Alfdorf

Streit wegen Unwetter

Unwetter in Alfdorf_0
Vom Unwetter am 11. Juni waren vor allem die Gemeinden Plüderhausen und Alfdorf sowie die Stadt Lorch (unser Bild) betroffen. Gemeinderat Klaus Hinderer lobte im Alfdorfer Gemeinderat das Krisenmanagement der Klosterstadt. © ZVW/Danny Galm

Alfdorf. Das Unwetter vom 11. Juni hat im Alfdorfer Gemeinderat Wellen geschlagen. Insbesondere Gemeinderat Klaus Hinderer kritisierte das Verhalten der Gemeindeverwaltung. Bürgermeister Michael Segan sichert zu, die Kommunikation mit den betroffenen Bürgern zu verbessern.

Unter Punkt Bekanntgaben hatte Segan am Schluss der letzten Gemeinderatsitzung vor der Sommerpause von einem Gespräch mit Anliegern der Seestraße berichtet. Die betroffenen Bürger hatten sich in einem Brief an Verwaltung und Gemeinderat gewandt. Als Ergebnis stellte Segan fest, dass die Verwaltung die Sanierung und den Ausbau der Kanalisation für das nächste Jahr einplane. Mit Kosten von 350 000 bis 400 000 Euro sei zu rechnen.

Niederschlagsmenge von 80 bis 100 Litern je Quadratmeter

Dass auch außerhalb der Hochwasserereignisse immer wieder (zwei- bis dreimal) im Jahr die Keller in der Seestraße volllaufen, sei der Gemeindeverwaltung nicht bekannt gewesen. Die Fachleute hätten gehofft, dass sich mit der Auswechslung der Kanäle zur Kläranlage Alfdorf die Situation auch in der Seestraße verbessere.

Allerdings sei es auch so, dass bei so einem Unwetterereignis wie am 11. Juni mit einer Niederschlagsmenge von 80 bis 100 Litern je Quadratmeter jedes Abwassersystem überfordert ist. „Das fasst kein Kanal.“

Ein weiteres Problem des Kanals in der Seestraße ist laut Segan die Geruchsbelästigung. Das könne unter Umständen mit langen Trockenperioden zusammenhängen. Ob die Kosten für den damaligen Feuerwehreinsatz von der Gemeinde übernommen werden, wird in der Gemeinderatssitzung am 16. September entschieden.

Hinderer: Vielen fühlten sich nicht ernst genommen

Klaus Hinderer beklagte die schlechte Kommunikation zwischen Verwaltung und betroffenen Bürgern. Viele fühlten sich nicht ernst genommen. Auch gebe es einige Fälle, in denen die Betroffenen gar keine oder eine abweisende Antwort bekommen hätten. „Sie sollten offensiv auf die Bürger zugehen.“ Dem widersprach Michael Segan: „Jeder Anrufer, und es waren fünf, hat eine Antwort bekommen.“ Auch sei es nicht richtig, wie behauptet werde, dass die Verwaltung zu dem Gesprächstermin gezwungen worden sei.

Der Bürgermeister betonte, dass das Unwetter kein Katastrophenfall gewesen sei und deshalb auch kein Katastrophenplan in Kraft gesetzt worden sei. Dass es so lange dauerte, bis ein Container auf dem Bauhof aufgestellt worden sei, liege in erster Linie an der AWG des Landkreises, die sich zunächst dagegen gesperrt habe, aus der Befürchtung heraus, dass andere Menschen dort dann ihren Sperrmüll entsorgen. Deshalb habe sich auch der Standort im Bauhof ergeben und eben nicht direkt in den betroffenen Straßen.

Die Stadt Lorch als gutes Beispiel genannt

Die Abfallverwertungsgesellschaft des Ostalbkreises (GOA) hat offenbar in der Stadt Lorch schneller und unbürokratischer reagiert. „Ich wurde von vielen betroffenen Bürgern angesprochen“, berichtete Klaus Hinderer. Die Atmosphäre des Gesprächs mit den Betroffenen sei sehr hitzig gewesen. Segan hingegen sprach von einer überwiegend sachlichen Atmosphäre. Hinderer: „Für die Bürger war das Gespräch unbefriedigend, das Krisenmanagement hat überhaupt nicht geklappt.“ Die Stadt Lorch hingegen hat laut Hinderer vorbildlich reagiert. Es mache keinen Sinn, wenn betroffene Bürger aus Alfdorf, die 70 oder 80 Jahre alt seien, ihren Müll nach Pfahlbronn transportieren müssten.

Im Mitteilungsblatt der Stadt Lorch sei das Aufstellen der Container rechtzeitig bekanntgegeben worden, in Alfdorf gar nicht. Außerdem habe es in der Nachbarkommune für die betroffenen Bürger eine Gutschrift auf die Wasser- und Abwassergebühr gegeben. Auch sei die Feuerwehr in Alfdorf nicht bei allen vollgelaufenen Kellern im Einsatz gewesen. Die Anlieger in der Seestraße würden sich oft selbst behelfen, aus leidvollen Erfahrungen der vergangenen Jahre.

„Bitte lassen Sie die Kirche im Dorf“, sagte daraufhin Bürgermeister Segan. Bislang seien 56 Fälle in der Gesamtgemeinde Alfdorf bekannt. Gemeinderat Hans-Dieter Folter (Freie Wähler) forderte in diesem Zusammenhang eine klare Dokumentation der Schäden. Insbesondere müsse geklärt werden, ob das Wasser durch die Kanäle in die Häuser drückte oder ob es Oberflächenwasser gewesen sei. Dann wäre es laut Folter ein hausinternes Problem. Segan sagte zu, diese Erhebung zu machen. Allerdings bestehe dann die Gefahr, dass die Versicherungen eventuell die Schäden nicht ersetzen würden.

Der Kanal in der Seestraße weise keine Schäden auf, betonte Segan. Der Zustand der Kanäle sei im Allgemeinen Kanalisationsplan (AKP) erfasst.


Kein Hochwasser

Ein „Hochwasser“ hat es am 11. Juni in Alfdorf laut Bürgermeister Michael Segan nicht gegeben.

Anders als in Lorch, wurde der öffentliche Raum nicht überspült. „Als wir mit unserem Bus um Mitternacht in Alfdorf ankamen, waren die Straßen fast schon wieder trocken, ohne dass die Feuerwehr irgendwo hätte eingreifen müssen“, so Segan ergänzend nach der Gemeinderatssitzung. An diesem Tag kam eine Alfdorfer Delegation von einer Reise in die Partnergemeinde in Ungarn zurück.

Segan bedauert sehr, dass am Abend des 11. Juni einige Keller vollgelaufen sind. „Meine Familie und ich waren selber betroffen.“

Das Starkregenereignis traf aber nur Privathaushalte und einige Unternehmen.

Nach Kenntnis der Gemeindeverwaltung ist insbesondere bei den Unternehmen deutlich geworden, dass das Wasser nicht aus dem Kanal, sondern von der Straße und von Grundstücksflächen her in die Gewerbehallen geflossen ist. Das hat Segan bereits in der Sitzung am 18. Juni erläutert und das hat er auch in der Gesprächsrunde am 11. Juli so dargelegt.

Zehn Kubikmeter

Im Mitteilungsblatt hat sich die Stadt Lorch an alle Hochwassergeschädigten gewandt. Ein Textauszug:

Am Montagabend, 11. Juni 2018, sind infolge eines Unwetters mit Starkregen vor allem der Götzenbach, der Kirnbach sowie andere Bäche über die Ufer getreten und haben teilweise erhebliche Schäden an Grundstücken und Gebäuden hinterlassen.

Für den entstandenen Reinigungsaufwand gewährt die Stadt auf Antrag jedem betroffenen Wohnungs- und Grundstückseigentümer eine Gutschrift auf die zum Jahresende ergehende Wasserzins- und Abwassergebührenabrechnung für zehn Kubikmeter Frischwasser und Abwasser.