doch die Zukunft, wie Helmut Köditz, Geschäftsführer der TRW Automotive GmbH, deutlich machte. ZF in Friedrichshafen hat TRW im Mai 2015 übernommen und als Zweig Aktive und Passive Sicherheitstechnik in den internationalen Konzern integriert.

Entwicklung von Airbag- und Gurtsystemen

Dazu gehört das Geschäftsfeld Insassenschutzsysteme mit Hauptsitz in Alfdorf. Hier werden Sicherheitstechnologien wie Airbag- und Gurtsysteme entwickelt. Wer in Zukunft nicht mehr hinter dem Steuer sitzt, weil das Fahrzeug autonom fährt, muss auch in einer liegenden Position oder beim Arbeiten im Auto optimal geschützt werden, erläuterte Michael Ruster. Daran arbeiteten die Beschäftigten in Alfdorf. Das neue Logistikzentrum soll die Arbeitsprozesse beschleunigen, Wege verkürzen.

Den Standort in Alfdorf auf absehbare Zeit sichern

Eine derartige Investition sei nicht alltäglich. Das Logistikzentrum wird später vom Speditionsunternehmen Lackner aus Gmünd im Auftrag von TRW betrieben. Nach der Fertigstellung der Halle verlegt ZF TRW das bislang in Mögglingen angesiedelte Logistikzentrum nach Alfdorf und reduziert somit den Pendelverkehr, da Abläufe vor Ort gebündelt werden. Die Größe des Baus solle eine weiter steigende Nachfrage abdecken können, damit der Standort auf absehbare Zeit gesichert sei.

Segan humorvoll: Jetzt bleibt Alfdorf im Rems-Murr-Kreis

Für Bürgermeister Michael Segan ist der Bau ein „außergewöhnliches Projekt für die Gemeinde Alfdorf“. Es sei das größte Projekt im Gewerbebereich in den vergangenen 25 Jahren, das auch die Mitarbeiter im Rathaus herausgefordert habe. Alle Seiten, Firma, Verwaltung und Landratsamt, lobten die zügige Zusammenarbeit und wie man gemeinsam unter anderem technische Probleme und baurechtliche Fragen bei den Planungen gelöst habe. Auch der Gemeinderat, so Michael Segan, habe seinen Teil dazu beigetragen, dass aus einer Idee, die Mitte 2015 entstand, nach rund drei Jahren Wirklichkeit werden könne.

Autonomes Fahren bietet große Chancen

Dass ZF TRW in Alfdorf, die Gemeinde sei ja rund eine Stunde von der nächsten Autobahn entfernt, eine derartige Investition tätige, sei „aller Ehren wert und ein Zeichen der Verbundenheit“ – auch in Zukunft. Der Bereich autonomes Fahren biete große Chancen – auch für Alfdorf. Weitere Arbeitsplätze würden entstehen.

Spatenstich im Herbst

Dass das Landratsamt so schnell gearbeitet habe, der Spatenstich somit bereits im Herbst stattfinden konnte, wertete Segan ebenfalls als Signal der Verbundenheit des Landratsamtes zu Alfdorf. Mitunter, wenn mal nicht alles so schnell klappe, sei ja die Rede davon, man solle vielleicht lieber in den Ostalbkreis wechseln. „Jetzt bleiben wir“, hielt Segan humorvoll fest und erntete Lacher – auch von Landrat Richard Sigel.

Landratsamt muss Rahmenbedingungen schaffen

Der spielte den Ball zurück: Aufgabe des Landratsamtes sei es, die passenden Rahmenbedingungen für Unternehmen und Bürger zu schaffen, damit Firmen, vor allem auch der Mittelstand, im Landkreis investierten. Man sei Dienstleister, müsse aber auch Bauprojekte mit den Fragen des Natur- und Umweltschutzes zusammenbringen. Darauf war bereits Michael Ruster eingegangen.

Dachbegrünung und Nistkästen

Ein KfW-70-Standard sei bei einer Logistikhalle „nicht selbstverständlich“, betonte Ruster den Faktor Nachhaltigkeit. Unter anderem werde das Dach begrünt und es werden Nistkästen für Vögel und Fledermäuse geschaffen. Die Tiere können somit auch im Rems-Murr-Kreis bleiben.


Akzeptanz der Bürger

  • Werksleiter Michael Ruster lobte die Zusammenarbeit mit den beteiligten Partnern – auch den Alfdorfer Bürgern, die dem Projekt mit „Akzeptanz und Offenheit“ begegnet seien. Das sei für ein solches Großprojekt nicht selbstverständlich. Es habe wenig Widerstände gegeben, die man früh habe ausräumen können. Auch auf einer Bürgerversammlung waren keine gravierenden Bedenken geäußert worden. Die notwendigen Änderungen des Bebauungsplans konnten zeitnah umgesetzt werden.
  • Diskutiert wurde im Vorfeld unter anderem über den Lieferverkehr. Dieser soll weiterhin von Osten nach Westen erfolgen. Die verantwortlichen Planer betonten, dass es zu keiner Ruhestörung durch parkende Lkw, besonders am Wochenende, kommen werde. Angeliefert werde zwischen Montag ab 6 Uhr und freitags bis 21 Uhr. Am Wochenende herrsche demnach Ruhe. Gearbeitet werde im Dreischichtbetrieb an sieben Tagen in der Woche. Kalkuliert wird mit 80 Lkw pro Tag.